Artikel drucken
09.05.2017

Arbeitszeiten: Associates in Kanzleien arbeiten im Schnitt 54 Wochenstunden

Die durchschnittliche Arbeitsbelastung der Wirtschaftsanwälte in Deutschland liegt in Kanzleien bei rund 54 Wochenstunden. Inhouse sind es mit 45,6 Stunden deutlich weniger. Das zeigt die azur-Associate-Umfrage 2016, an der insgesamt über 3.100 junge Juristen teilnahmen.

Über die letzten Jahre hat sich die mittlere Arbeitsbelastung in Kanzleien kaum verändert. Zwischen 2012 und 2015 gaben die Associates in der azur-Umfrage im Schnitt 54,2 bis 54,8 Wochenstunden an. Inhouse hingegen ist das durchschnittliche Stundenpensum zuletzt um eine Stunde gesunken: 2012 bis 2015 lag der Durchschnitt dort stets zwischen 46,4 und 46,9 Wochenstunden. Auf die Zufriedenheit der Umfrageteilnehmer wirkte sich der jeweilige Arbeitsanfall kaum direkt aus. Sowohl Associates in Kanzleien als auch Inhousejuristen bewerteten ihre Arbeitgeber in der azur-Umfrage in diesem Punkt ausgesprochen mäßig. 

Innerhalb der Kanzleien gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Fachbereichen. Das Projektgeschäft in M&A, Private Equity und Venture Capital sowie im Bank- und Finanzrecht sorgt nicht nur für Auslastungsspitzen, sondern auch insgesamt für ein nochmals höheres Stundenpensum. So arbeiten die Transaktionsanwälte im Schnitt fast 56 Stunden pro Woche. Unter 50 Wochenstunden liegt der Durchschnitt dagegen etwa im Medien-, Handels-/Vertrags- und Vertriebsrecht. Auch bei den Billable Hours, die die Kanzleien von ihren Associates erwarten, unterscheiden sich die Praxisbereiche deutlich.

Kanzleien auf der Suche nach Alternativen

Um Bewerber nicht von vornherein mit einer hohen Arbeitslast abzuschrecken, haben inzwischen einige Kanzleien alternative Karrieremodelle eingeführt. Bei Baker & McKenzie, Linklaters und McDermott Will & Emery sehen diese Modelle eine reduzierte Arbeitslast und im Unterschied zu bisherigen Teilzeitmodellen täglich einen festen Feierabend vor – ohne die Erwartung, auch außerhalb der Arbeitszeiten für Mandanten oder Kollegen erreichbar zu sein. Dafür liegen die Gehälter deutlich niedriger. Zudem müssen sich die Associates meist von der – in Kanzleien nach wie vor zentralen – Aufstiegsperspektive verabschieden: Die Ernennung zum Vollpartner ist nur bei McDermott theoretisch vorgesehen. (Norbert Parzinger)

  • Teilen