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17.03.2017

Vorwurf Steuerhinterziehung: DFB-Anwälte attackieren Finanzamt

Die sogenannte Sommermärchen-Affäre rund um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 beim Deutschen Fußball Bund (DFB) könnte den Verband noch teurer zu stehen kommen als bisher. In einem Zwischenbericht wertet das Finanzamt Frankfurt die damaligen finanziellen Unregelmäßigkeiten als schwere Steuerhinterziehung. Die Steuerstrafrechtler an der Seite des DFB und dessen ehemaliger Führungsriege kritisieren diese Einschätzung scharf.

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Olaf Leisner

Nachdem schon die bisherige Aufklärungsarbeit den DFB eine zweistellige Millionensumme kostete – allein neun Millionen Euro gingen JUVE-Informationen zufolge an Freshfields Bruckhaus Deringer – drohen dem Verband nun noch höhere Zahlungen. Inklusive Zinsen und nachträglicher Aberkennung der Gemeinnützigkeit für das Jahr 2006 könnten sich diese auf 20 bis 25 Millionen Euro summieren.

Der Grund dafür liegt in der Rückzahlung eines Darlehens über 6,7 Millionen Euro, die der DFB 2005 über den Weltverband Fifa an den Ex-Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus leistete. In der Steuererklärung wurde diese Zahlung als Kostenbeitrag zu einer WM-Gala verbucht.

Das Problem: Die Gala fand nie statt. Deshalb habe der DFB die 6,7 Millionen Euro 2006 zu Unrecht als steuermindernde Betriebsausgabe geltend gemacht, so das Finanzamt. Die Behörde geht zudem davon aus, dass der Vorgang konstruiert wurde, um den Fiskus zu täuschen. In dem Zwischenbericht ist sogar von „Luftbuchungen“ und „Scheingeschäften“ die Rede, so die ‚Süddeutsche Zeitung‘. 

Der DFB erklärte umgehend, er und seine Anwälte teilten diese vorläufige Bewertung nicht. Zudem verwies der Verband darauf, dass die Finanzverwaltung bislang noch keine geänderten Steuerbescheide erlassen habe. „Weder die Finanzverwaltung noch die Staatsanwaltschaft haben ihre Ermittlungen abgeschlossen, sondern bislang nur vorläufige Bewertungen vorgenommen“, teilte der DFB mit.

Dennoch muss sich der Verband nach dem Zwischenbericht auf Forderungen in zweistelliger Millionenhöhe einstellen. Die etwaige reine Steuernachzahlung würde zwar nur rund 2,7 Millionen Euro betragen, durch Zinsen und eine Aberkennung der Gemeinnützigkeit für das Jahr 2006 könnte die Summe aber auf bis zu 25 Millionen Euro wachsen. Das wäre für den DFB ein harter Schlag. Zwar hat der Verband laut dem letzten vorliegenden Jahresbericht Rücklagen von knapp 170 Millionen Euro. Allerdings sind für Projekte in näherer Zukunft bereits Kosten veranschlagt, die bei knapp 140 Millionen Euro liegen dürften.

DFB-Anwalt hält Nachforderungen für ungerechtfertigt

Der Steuerstrafrechtler Jan Olaf Leisner, Namenspartner der Münchner Kanzlei Leisner Steckel Engler, der die Interessen des DFB in der Sache vertritt, positionierte sich JUVE gegenüber sehr klar. Er hält die Zahlung sehr wohl für betrieblich veranlasst und mögliche Nachforderungen für ungerechtfertigt.

Die Argumentation des Finanzamts hält er für falsch: „Wenn es für eines keine Anhaltspunkte gibt, dann dafür, dass die Zahlung von 6,7 Millionen Euro zur Tilgung eines Privatdarlehens diente. Es deutet vielmehr alles auf einen klaren Zusammenhang zwischen dieser Zahlung als Bedingung für anschließend von der Fifa gezahlte 250 Millionen Euro zur Unterstützung der WM-Organisation hin“, so Leisner. Deshalb würde er dem DFB im Fall von Nachforderungsbescheiden auch empfehlen, gegen diese vorzugehen.

Bernd Groß

Bernd Groß

Weit härter mit dem Finanzamt ins Gericht gehen Bernd Groß und Tilman Reichling aus der Sozietät Feigen Graf, die dem früheren DFB-Generalsekretär Horst Schmidt zur Seite stehen. Gegen Schmidt sowie die beiden Ex-DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen schwerer Steuerhinterziehung.

Beide Verteidiger erheben schwere Vorwürfe: Die Steuerfahndungsstelle des Finanzamts habe bereits zu Beginn des Verfahrens aktenkundig gemacht, dass eine Steuerhinterziehung nicht diskutierbar sei. Diese damalige rechtliche Haltung habe sich im Verlauf aber als rechtlich haltlos erwiesen. In dem Zwischenbericht ignoriere die Steuerfahndung „die Erkenntnisse aus den Ermittlungen vollständig – offenbar, um das bereits zu Beginn des Verfahrens festgelegte Ermittlungsergebnis zu retten“, so eine gemeinsame Stellungnahme der Verteidiger. Gleichwohl wird es für ihre Mandanten enger – dass Anklage erhoben wird, scheint jedenfalls nach dem Zwischenbericht immer wahrscheinlicher. (René Bender)

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