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06.10.2016

Deloitte-Umsatzzahlen: Rechtssparte wächst schneller

Die deutsche Landesgesellschaft des Big-Four-Prüfungsunternehmens Deloitte hat gestern seine Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr vorgelegt. Danach stieg der Umsatz der gesamten Gruppe um 22 Prozent auf 963 Millionen Euro. Noch besser entwickelte sich die Rechtssparte, die nach JUVE-Recherchen sogar um 33 Prozent zulegte.

Martin Plendl

Martin Plendl

Mit insgesamt 26 Millionen Euro, die Deloitte Legal mit Abschluss des Geschäftsjahres Ende Mai verbuchte, bleibt die Rechtsberatung allerdings winzig im Vergleich zur gesamten Gruppe. Recht ist Teil des Deloitte-Geschäftsbereichs Tax & Legal, der für einen Umsatz von 189 Millionen Euro steht und im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 9 Prozent verzeichnete.

Treiber innerhalb dieses Geschäftsbereichs waren zuletzt die Neugewinnung mehrjähriger Aufträge bei Mitarbeiterentsendungen ins Ausland und zur Übernahme von Steuererklärungen bei Großunternehmen. Hier profitierte Deloitte besonders von einer neu entwickelten digitalen Plattform, die den Steuererklärungsprozess, die Analyse von Steuerdaten oder Steuerrisiken automatisierter als zuvor umfasst.

Digitale Transformation

Insgesamt liegen laut dem deutschen CEO von Deloitte, Prof. Dr. Martin Plendl, die größten Chancen für die Zukunft seines Hauses in der digitalen Transformation von Wirtschaftsunternehmen.

Dementsprechend soll sich auch der Rechtsberatungsarm von Deloitte entwickeln. Laut Plendl wird der Bereich Legal „systematisch mit dem Leistungsportfolio – unter anderem in den Feldern Compliance, Datensicherheit, Intellectual Property und Digitalisierung – ausgebaut“. Zentral seien die Rechtsbereiche, die „komplementär zum Gesamtgeschäft“ liegen, was künftig eine deutliche höhere Nachfrage nach IP- oder IT-Anwälten als etwa nach Gesellschaftsrechtlern bedeute.

Dennoch legte Deloitte Legal auch in anderen Rechtsbereichen zu. So holte die Gesellschaft zum Oktober Dr. Albrecht Kindler als neuen Partner für die Financial-Services-Industry-Gruppe. Er soll die nationale und internationale Bankrechtspraxis an den Standorten Düsseldorf und Frankfurt unterstützen und ausbauen. Zuvor war er sechs Jahre bei der Bank of America Merrill Lynch in London und Frankfurt tätig.

Forensic Services als Wachstumsmotor

Der Geschäftsbereich mit dem größten Wachstum im vergangenen Geschäftsjahr war Financial Advisory, der um 51 Prozent auf 157 Millionen Euro zulegte. Hier sind unter anderem die Transaktionsberatung sowie die so genannten Forensic Services angesiedelt. Mit der internen Untersuchung im Rahmen des Volkswagen-Diesel-Skandals war Deloitte in diesem Feld an einem der spektakulärsten Mandate des vergangenen Jahres beteiligt.

Auch das klassische Prüfungsgeschäft – bei vielen Wettbewerbern ein Sorgenkind – konnte bei Deloitte zulegen und kam mit einem Plus um 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf einen Umsatz von 303 Millionen Euro.

In Deutschland erwirtschaftete Deloitte seine Einnahmen in Höhe von knapp eine Milliarde Euro mit über 6.100 Mitarbeitern zum Geschäftsjahresende. Damit ist die deutsche Landesgesellschaft derzeit zwar nur die siebtgrößte innerhalb des weltweiten Deloitte-Verbunds, der insgesamt 36,8 Milliarden US-Dollar umsetzte, dafür aber mit 22 Prozent eine der am schnellsten wachsenden. Zum Vergleich: Insgesamt legte das Geschäft um 9,5 Prozent zu, in Europa um 11,7 Prozent. (Jörn Poppelbaum)

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