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23.03.2017

Alternatives Karrieremodell: McDermott führt 35-Stunden-Woche ein

Die US-Kanzlei McDermott Will & Emery führt an ihrem Düsseldorfer Standort ein neues Beschäftigungsmodell ein. Anwälte können dort nun mit fest vereinbarten 35 bis 38,5 Wochenstunden einsteigen. Dafür bezahlt die Kanzlei zwischen 68.000 und 75.000 Euro im ersten Berufsjahr. Zugleich erhöht die Kanzlei das Einstiegsgehalt für Associates ohne festes Stundenlimit an allen deutschen Standorten auf 115.000 bis 125.000 Euro.

Volker Teigelkötter

Volker Teigelkötter

Organisatorisch geht McDermott beim Einsatz von Associates mit fest begrenzten Arbeitszeiten einen grundlegend neuen Weg im deutschen Markt. Diese Anwälte werden nach Angaben der Kanzlei „mit zeitlich versetztem Arbeitsbeginn und Arbeitsende“, also in einer Art Schichtbetrieb, an ihren Mandaten arbeiten. Zugleich sollen die Teams größer werden, kündigte McDermott-Partner Volker Teigelkötter an: „Mehr Anwälte, die kürzer arbeiten, statt weniger Anwälte mit längerer Arbeitszeit“. Der Aufstieg zum Vollpartner soll auch für Associates mit 35-Stunden-Woche theoretisch möglich sein.

Ähnliche Option bisher nur bei Baker

Dass eine internationale Großkanzlei sich in Deutschland an zwei Bewerbergruppen mit vollkommen unterschiedlichen Präferenzen wendet, ist hingegen keine Premiere. Schon seit 2014 können Anwälte bei Baker & McKenzie mit reduziertem Stundenpensum und mehr zeitlicher Flexibilität, aber zu einem deutlich niedrigeren Gehalt als die regulären Associates arbeiten. Die Option besteht an allen deutschen Standorten.

Anwälte auf dem „Alternative Career Track“ können bei Baker nach einigen Jahren zum Counsel, nicht aber zum Partner aufsteigen. Allerdings bleibt ein Wechsel auf den Partnertrack möglich. Nachdem dieses Modell in den ersten beiden Jahren nur zögerlich Anklang fand, arbeiten inzwischen knapp zehn Prozent der Baker-Associates auf dem Alternativ-Track. Feste Stundenzahlen und Geldbeträge für das alternative Beschäftigungsmodell nennt die Kanzlei nicht. Bekannt ist aber, dass sich die Bezahlung in ähnlichen Regionen bewegt wie nun bei McDermott.

Wettbewerber locken vor allem mit mehr Geld

Die meisten anderen Kanzleien im Markt scheuen sich bislang, klar abgegrenzte Karrieremodelle anzubieten, die dem Wunsch vieler Bewerber nach mehr zeitlichem Freiraum entgegenkommen. Lediglich Mayer Brown machte vor fünf Jahren Schlagzeilen mit dem bis heute einzigartigen Angebot an Bewerber, jährlich 50 Tage Urlaub bei entsprechender Gehaltsanpassung zu vereinbaren. Genutzt wurde diese Möglichkeit bisher nicht.

Andere Wettbewerber setzen neben immer umfangreicheren Ausbildungsprogrammen vor allem auf finanzielle Argumente: Seit Sommer 2016 haben – wie jetzt auch McDermott für das konventionelle Beschäftigungsmodell – zahlreiche Kanzleien die Associategehälter massiv erhöht. Als bislang letzte Kanzlei gab die Münchner Transaktionsboutique Gütt Olk Feldhaus eine neue Gehaltsstruktur bekannt. Berufseinsteiger erhalten dort statt bislang 90.000 bis 100.000 Euro ab April 100.000 bis 110.000 Euro. (Norbert Parzinger)

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