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01.03.2017

Frankfurt: WilmerHale baut Prozesspraxis mit Hengeler-Counsel aus

WilmerHale hat ihre deutsche Prozesspraxis mit einer Quereinsteigerin verstärkt: Von Hengeler Mueller kam zum März Dr. Vanessa Wettner als Partnerin in das Frankfurter Büro. Die 42-Jährige kennt sich vor allem in zivil- und kapitalmarktrechtlichen Streitigkeiten aus und betreute in den vergangenen Jahren bei Hengeler eine Reihe von Anlegerklagen in Sammelverfahren, zuletzt als Counsel.

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Vanessa Wettner

Wettner vertrat beispielsweise an der Seite von Hengeler-Partner Dr. Markus Meier Morgan Stanley im KapMuG-Verfahren gegen Anleger in Sachen P2 Value und war Teil des Teams, das Porsche gegen Anleger wegen des Dieselskandals beisteht. Ein zweites Standbein ist ihre Tätigkeit im Gewerblichen Rechtsschutz, wo sie vor allem bei Streitigkeiten im Wettbewerbs- und Markenrecht tätig ist. Bekannt ist etwa ihre Tätigkeit für Uber in diversen Verfahren, die sie federführend betreute. Daneben berät Wettner Mandanten aus dem In- und Ausland zu lizenz- und vertragsrechtlichen Fragen.

Bei WilmerHale soll Wettner künftig aber auch verstärkt Auseinandersetzungen mit gesellschaftsrechtlichem Hintergrund im Bereich Corporate Governance beraten.

„Ihre Expertise ergänzt unsere Prozessführungspraxis perfekt, die sich zuletzt dank mehrerer großer kartellrechtlicher Schadensersatzprozesse, komplexer Datenschutz- und Verbraucherschutzprozesse, unter anderem für Facebook und der Klage zu Stuttgart 21, sehr dynamisch und erfolgreich entwickelt hat“, sagte Prof. Dr. Hans-Georg Kamann, der gemeinsam mit Dr. Stefan Ohlhoff die deutsche Litigationpraxis verantwortet.

Die Verstärkung des Bereichs ist Teil des Umstrukturierungsprozesses, der derzeit bei WilmerHale im Gange ist: Die Kanzlei will sich mehr auf die Stärken der US-Mutter fokussieren und dabei unter anderem die Prozesspraxis stärken.  

Umsatztreiber Prozesse

 „WilmerHale ist in den USA eine der führenden Sozietäten in dem weit gefassten Bereich der zivil- und öffentlich-rechtlichen Prozessführung“, sagt Susan Murley, Global Co-Managing Partnerin von WilmerHale. „Der Praxisbereich ist sowohl nach Umsatz als auch nach Anzahl der Berufsträger seit einigen Jahren der stärkste Praxisbereich unserer Sozietät. Wir freuen uns sehr, mit der Aufnahme von Frau Dr. Wettner unsere Litigationpraxis in Deutschland weiter zu stärken.“

Auch hierzulande ist das Prozessgeschäft in den vergangen Jahren stark gestiegen und machte zuletzt rund 27 Prozent des Umsatzes aus, der im Jahr 2016 bei 26,2 Millionen Euro lag. Die stärksten Praxen nach Umsatz waren jedoch weiterhin der Transaktionsbereich (38 Prozent) und „Regulatory & Governmental Affairs“ (29 Prozent). Die IP-Praxis stand für sechs Prozent des Umsatzes.

Diese Zahlen könnten allerdings schon im kommenden Jahr ganz anders aussehen, da im Zuge der Umstrukturierung Ende 2016 auch verschiedene Partner die Kanzlei verlassen haben: So schloss sich ein größeres M&A- und Corporate-Team um Klaus Schubert und Alexander Kollmorgen K&L Gates in Berlin an, der Leiter der deutschen Arbeitsrechtspraxis, Dr. Holger Thomas wechselte mit Team zu Pusch Wahlig, ein IP- und Litigation-Team um die bekannten Partner Reinhart Lange  und Dr. Christofer Eggers ging zu Squire Patton Boggs.

Gerade das letzte Beispiel zeigt, dass die Kanzlei auch Umsatzgaranten wie die Markenverwaltung abstreift, um die Ausrichtung auf höhere Margen zu gewährleisten. (Ulrike Barth)

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