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23.11.2016

Ungewisse Zukunft: Rettungspläne bei King & Wood vorerst gescheitert

Die Zukunft von King & Wood Mallesons steht in den Sternen. Wie gestern bekannt wurde, ist der Rettungsdeal, den die europäischen Managing-Partner Dr. Michael Cziesla und Tim Bednall mit dem chinesischen Teil der Kanzlei ausgehandelt hatten, durchgefallen. Nun muss die Kanzlei ihre weiteren Handlungsoptionen prüfen. Auch eine Fusion zieht sie dabei in Betracht.

Michael Cziesla

Michael Cziesla

China wollte dem europäischen Part von King & Wood mit einer Millionen-Finanzspritze unter die Arme greifen. Dafür hätten sich die Partner jedoch für ein Jahr an die Kanzlei binden müssen, berichtet die englische Branchenpresse.

Mit knappen Worten stellte King & Wood in einer offiziellen Stellungnahme klar, dass nicht genügend Kapital zur finanziellen Stabilisierung zusammen gekommen sei. Man wolle nun weitere strategische Optionen prüfen und sich mit Banken und Finanzberatern zusammensetzen. Auch Möglichkeit einer Fusion mit einer anderen Kanzlei würde in Betracht gezogen. Mandanten wolle man in gewohnter Manier betreuen und weiteres zu gegebener Zeit mitteilen. Cziesla war für eine weitere Stellungnahme bislang nicht erreichbar.

Die Kanzlei hat für ihre Rettungsmaßnahmen dem Vernehmen nach die erfahrene Finanzrechtlerin Rita Lowe von CMS Cameron McKenna als Beistand geholt. Sie hat bereits zahlreiche Kanzleien bei Umstrukturierungen und Insolvenzverfahren betreut, so die britischen Kanzleien Halliwells und Challinors. Lowe begleitete auch die Insolvenz von Dewey & LeBoeuf.

King & Wood-Mitarbeiter machen sich wenig Hoffnung

Die Stimmung unter den King & Wood-Anwälten und Angestellten ist Medienberichten zufolge wenig zuversichtlich. Offenbar hätten die Partner kein Vertrauen in das Geschäft und wollten deshalb keine weiteren Einlagen tätigen.

Im Frühjahr war bekannt geworden, dass sich die Kanzlei einer Restrukturierung unterziehen würde. Seinerzeit hatten gerade Christian Schatz und Dr. Michael Cziesla die Leitung der Büros übernommen. Eine Verkleinerung der Partnerschaft in Großbritannien, dem Nahen Osten und Deutschland wurde angekündigt, außerdem Pläne für Strategiekorrekturen: Die Kanzlei wolle sich „noch mehr auf die Bereiche Private Equity, M&A, Capital Markets, Finance, Real Estate, Regulatory und Litigation konzentrieren“, so Cziesla damals im Gespräch mit JUVE.

Noch im Sommer bewilligten die europäischen King & Wood-Partner mit einer 98-prozentigen Zustimmungsquote eine Finanzspritze von 14 Millionen britischen Pfund und eine Erhöhung des laufenden Kredits bei Barclays um 5 auf 25 Millionen Pfund. Eine Rettungsmaßnahme, die in ihrer letzten Konsequenz einige Partner nicht mittragen wollten. Bis Oktober verließen mehrere wichtige Leistungsträger in Europa und dem Nahen Osten die Kanzlei, so dass die Finanzierungspläne obsolet wurden. Da half auch die von den Chinesen angebotene Finanzhilfe von angeblich sechs Millionen Pfund nicht mehr. (Christiane Schiffer)

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