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28.04.2017

Monsanto im Brennpunkt: Linklaters berät bei Bayer-Hauptversammlung

Erwartungsgemäß ist die Rekordübernahme des amerikanischen Saatgutherstellers Monsanto das beherrschende Thema auf der Bayer-Hauptversammlung im Bonner Word Conference Center. Vorstandschef Werner Baumann betonte in seiner Rede, wie gut die Übernahme des amerikanischen Konzerns zur Strategie von Bayer passe. Gleichzeitig protestierten Gegner der Übernahme vor dem WCCB und im Saal gegen den Zusammenschluss. 

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Nikolaos Paschos

Der Vorstand muss sich jedoch nicht nur vor Umweltschützern rechtfertigen, auch die Interessenverbände der Aktionäre sehen nicht nur Positives in der Elefantenhochzeit. Sie fürchten erstens einen Image-Schaden durch die Übernahme von Monsanto und zweitens, dass der Konzern alle Mittel in den Kauf des Saatgutriesen steckt und darüber andere Geschäftsbereiche vernachlässigt. Sie kritisierten auch, dass die Aktionäre nicht auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über den Kauf abstimmen konnten.

Auf rechtlicher Seite dürfte die Vorbereitung der Hauptversammlung maßgeblich in der Verantwortung der Corporate-Inhouseabteilung um Dr. Stephan Semrau liegen. Zudem hat Linklaters die Leverkusener wie schon im vergangenen Jahr mit den Partnern Dr. Nikolaos Paschos, Dr. Ralph Wollburg und dem Counsel Dr. Christoph van Lier bei Vorbereitung und Durchführung der Hauptversammlung beraten. Das Team ist seit dem Carve-out der Kunststoffsparte Covestro (ehemals Bayer Material Science) immer wieder für gesellschaftsrechtliche Fragen mandatiert. Eine große Konzernumstrukturierung, die zum Jahreswechsel abgeschlossen wurde, haben die Inhouse-Corporate- und Steuerabteilungen aber weitgehend selbstständig gelöst.

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Stephan Semrau

Der 59 Milliarden Euro teure Monsanto-Kauf liegt derzeit zahlreichen Kartellbehörden zur Genehmigung vor und sorgt so für hohe Auslastung bei den Kartellrechtlern. Bekanntermaßen beraten neben den Bayer-Kartellrechtlern Anwälte von Sullivan & Cromwell auch Fragen zur Fusionskontrolle.

Wie jetzt bekannt wurde, hat auch Monsanto einen Berater für deutsches Recht und vor allem für gesellschaftsrechtliche Fragen mandatiert: SZA Schilling Zutt Anschütz berät mit einem Team um den federführenden Partner Dr. Max Hirschberger auf Empfehlung des amerikanischen Lead Counsel von Monsanto, Wachtell Lipton Rosen & Katz. Zum SZA-Team gehören unter anderem der Corporate- und Kapitalmarktrechtler Dr. Christoph Nolden und der Mannheimer Steuerrechtler Dr. Rolf Schmich.

Im Licht des alles beherrschenden Monsanto-Themas sind andere rechtliche Probleme von Bayer in den Hintergrund gerückt, aber auch sie könnten erhebliche Auswirkungen auf die Bilanz haben. Wie dem Geschäftsbericht 2016 zu entnehmen ist, hat Bayer im vergangenen Jahr 262 Millionen Euro für Rechtsrisiken zurück gestellt – das übersteigt die für 2015 angegebene Summe um mehr als 100 Millionen Euro. Im wesentlichen beschäftigen sich die Prozessanwälte mit Sammelklagen in den USA: Allein 16.400 Anwender des Verkaufssschlagers Xarelto, einem Blutgerinnungshemmer, haben Bayer verklagt, weil sie sich unzureichend über Nebenwirkungen informiert fühlen. Tausende Frauen, die empfängnisverhütende Mittel wie die Pille ‚Yasmin‘ oder die Hormonspirale ‚Mirena‘ verwendet haben, klagen über schwerwiegende Gesundheitsschäden. Zusätzlich ist Bayer in einige teure Patentstreitigkeiten verwickelt, betroffen sind unter anderem die Verhütungsmittel Beyaz und Safryal, das Lebermedikament Stivarga und auch Xarelto.

Der Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers, Dr. Peter Bartels, bezeichnet in seinem Prüfbericht die Rechtsrisiken zwar für schwer abschätzbar, hält aber die Rückstellungen von 262 Millionen Euro für realistisch. (Christiane Schiffer)

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