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14.12.2016

Marktkonzentration: Insolvenzverwalter von LB wechseln zu BBL Bernsau Brockdorff

Die Anwälte der Berliner Insolvenzverwalterkanzlei LB Ludwig Linkert Binder Birkmann schließen sich mehrheitlich BBL Bernsau Brockdorff & Partner an. Nur Partner Stefan Ludwig (44) wechselt mit einem Associate zu Schultze & Braun. Dort übernimmt er zum Jahresbeginn die Standortleitung für den Insolvenzverwalterzweig.

Florian Linkert

Florian Linkert

Die drei anderen Partner Dr. Florian Linkert (40), André Binder (42) und Markus Birkmann (42) nehmen drei Associates und ein rund vierzigköpfiges Mitarbeiterteam mit zu BBL. Die Fusion soll bis zum Ende des ersten Quartals 2017 abgeschlossen werden. Seit dem Zugang mehrerer Anwälte von Wellensiek in Nordrhein-Westfalen Anfang 2015 ist dies die größte Verstärkung für BBL, die 2009 gegründet wurde.

Die neuen Partner bringen auch NRW-Standorte in Bochum und Dortmund mit ein. Allerdings sind sie als Verwalter schwerpunktmäßig im Osten Deutschlands tätig. Sie werden an diversen Amtsgerichten in Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt bestellt. Doch mit dem Zusammenschluss soll Florian Linkert zufolge nicht nur die Insolvenzverwaltung gestärkt werden: „BBL bietet außerdem eine ideale Plattform, auch den Beratungsbereich weiter auszubauen.“ Erst im September hatte BBL das Beratungsgeschäft mit dem Partner-Quereinsteiger Peter Jark von DLA Piper erweitert, ebenfalls in Berlin.

André Binder

André Binder

Die vier Partner von LB hatten ihre Kanzlei 2009 gegründet, zuvor waren sie für die damalige Kanzlei Mai Mönig Fahlbusch tätig. Von 2012 bis 2014 bestand eine Kooperation zwischen LB und der Kanzlei Hermann, die allerdings nach der Fusion von Hermann und hww Wienberg Wilhelm zu Beginn des Jahres 2015 beendet wurde. Statistisch betrachtet hatte sich LB in Berlin unter den Top-10 der Verwalterkanzleien etablieren können. Gerüchten zufolge stehen im Berliner Insolvenzmarkt zum Jahreswechsel weitere Veränderungen an.

Stefan Ludwig

Stefan Ludwig

Schultze & Braun gelang mit dem Zugang Ludwigs ein weiterer Ausbauschritt. Im Mai hatte sich in München Hanns Pöllmann mit seiner Kanzlei angeschlossen, im April war Andreas Liebaug von BBL hinzugekommen. Ähnlich expansiv hatte sich von den großen Verwalterkanzleien zuletzt nur Pluta gezeigt.

Angesichts des andauernden Rückgangs von Insolvenzverfahren stehen viele kleinere bis mittelgroße Verwalterkanzleien vor strategischen Entscheidungen. Zu den Optionen gehört nicht nur der Zusammenschluss mit größeren Einheiten, um sich so auch für größere Verfahren positionieren zu können. Denkbar ist auch eine Ausweitung von Beratungsleistungen im Umfeld von Krise und Sanierung. Allerdings stellt dieser Weg das bisherige Ertrags- und Kostenmodell in Frage: Der nicht-anwaltliche Mitarbeiterstab einer Verwalterkanzlei ist für Beratungsmandate nur schwer einsetzbar und insofern überdimensioniert. Auch für die zahlreichen Sachwalterrollen in Eigenverwaltungsverfahren, die das Gros der Top-Insolvenzverfahren ausmachen, ist nur ein kleiner Stab erforderlich. (Markus Lembeck)

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe des ‚JUVE Rechtsmarkt: Die Top-50 Insolvenzen des Jahres 2016 und ein Interview mit dem PSV-Vorstand Dr. Hermann Wohlleben. Die Ausgabe erscheint am 19. Dezember.

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