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13.06.2017

Outsourcing: Allianz lagert die Hälfte ihrer Steuerabteilung aus

Die Allianz plant, große Teile ihrer Steuerabteilung auf eine Beratungsgesellschaft auszugliedern. Von den rund 60 Mitarbeitern der Steuerabteilung soll etwa die Hälfte zu einer externen Steuerkanzlei wechseln. 

Neben WTS verhandelt die Allianz auch mit EY und KPMG. Die Entscheidung, welche Kanzlei den Zuschlag erhält, sei noch nicht abschließend gefallen. Bis zu einer Entscheidung könne es noch einige Wochen dauern, vielleicht gehe es aber auch sehr schnell, sagte ein Allianz-Insider gegenüber JUVE.

Gute Chancen dürfte die Münchner Steuerberatungsgesellschaft WTS haben. Die Kanzlei ist im Markt dafür bekannt, für teils sehr große Unternehmen als ausgegliederte Steuerabteilung zu agieren. Ursprünglich war WTS aus der Siemens-Steuerabteilung hervorgegangen, mittlerweile gehören einige namhafte Unternehmen wie MAN, E.on, Uniper und die Bank Sal. Oppenheim zu ihren Mandanten.

Auch für KPMG stehen die Chancen nicht schlecht. Immerhin kennt die Big-Four-Gesellschaft den Dax-Konzern schon seit geraumer Zeit. Ganze 127 Jahre ließ der Versicherer seine Bilanzen von KPMG, beziehungsweise von deren Vorgängergesellschaft, prüfen. Im März wurde bekannt, dass die Allianz ihr Prüfungsmandat ab Januar 2018 an PricewaterhouseCoopers übergibt. Der Grund für den Wechsel ist die verpflichtende Prüferrotation, die vor allem KPMG ins Mark trifft. Die Gesellschaft prüft die meisten Mandate im Dax.

Das Mandat auf die Steuerberatung umzuschichten, ist deshalb ein Schachzug, der für viele Prüfer, die ihr Mandat verlieren, attraktiv ist. Zum einen dürfen Gesellschaften nicht gleichzeitig prüfen und beraten. Zum anderen gelten die Honorare in der Steuerberatung als wesentlich lukrativer als in der Wirtschaftsprüfung.

Grund für die geplante Auslagerung sei die fortschreitende Technologisierung des Steuerwesens, bei der sich der Konzern auf strategische Themen fokussieren wolle, erfuhr JUVE aus Unternehmenskreisen. Alle Mitarbeiter seien so fundiert informiert worden, dass sie die Folgen der Umstrukturierung für ihre eigene berufliche Zukunft einschätzen könnten. „Der Fachbereich gliedert sich in vier Unterbereiche. Von dem Auslagerungsvorhaben sind zwei dieser vier Unterbereiche betroffen, in denen vor allem operative Tätigkeiten erbracht werden“, so eine Allianz-Sprecherin gegenüber JUVE. Für alle werde eine sozialverträgliche Lösung gesucht.

Die Motivation für die Allianz liegt auf der Hand: Es dürfte vor allem darum gehen, die Kosten zu senken. Doch es gibt noch einen weiteren Grund für die Ausgliederung: Die Compliance-Regelungen werden strenger und somit steigen auch die Haftungsrisiken für Beschäftigte in Steuerabteilungen. Durch das Outsourcing von Kapazitäten könnten Unternehmen diese wenigstens minimieren. (Daniel Lehmann, Till Mansmann)