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16.11.2016

Großes Kino: Bub Gauweiler begleitet Constantin Medien bei turbulenter Hauptversammlung

Gleich zwei Tage wurden vorsorglich für die Hauptversammlung des Medienkonzerns Constantin Medien angesetzt. Das hat sich Ende vergangener Woche als böses Omen erwiesen. Nach teils tumultartigen 20 Stunden gab es zwar ein Votum über die Zukunft des Unternehmens. Ob das Bestand hat, darf jedoch bezweifelt werden. Denn jetzt schlägt wohl wieder einmal die Stunde der Juristen.

Es ist ein klassischer Thriller um Macht und Geld, den die Constantin Medien auf dem Münchner Nockherberg zeigt. Dabei handelt es sich nicht um den neuesten Blockbuster aus der Filmschmiede des Unternehmens, sondern um das alljährliche Aktionärstreffen, bei dem es um die Zukunft des Unternehmens geht.

Das Grundproblem bei Constantin Medien: Zwei Aktionäre stehen sich unversöhnlich gegenüber. Auf der einen Seite steht eine Gruppe um Aufsichtsratschef Dieter Hahn und den Vorstandsvorsitzenden Fred Kogel, die vor allem auf das Sportsegment setzen. Die traditionsreiche Constantin Film wollen sie verkaufen.

Ärger lag in der Luft

Auf der anderen Seite formiert sich eine Gruppe rund um den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Bernhard Burgener, die das Filmgeschäft behalten will. Burgener ist heute Chef der Schweizer Tochterfirma Highlight, die zu rund 60 Prozent im Besitz von Constantin Medien ist und zu der auch Constantin Film gehört. Beide Gruppen halten jeweils 30 Prozent an der Constantin-Gruppe.

Der Ärger, der bei dieser Konstellation in der Luft lag, rief bekannte streitbare Aktionäre wie Karl-Walter Freitag, Caterina Steeg und Manfred Klein auf den Plan. Die heizten die ohnehin schon vergiftete Stimmung auf der Hauptversammlung noch einmal ordentlich an. So beteiligten sie sich zu Beginn rege an der Diskussion zu einem Nebenkriegsschauplatz: der Bestellung des Versammlungsleiters.

Kleinaktionäre wittern Manipulation

Aufsichtsratschef Hahn hatte den früheren Constantin-Chef Werner Klatten damit beauftragt. Burgener wirft Klatten, einst Manager im untergegangenen Medienunternehmen EM-TV, allerdings mangelnde Neutralität vor – das griffen die Aktionäre Freitag, Steeg und Klein freudig auf. Sie löcherten das Gremium mit detaillierten Fragen. Die Kleinaktionäre unterstellten Hahn und seinen Verbündeten auch, sie wollten die Hauptversammlung manipulieren, indem sie der Versammlung Unterlagen vorenthielten oder die Stimmrechte missliebiger Anteilseigner ausschlossen. Dieser Verdacht sollte sich an Tag zwei der Hauptversammlung deutlich erhärten.

Doch zunächst stand der erwartete Schlagabtausch zwischen Burgener und Hahn im Mittelpunkt. Laut Hahn hat Burgener im November 2015 ein Papier unterschrieben, in dem „eine Trennung der Geschäfte im Bereich Sport von dem Geschäftsbereich Film und Entertainment angestrebt“ werde. Alle Gremien hätten einstimmig beschlossen, die Investmentbank Leonardo mit dem „Casablanca“ genannten Projekt zur Umstrukturierung der Constantin-Gruppe zu betrauen.

Hahn unterstellt Burgener nun, er wolle sich auf Kosten der Constantin bereichern: „Es geht nur um Geld, und zwar um das Geld, das einige Manager dieses Unternehmens seit vielen Jahren in trauter, familiärer und freundschaftlicher Verbundenheit in Basel in die eigenen Taschen stecken.“

Showdown beim Notar

Am Ende des ersten Tages machte Aufsichtsratschef Hahn auf dem Aktionärstreffen einen Kompromissvorschlag: Er wolle sich mit Burgener bei einem Notar treffen, um „jeweils ein Angebot für das Aktienpaket des anderen“ zu machen. Wer das höchste Gebot abgibt, übernimmt das Paket. Der Käufer verfügt damit über die Mehrheit der Gesellschaft und kann den künftigen Unternehmenskurs bestimmen. Burgener reagierte auf den Vorschlag nicht direkt. An der Börse ist das 30-Prozent-Paket nur 55 Millionen Euro wert, aber es könnte nach einer Due Diligence teurer werden. Denn allein für Constantin Film will die Gruppe um Hahn zwischen 160 bis 220 Millionen Euro erlösen.

Für den Schweizer Minderheitsaktionär gab es an Tag zwei der Hauptversammlung ohnehin ein böses Erwachen. Anstelle von Klatten führte nun Anwalt Franz Enderle von Bub Gauweiler & Partner durch die Versammlung. Er hatte bereits das erste chaotische Aktionärstreffen im Juli geleitet und packte nun eine juristische Keule aus.

Kurz vor den entscheidenden Abstimmungen stellte Enderle eine Präsenz von 47,1 Prozent des Grundkapitals fest. Den Stimmpool um Burgener schloss er dabei aus, weil dieser angeblich im Juni 2016 eine falsche Meldung zu seinen Stimmanteilen gemacht habe. Im Sommer soll die Gruppe um Burgener zeitweise über 30 Prozent der Aktien besessen haben. Damit wäre laut Wertpapierhandelsgesetz aber eine Meldung an die Aufsichtsbehörde BaFin und an Constantin Medien sowie ein Übernahmeangebot fällig gewesen.

Fortsetzung folgt – Burgener kündigt Anfechtungsklage an

Burgener weist das von sich. Und machte gleich klar, dass er sich den Stimmrechtsausschluss nicht bieten lassen wird. Die Beschlüsse der Hauptversammlung seien null und nichtig. Er kündigte eine Anfechtungsklage an.

Nach dem Ausschluss der Stimmen um Burgener konnte das Lager um Hahn seinen Plan ohne Widerstände durchsetzen: Vorstandschef Fred Kogel wurde mit 83,4 Prozent entlastet, die Strategie auf Sport statt Film zu setzen allerdings mit nur 73 Prozent der Stimmen abgesegnet. Wären die Stimmen im Dunstkreis von Burgener zugelassen gewesen, hätte es wohl keine Mehrheit für die neue Strategie Hahns gegeben. Die von Burgener geführte Konzerntochter Highlight will das Votum ignorieren.

Berater Constantin Medien
Bub Gauweiler & Partner (München): Franz Enderle

Berater Bernhard Burgener 
Broich (Frankfurt): Ferdinand von Rom, Josef Broich

Hintergrund. Bub Gauweiler arbeitet schon seit einiger Zeit für Constantin Medien. Enderle gilt als Vertrauensanwalt des Aufsichtsrats, seitdem er für die Familie Kirch in der Auseinandersetzung mit der Deutschen Bank tätig war. Broich-Anwalt von Rom soll dagegen neu im Mandat sein. (Ulrike Barth)

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