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21.04.2017

CD-Krise: Eingespieltes Sanierungsteam begleitet Cinram-Insolvenz

Der Aachener CD-und DVD-Hersteller Cinram will sich in Eigenverwaltung sanieren. Das Amtsgericht Aachen hat dafür Dr. Frank Kebekus aus der Düsseldorfer Einheit Kebekus et Zimmermann zum Sachwalter bestellt. Die Geschäftsführung von Cinram wird von den Sanierungsberatern von Brinkmann & Partner und Wellensiek unterstützt.

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Frank Kebekus

Mit zunehmender Digitalisierung hat die Nachfrage nach Ton- und Bildträgern wie CD und DVD stark nachgelassen. Deshalb steckt Cinram wie viele Wettbewerber seit Jahren in der Krise. Einen weiteren Tiefschlag erlitt das rund 1.000 Mitarbeiter zählende Aachener Unternehmen kürzlich, als Universal Pictures zu Mitte des Jahres Millionenverträge kündigte. Da damit über 60 Prozent des jährlichen Gesamtumsatzes wegbrechen, blieb der Geschäftsführung nur noch der Weg in ein gerichtlich angeordnetes Sanierungsverfahren.

Cinrams Muttergesellschaft sitzt in Großbritannien und ist nicht vom Verfahren betroffen. Sie gehört über mehrere Holdings seit Anfang Januar gemeinsam den amerikanischen Investoren 1847 Partners und GEM. Ihr Hauptgeschäft macht Cinram aber mit der deutschen Tochter.

Der Markt für CD, DVD und Blue Ray-Herstellung schrumpft seit Jahren. Auch große Presswerke wie die Bertelsmann-Tochter Sonopress und die zur Edel-Musikgruppe gehörende Optimal Media müssen sinkende Rohling-Produktion kompensieren und neue Geschäftsfelder erschließen. Optimal hat sich seine Nische in der Schallplattenherstellung gesucht, die eine Renaissance erlebt. Die Gütersloher Sonopress investiert dagegen in Produktionsstraßen für sogenannte 4K-Disks – die eine vierfach höhere Bildauflösung bieten als fernsehübliches HD.

Cinram hat in den vergangenen Jahre vor allem den Ausbau seines Logistikgeschäfts vorangetrieben und hofft hier auf ein zukunftsträchtiges Geschäftsfeld.

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Christoph Morgen

Sachwalter
Kebekus et Zimmermann (Düsseldorf): Dr. Frank Kebekus

Berater Geschäftsführung
Brinkmann & Partner (Hamburg): Dr. Christoph Morgen (Federführung), Manuel Sack, Robert Derlich, Mark Scheele (alle Restrukturierung), Jan-Philipp Koslowski (Arbeitsrecht)
Wellensiek (Frankfurt): Dr. Richard Scholz (Federführung), Dr. Michael Flitsch, Prof. Dr. Markus Stadler; Associates: Friedrich Birnbreier, Christian Korth (München), Kristian Franz (alle Restrukturierung)

Berater Cinram
Allen & Overy (Frankfurt): Dr. Sven Prüfer (Restrukturierung/Corporate), Tobias Neufeld (Düsseldorf; Arbeitsrecht) – aus dem Markt bekannt
PricewaterhousCoopers (Frankfurt): Dr. Joachim Englert (Sanierungsberatung) – aus dem Markt bekannt

Amtsgericht Aachen
Nicole Langer (Insolvenzgericht)

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Richard Scholz

Hintergrund: Brinkmann und Wellensiek sind schon häufig in die gleichen Insolvenz- und Sanierungsfälle eingebunden gewesen, jedoch in unterschiedlichen Rollen. Hier treten sie erstmals gemeinsam an. Dies hat vor allem mit den jeweiligen Kontakten zu einem der Cinram-Geschäftsführer, Klaus Schramm, zu tun. Über ihn sind sowohl Scholz als auch Morgen bestens mit der Materie vertraut. Scholz hatte Cinram vor vier Jahren in einer Sanierungsphase beraten, auch damals war Schramm Geschäftsführer bei Cinram. Zwischenzeitlich übernahm Schramm die Geschäftsleitung beim Cinram-Wettbewerber EDC, der seit Anfang 2016 im Schutzschirmverfahren ebenfalls eine Restrukturierung durchläuft. Schramm wurde dort von Brinkmann-Partner Morgen beraten. Erst vor einigen Tagen kehrte Schramm zurück nach Aachen und holte dann Morgen und Scholz gemeinsam für das Eigenverwaltungsverfahren an Bord.

Auch Kebekus ist mit der Materie Medien-Herstellung vertraut, er war 2015 Sachwalter bei der angeschlagenen ehemaligen Weltbild-Tochter Also Logistik.

Der langjährige Kontakt zwischen Allen & Overy und Cinram stammt ursprünglich aus dem internationalen Geschäft von Managing Partnerin Dr. Astrid Krüger. Über die Jahre hat die Kanzlei das Unternehmen regelmäßig in Sanierungs- und den damit zusammenhängenden arbeitsrechtlichen Fragen beraten. Dies lag im Wesentlichen in der Verantwortung der Partner Prüfer und Neufeld. Prüfer hat die Gesellschaft dem Vernehmen nach auch im Vorlauf zum jetzigen Sanierungsverfahren unterstützt, als die Kündigung der Universal-Verträge bekannt wurde und mehrere Optionen für die Fortführung der Geschäfte ausgelotet wurden. Auch er kennt Scholz bereits aus der früheren Zusammenarbeit bei Cinram. Allen & Overy berät vor allem zu den Fragen der internationalen Unternehmensstruktur. 

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Sven Prüfer

Das Sanierungsgutachten ließ Cinram nach Marktinformationen vom Frankfurter PwC-Sanierungsexperten Englert erstellen. (Christiane Schiffer)

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