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28.12.2016

Singapur: Die Schiedsorganisation SIAC hat einen neuen Chef

Die aufstrebende Schiedsinstitution SIAC in Singapur hat einen neuen Vorstandschef benannt: Davinder Singh, Chef der Singapurer Kanzlei Drew & Napier folgte Mitte Dezember auf Lucien Wong. Dieser war zuvor zum Generalstaatsanwalt des Stadtstaates ernannt worden.

Davinder Singh

Davinder Singh

Singh führt Prozesse vor nationalen Gerichten und leitet die internationale Schiedsrechtspraxis von Drew & Napier, die zu den führenden Einheiten des Landes zählt. Sein Vorgänger Lucien Wong, der nun in den Staatsdienst wechselt, hatte sein Amt beim SIAC im April 2013 angetreten.

Unter seiner Ägide wurden die Schiedsregeln überarbeitet. Im letzten Jahr verzeichnete die Schiedsinstitution einen Rekord: 271 neue Verfahren wurden angemeldet, 22 Prozent mehr als im Jahr zuvor. 

Acht von 462 SIAC-Schiedsrichtern kommen aus Deutschland

Von 462 als Schiedsrichter beim SIAC registrieren Juristen kommen acht aus Deutschland, darunter etwa Prof. Dr. Richard Kreindler, Partner bei Cleary Gottlieb, Steen & Hamilton in Frankfurt, Dr. Christian Borris von der Kölner Boutique Borris Hennecke Kneisel, der Karlsruher BGH-Anwalt Prof. Hilmar Raeschke-Kessler, Sabine Konrad von McDermott Will & Emery und Dr. Wolfgang Kühn von Heuking Kühn Lüer Wojtek. Zum Vergleich: Aus Großbritannien kommen 60 der 462 SIAC-Schiedsrichter, aus Singapur selbst 125. Aber auch die kleine Schweiz stellt mehr Schiedsrichter als Deutschland, nämlich zehn.

Aus Österreich sind bei der SIAC Dr. Nikolais Pitkowitz, Namenspartner von Graf & Pitkowitz, Dr. Günther Horvath von Freshfields Bruckhaus Deringer und Dr. Christian Konrad von Konrad & Partner zugelassen. Aus der Schweiz finden sich auf der Streitschlichter-Liste unter anderem Christopher Boog von Schellenberg Wittmer, Gabrielle Kaufmann-Kohler von Lévy Kaufmann-Kohler und Wolfgang Peter, langjähriger Namenspartner von Python & Peter, der sich Anfang 2016 mit seinem Team selbständig machte.

Singapur sitzt Paris und London im Nacken

Singapur gilt als einer der führenden Schiedsstandorte im asiatischen Raum und macht etablierten westlichen Zentren wie Paris, London und Stockholm zunehmend Konkurrenz. Nicht nur Konzerne aus dem  Common-Law-Raum verankern die Institution zunehmend in Schiedsklauseln. 

Singapur hatte im Dezember 2012 mit der Europäische Union ein Freihandelsabkommen abgeschlossen, das auch ein Kapitel zum Investitionsschutz enthält. Im Zuge der Diskussion um Ceta und TTIP wurde dieses Abkommen dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorgelegt. Die EU-Kommission bat das Gericht zu klären, ob das Abkommen in die ausschließliche Kompetenz der EU fällt oder ob es sich um ein sogenanntes gemischtes Abkommen handelt, dem auch die Mitgliedstaaten zustimmen müssen. Nach Einschätzung von Generalanwältin Eleanor Sharpston handelt es sich um gemischte Abkommen. Das Urteil des Gerichts in dieser Frage wird im ersten Quartal 2017 erwartet. (Sonja Behrens, Marc Chmielewski)

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