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25.10.2016

Frankfurt: IP- und Litigation-Team von WilmerHale schließt sich Squire Patton Boggs an

Fast das gesamte Frankfurter IP-Team der US-Kanzlei WilmerHale wechselt zum Dezember zu Squire Patton Boggs. Zu der Gruppe um die beiden bekannten WilmerHale-Partner Reinhart Lange (59) und Dr. Christofer Eggers (56) gehört auch die bisherige Counsel Eva Schalast (50). Alle drei steigen bei Squire als Partner ein. Begleitet werden sie von fünf Markensachbearbeitern.

Reinhart Lange

Reinhart Lange

Dass das Team gemeinsam wechselt, überrascht kaum: Die Zusammenarbeit zwischen Eggers, spezialisiert auf Prozesse und einer der führenden deutschen Lebensmittelrechtler, und den bekannten Marken- und Wettbewerbsspezialisten Lange und Schalast ist seit Jahren sehr eng.

Eggers und Lange hatten ihre anwaltliche Laufbahn 1989 in der damaligen Kanzlei Gaedertz begonnen und waren nach deren Auflösung 2001 bei Mayer Brown tätig. Gemeinsam verließen sie die Kanzlei auch wieder und eröffneten Ende 2008 das Frankfurter Büro von WilmerHale. Bei diesem Wechsel folgte ihnen auch Schalast. Lange hatte in seiner Zeit bei Mayer Brown auch wiederholt Management-Verantwortung übernommen, bei WilmerHale war er bis zuletzt Standortleiter des Frankfurter Büros.

Soft-IP-Praxis bei Wilmer stagnierte zuletzt

Christofer Eggers

Christofer Eggers

Eggers ist neben dem Lebensmittelrecht auch für seine Tätigkeit im Wettbewerbsrecht angesehen und im Kartellrecht versiert. Die Soft-IP-Praxis von Lange ist stark durch das formelle Markenrecht geprägt. Öffentlich bekannt ist etwa, dass das Team seit Jahren das Markenportfolio der Deutschen Bank betreut. Auch als Vertreter in öffentlichkeitswirksamen Markenverletzungsprozessen trat Lange wiederholt in Erscheinung: So vertrat er viele Jahre Lindt & Sprüngli in dem sogenannten Goldhasen-Prozess. Auch in dem ebenfalls prominent verhandelten Goldteddy-Prozess war Lange tätig, allerdings übernahm nach zwei Instanzen die gemischte Kanzlei Eisenführ Speiser & Partner die Vertretung des Schweizer Schokoladenherstellers.

Die personelle Entwicklung der Soft-IP-Praxis bei WilmerHale stagnierte aber bereits seit einiger Zeit, es gab keine Partnernennungen. Die von Mayer Brown mitgewechselte Counsel Gesine Hild ging Ende 2014 zur Mandantin Cosnova. Im Marken- und Wettbewerbsrecht ist nun noch der Berliner Partner Klaus Schubert tätig. In Frankfurt verbleiben in dem Bereich zwei Associates. Im formellen Markenrecht dürfte WilmerHale künftig aber nicht mehr in großem Umfang tätig werden.

Das Frankfurter Büro verkleinert sich mit den Weggängen weiter: Zum November schließt sich der Leiter der deutschen Arbeitsrechtspraxis, Dr. Holger Thomas, der  Boutique Pusch Wahlig an. Zuvor war schon im Sommer 2014 der Corporate-Anwalt und ebenfalls ehemalige Mayer Brown-Partner Dr. Rüdiger Herrmann zu Dechert gegangen. Im Frankfurter Büro von WilmerHale verbleiben nach den Weggängen noch drei Partner, ein Special Counsel, vier Counsel und acht Associates.

Squire setzt im formellen Markenrecht zum Sprung an 

„Wir konzentrieren uns in Deutschland künftig noch mehr auf die drei Bereiche Litigation, Corporate/Compliance und Regulierung/Kartellrecht“, sagte der Frankfurter Partner Dr. Christian Crones, der auch im internationalen Management der Kanzlei sitzt. „Im Bereich IP fokussieren wir uns mehr auf die Schwerpunkte unserer US-Praxis.“ WilmerHale ist dort insbesondere für seine Expertise in Patentprozessen bekannt, unter anderem als Prozessvertreterin von Apple.

Eva Schalast

Eva Schalast

Squire Patton Boggs war in ihrer jetzigen Form 2014 durch den Zusammenschluss der amerikanischen Kanzleien Squire Sanders mit Patton Boggs entstanden. Zuvor hatten 2011 die von Managing-Partner Dr. Kai Mertens geführten Büros in Berlin und Frankfurt mit Hammonds fusioniert. Das Frankfurter Büro hatte Squire Sanders 2006 mit einem Team der früheren Kanzlei Haarmann Hemmelrath eröffnet. Hammonds war bereits seit 2001 in Berlin präsent. Als im März dieses Jahres Squire und Caroll Burdick & McDonough zusammengingen, kam in Deutschland noch ein kleines Büro in Böblingen dazu. Dort gehören vor allem Unternehmen der Autoindustrie zu den Mandanten. Insgesamt arbeiten mittlerweile rund 60 Berufsträger in Deutschland für die Kanzlei mit Hauptsitz in Cleveland, Ohio.

Der Wechsel verleiht der deutschen Markenrechtspraxis von Squire einen Schub. Bislang arbeiteten zwei Partner und eine Associate vor allem von Frankfurt aus in diesem Bereich. Zu den Stammmandanten im Gewerblichen Rechtsschutz zählen etwa der Feuerzeughersteller Zippo sowie der Luxusgüterkonzern Richemont. Das formelle Markenrecht hatte Squire in diesem Umfang bislang nicht angeboten.

Eggers stößt in die Prozesspraxis um den Frankfurter Partner Horst Daniel, der ebenfalls die internationale Konfliktlösungspraxis mitverantwortet. Wie bei Eggers gibt es auch bei Daniel viele Schnittstellen zur IP-Praxis über das wettbewerbsrechtliche Know-how. „Ich bin beeindruckt von der Expertise von Squire Patton Boggs in Deutschland und der globalen Reichweite, die für viele unserer Mandanten einen Gewinn darstellen wird“, sagte Eggers. (Christine Albert)

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