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16.12.2016

Ausverkauf bei King & Wood: Private-Equity-Experte geht zu Orrick

Die Auflösungserscheinungen in der deutschen Praxis von King & Wood Mallesons setzen sich fort: Nun verlässt auch der angesehene Münchner Private-Equity-Partner Dr. Christoph Brenner (46) die Kanzlei. Er schließt sich zum Januar Orrick Herrington & Sutcliffe an. Mit Brenner wechseln auch zwei Associates zu Orrick.

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Christoph Brenner

Brenner begann seine Karriere 2001 bei SJ Berwin, die sich 2013 mit King & Wood zusammenschloss. Er genießt seit vielen Jahren einen hervorragenden Ruf im Markt. Zu seinen regelmäßigen Mandanten gehören unter anderem die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) und EQT. Erst im September hat Brenner für die DBAG den Kauf von Polytech begleitet.

Bei Orrick stößt Brenner in München zu einem Private-Equity-Team, das zuletzt deutlich gewachsen ist. Vor einem Jahr kam Dr. Thomas Schmid von Weil Gotshal & Manges als Partner, wenig später stieg Dr. Fabian von Samson-Himmelstjerna von Ashurst ein. Von Linklaters kam Dr. Christoph Rödter als Counsel. Counsel Thomas Strassner hingegen verließ im Oktober Orrick, er wurde Partner bei Dentons.

Brenners Weggang ist Teil einer Reihe von Abschieden langjährig etablierter Partner mit Private-Equity-Kompetenz. Im Frühjahr verließ Corporate-Chef Dr. Julian Lemor King & Wood in Richtung Mayer Brown. Im Sommer dann kehrte die frühere Managing-Partnerin Sonya Pauls der Kanzlei den Rücken. Und für das Jahresende kündigten die Münchner Christian Schatz und Martin Brockhausen ihren Abschied an.

Stärker noch als diese Entwicklungen in Deutschland traf die seit Monaten kriselnde Kanzlei unterdessen im Frühjahr der Weggang des starken Pariser Teams – und insbesondere im Herbst die Meldung, dass ein Team um Michael Halford in London King & Wood verlässt. Die Halford-Personalie war letztlich gar der Auslöser dafür, dass sich bestehende Pläne für eine Rekapitalisierung der Kanzlei nicht mehr rechneten. Es musste ein völlig neuer Plan entworfen werden.

Dieser scheiterte dann vor wenigen Wochen. Seither taumelt der europäische Teil der Kanzlei, auf dem 30 Millionen Euro Schulden lasten, seinem Ende entgegen. Auch in der deutschen Praxis springt zum Jahresende eine ganze Reihe Partner ab, darunter neben Schatz und Brockhausen fast das gesamte Finanzierungsteam. Danach wird die Praxis weniger als 50 Anwälte zählen.

Klar ist, dass es für den europäischen Arm von KWM, der Nachfolgerin der einstigen Kanzlei SJ Berwin, keine gemeinesame Zukunft geben wird. Gespräche mit Wettbewerbern zur Übernahme der gesamten Praxis scheiterten vorige Woche. Wie es mit den verbliebenen Berufsträgern und Angestellten in einzelnen Büros weitergeht, darüber verhandelt die Kanzlei derzeit mit Wettbewerbern. Dazu gehört unter anderem Reed Smith, die Interesse an Teilen der Teams in Frankfurt und München zeigt. (René Bender)

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