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07.04.2017

München, Paris, Madrid: Olswang-Partner gründen europäische IP-Prozesskanzlei

Der Patentrechtler Dr. Thomas Lynker (40), bislang Partner im Münchner Büro von Olswang, gründet gemeinsam mit weiteren Partnern eine Kanzlei unter dem Namen Taliens. Zur neuen Einheit gehören in München neben Lynker auch Dr. Monika Stöhr (42) sowie in Paris Jean-Frédéric Gaultier (46) und Clara Steinitz (40). Den vier Partnern schließen sich vier Associates an. Alle Anwälte waren bislang für Olswang tätig. 

Thomas Lynker

Thomas Lynker

Zudem kooperiert Taliens sehr eng mit der zwölf Anwälte starken Kanzlei von Pedro Merino Baylos in Madrid. Der IP- und Prozessanwalt, der zuletzt auch als of Counsel mit Olswang verbunden war, hatte mit Lynker etwa in Patentprozessen für ZTE zusammengearbeitet. Baylos bekommt zudem weitere Unterstützung durch einen ehemaligen Olswang-Associate.

Taliens arbeitet mit einem starken Schwerpunkt bei Patentprozessen. Lynker und Gaultier kennen sich ebenfalls über die gemeinsame Arbeit in Patentprozessen, etwa für das Mobilfunkunternehmen TCL. Stöhr und Steinitz arbeiten im Urheber-, Medien- sowie Marken- und Wettbewerbsrecht.

Die Kanzleigründung war ins Rollen gebracht worden, nachdem Olswang und CMS Cameron McKenna ihren Zusammenschluss verkündet hatten. Damit war die Zukunft der Olswang-Anwälte und -Büros außerhalb Großbritanniens ungewiss geworden. Denn die vertraglichen Regeln des CMS-Netzwerks verbieten es CMS Cameron McKenna, in anderen Ländern Büros zu haben, in denen CMS-Kanzleien bereits tätig sind. Einigen Olswang-Partnern in München und Paris steht es zwar offen, sich den jeweiligen CMS-Landesgesellschaften anzuschließen. Diesen Schritt gingen nun die vier IP-Partner nicht. In Frankreich ist Taliens bereits seit Anfang März am Start, Lynker und Stöhr folgen in Deutschland Anfang Mai – nach dem Ende des Geschäftsjahres von Olswang.

Grenzüberschreitender Spin-off ist ein Novum

Die Gründung von Taliens als grenzüberschreitende IP-Einheit ist ein Novum. Zwar gibt es im Gewerblichen Rechtsschutz in letzter Zeit vermehrt länderübergreifende Zusammenschlüsse. Prominentestes Beispiel war etwa die Fusion von Hoyng Monegier und Reimann Osterrieth Köhler Haft 2015 zu Hoyng ROKH Monegier. Eine grenzüberschreitende Neugründung als Spin-off aus einer Großkanzlei hat die Branche jedoch bislang noch nicht gesehen.

Hintergrund ist unter anderem das neue Europäische Patentgericht. Der Unified Patent Court soll im Dezember seine Arbeit aufnehmen und stellt die Patentrechtler europaweit vor die Herausforderung, künftig in einem gemeinsamen Markt im Wettbewerb zu stehen, denn das Gericht verhandelt Patentprozesse für ganz Europa.

Weiter ungewiss bleibt die Zukunft der im Münchner Büro verbliebenen Olswang-Anwälte. Die Kanzlei hatte nach dem Weggang ihres Berliner Büros zu Greenberg Traurig 2015 ihre Deutschland-Aktivitäten auf München konzentriert. Hier war vor allem eine starkes Patentteam tätig, dessen Patentanwälte ein umfangreiches Patent-Portfolio für Microsoft betreuen. In München arbeiten aber auch Anwälte im Soft-IP sowie Gesellschaftsrecht und M&A. Kürzlich war bekannt geworden, dass der IT-Partner Dr. Andreas Splittgerber zu Reed Smith wechselt.

Patentanwälte unter eigener Marke?

Olswang und CMS arbeiten daran, dass das Münchner Patentanwaltsteam mit dem Microsoft-Mandat im CMS-Verbund unter einer eigenständigen Marke integriert werden kann. Eine endgültige Entscheidung ist hierzu aber noch nicht gefallen.

Derweil zerfällt auch das gut positionierte internationale Patentprozessteam von Olswang zunehmend. Kürzlich war bekannt geworden, dass ihr bekanntester Londoner Partner, Michael Burdon, im Mai zu Simmons & Simmons wechseln wird. (Mathieu Klos)

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