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13.12.2016

King & Wood: Keine einheitliche Lösung für EMEA-Praxis, zwei Bieter für deutsche Praxis

Alle Gespräche über eine Übernahme des europäischen Arms von King & Wood Mallesons sind gescheitert, das Aus der australisch-pazifischen Großkanzlei auf dem Kontinent sowie im Nahen Osten ist damit besiegelt. Dies bestätigten Kanzleikreise gegenüber JUVE. Damit steht eine Praxis mit rund 500 Anwälten vor dem Zerfall. In Deutschland arbeiten in Frankfurt und München rund 60 Berufsträger für die Kanzlei.

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Michael Cziesla

Noch möglich ist aber zumindest eine Übernahme einzelner Büros, neben den beiden Standorten in Frankfurt und München könnte dies auch in London der Fall sein. In der britischen Hauptstadt befindet sich die größte King & Wood-Niederlassung in der Region EMEA. Entsprechende Verhandlungen darüber laufen JUVE-Recherchen derzeit mit Hochdruck, noch vor Weihnachten soll es ein Ergebnis geben. Berichte britischer Branchenmedien, wonach für den 16. Januar der Gang in die Insolvenz erwartet wird und die Anwälte angehalten seien, keine weiteren Mandate und Mandanten mehr anzunehmen, dementierte ein Sprecher der Kanzlei auf JUVE-Nachfrage. Die Mandatsarbeit laufe normal weiter.

Reed Smith ist interessiert

Interesse an einer möglichen Übernahme in Deutschland soll nach JUVE-Informationen zum einen die US-Kanzlei Reed Smith haben sowie eine weitere angloamerikanische Sozietät, die bereits in Deutschland vertreten ist. Nach JUVE-Recherchen gilt zumindest aber die Übernahme ganzer Büros durch Reed Smith als ausgeschlossen. Die Kanzlei selbst wollte auf Nachfrage keinerlei Kommentar abgeben. Reed Smith zählt hierzulande aktuell rund 50 Anwälte, erst 2015 hatte sie neben ihrem Münchner Büro auch eines in Frankfurt eröffnet.

Darüber, wer die weitere Kanzlei ist, gibt es vor allem in der britischen Branchenpresse zahlreiche Spekulationen, unter anderem fallen immer wieder die Namen Greenberg Traurig und Dentons. Auch ein drittes Szenario soll noch möglich sein, die Übernahme der deutschen Praxis durch den chinesischen Arm von King & Wood. Diese ist neben den Einheiten in Hongkong, Singapur und Australien eine von noch vier Praxen – alle wie EMEA organisiert als Schweizer Verein. Durch eine Übernahme durch King & Wood China würde allerdings den hiesigen Partnern die wichtige Anbindung an ein eigenes europäisches Netzwerk fehlen. Als potenzieller Interessent für das Londoner Büro gilt derweil die US-Kanzlei Winston & Strawn.

Finanzielle Schieflage

Erst vor wenigen Tagen hatte King & Wood offiziell bekanntgegeben, mit einer kleinen Gruppe aus Kanzleien in enge Gespräche über eine mögliche Übernahme des europäischen Arms einzutreten. Dies war das letzte Rettungsszenario, das die europäische Managementspitze um den Frankfurter Partner Dr. Michael Cziesla und den Londoner Tim Bednall für die Einheit als Ganze verfolgten, nachdem die Kanzlei zuvor in finanzielle Schieflage geraten war, angedachte Rekapitalisierungsmaßnahmen gescheitert waren und der wichtigste Kreditgeber Barclays zuletzt mehr Sicherheiten gefordert hatte.

Mit dem Ende der EMEA-Praxis, der Nachfolgerin der einstigen Praxis der britischen Sozietät SJ Berwin, scheitert auch der erste Versuch, eine neue weltweite Großkanzlei zu etablieren, die nicht angloamerikanisch dominiert ist. Vor drei Jahren war SJ Berwin unter das Dach von King & Wood Mallesons geschlüpft, die selbst erst 2012 durch das Zusammengehen der chinesischen Top-Kanzlei King & Wood und der australischen Spitzenkanzlei Mallesons Stephen Jaques entstanden war. Insgesamt zählte King & Wood zuletzt rund 2.200 Anwälte in 30 Büros. (René Bender)

Wir haben den Artikel am 15.12.2016 aktualisiert und ergänzt.

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