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07.09.2016

Modehandel: Schutzschirm für Wöhrl mit Gerloff und Schultze & Braun

Mit einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung will sich die Modehandelskette Rudolf Wöhrl sanieren. In der als Schutzschirm bekannten Variante des Verfahrens sorgt Insolvenzrechtler Dr. Christian Gerloff von Gerloff Liebler in München für die operative Steuerung. Den vorläufigen Sachwalter stellt Schultze & Braun mit Volker Böhm.

Christian Gerloff

Christian Gerloff

Gerloff kennt sich wie kaum ein anderer Insolvenzverwalter im Modeeinzelhandel aus. Bei Wöhrl ist er allerdings nicht als Verwalter bestellt, sondern als Chief Restructuring Officer (CRO) in den Vorstand berufen worden. Zu seinen prominenten Fällen aus der Modebranche zählen Escada und Rena Lange. Auch die Insolvenz der deutschen Puccini-Gruppe 2015 betraf mehrere Einzelhandelsmarken. Seine Kanzlei Gerloff Liebler war 2014 aus der Sozietät Ott & Kollegen hervorgegangen.

Die Sachwalter-Rolle bei Wöhrl übernimmt Böhm. Das Insolvenzgericht Nürnberg bestellte den Schultze & Braun-Partner am Dienstag sowohl für die Tochtergesellschaft Haus der Markenkleidung, die das eigentliche Schutzschirmverfahren betrifft, als auch für die Rudolf Wöhrl AG. Böhm ist mit etlichen großen Insolvenzverfahren in der Region bekannt geworden. Vor allem die Insolvenz von Solar Millennium sorgte mehrfach für Aufsehen, etwa als 2014 bekannt wurde, dass Böhm Schadensersatzansprüche in dreistelliger Millionenhöhe gegen ehemalige Manager prüfte.

Volker Böhm

Volker Böhm

Mit einem Umsatz von rund 300 Millionen Euro und einer Mitarbeiterzahl von knapp 2.000 ist Wöhrl einer der größten Krisenfälle des laufenden Jahres. Die 34 Filialen der Modekette liegen zum großen Teil in Bayern. Die Krise des Modeeinzelhandels in Deutschland nimmt immer dramatischere Züge an. Erst vor wenigen Wochen war bekannt geworden, dass die Promod-Kette ebenfalls ein Schutzschirmverfahren durchlaufen hat. Zuständig war dort das Insolvenzgericht Köln. Im Falle des Modehändlers Steilmann, der im Frühjahr pleiteging, hatte dem Vernehmen nach die Zeit nicht ausgereicht, um etwas anderes als Regelinsolvenzen für die Gruppengesellschaften vorzubereiten.

Unternehmenskrise bei Wöhrl gefährdet Mittelstandsanleihe

Mit Wöhrl ist außerdem erneut eine Mittelstandsanleihe von einer Unternehmenskrise betroffen. Die mit 6,5 Prozent verzinste Wöhrl-Anleihe hat ein Volumen von 30 Millionen Euro und läuft bis 2018.

Der Schutzschirm wurde 2012 in das deutsche Insolvenzrecht eingeführt. Voraussetzung für diese Verfahrensvariante ist eine externe Sanierungsbescheinigung, die trotz drohender Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung eine Rettung als „nicht offensichtlich aussichtslos“ beschreibt. Das betroffene Unternehmen behält dabei die Kontrolle über sein Geschäft, muss allerdings innerhalb eines Vierteljahres einen Insolvenzplan vorlegen, der mit den Gläubigern ausgehandelt wird. In der Regel wird – wie jetzt bei Wöhrl – das Management um eine mit Insolvenzthemen vertraute Person ergänzt. (Markus Lembeck)

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