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04.07.2017

Prozessauftakt um Oktoberfest-Party: Linklaters-Partner Carl-Peter Feick sagt als Zeuge aus

Gestern hat vor dem Landgericht München der Prozess gegen den ehemaligen Linklaters-Partner Thomas E. begonnen, in dem es um den Vorwurf der Vergewaltigung und vorsätzlichen Körperverletzung geht (19 KLs 451 Js 115945/15). Dabei standen nachmittags Linklaters und ihr Umgang bei der Aufklärung der Geschehnisse im Mittelpunkt. Als Zeuge sagte dazu der ehemalige Senior-Partner der Kanzlei, Dr. Carl-Peter Feick, aus.

Das Verfahren beleuchtet die Vorkommnisse nach einer Linklaters-Oktoberfestparty im September 2014. Der ehemalige Steuerpartner soll nach dem Wiesn-Besuch eine studentische Hilfskraft im Garten eines griechischen Restaurants vergewaltigt haben. Später am Abend hatte ihm der damalige Litigation-Partner Laurenz Schmitt deswegen mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Im Vorjahr war dieser bereits deshalb wegen Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten verurteilt worden.

Linklaters hatte sich direkt nach den Vorfällen intern um die Aufklärung des Falls bemüht. Im Zuge dessen kündigte E. bevor die Kanzlei diesbezüglich selbst aktiv wurde.

Feick stand seinerzeit als Senior-Partner an der Spitze der deutschen Büros und erfuhr am Tag nach der Feier von dem Vorfall. Feick, so führte er als Zeuge aus, sah sich zunächst in der Rolle des Zuhörers und sprach mit Prof. Jens Blumenberg, dem Leiter der Steuerrechtspraxis, sowie mit dem ehemaligen Partner selbst. Es folgte eine Gesprächsrunde in München, bei der er sich sowohl vom mutmaßlichen Opfer als auch von drei weiteren Zeugen die Geschehnisse schildern ließ. Anschließend  habe er gemeinsam mit Robert Elliott, Senior-Partner der Gesamtkanzlei, beschlossen, die Sache intern durch Christa Band, Litigation-Partnerin in London, und Dr. Detlev Schuster, Notar im Berliner Büro, untersuchen zu lassen. Im Zuge dessen sei E. ins Londoner Büro zu einer mehrstündigen Anhörung gereist und habe am nächsten Tag gekündigt. Nach dessen eigener Aussage, weil er nicht das Gefühl gehabt hätte, dass die Kanzlei an einer Aufklärung interessiert sei.

Weiter sagte Feick aus, dass der ehemalige Partner jedenfalls in grober Art gegen die Pflichten eines Linklaters-Partners verstoßen habe. Dem mutmaßlichen Opfer habe die Kanzlei psychologische und juristische Hilfe angeboten. Man habe ihr aber zu einer Anzeige weder geraten noch abgeraten, das hätte sie selbst entscheiden sollen. Dass Linklaters selbst Anzeige erstatten würde, sei nicht in Frage gekommen. Für die Kanzlei war die Angelegenheit mit der Kündigung erledigt, das mutmaßliche Opfer war noch ein weiteres Jahr als Studentin dort tätig.

An einem der nächsten Prozesstage ist die Londoner Partnerin Christa Band ebenfalls als Zeugin geladen. Insgesamt hat das Gericht acht Verhandlungstermine angesetzt, das Urteil wird Ende Juli erwartet.

Vertreter Thomas E.
Stevens Betz Müller Zenger (München): Dr. Alexander Betz, Dr. Alexander Stevens, Florian Zenger

Vertreter ehemalige Studentin als Nebenkläger
von Máriássy Dr. von Stetten (München): Dr. Annette von Stetten

Staatsanwaltschaft München
Elke Bönisch

Landgericht München I, 19. Strafkammer
Elisabeth Ehrl (Vorsitzende Richterin)

Hintergrund: Die Verteidiger standen im Wesentlichen schon im Verfahren wegen Körperverletzung an der Seite ihrer Mandanten. Neu dabei für den ehemaligen Linklaters-Partner E. ist Florian Zenger, der Stephan Lucas ersetzt. Die Kanzlei Lucas Stevens hat sich Anfang Juni getrennt. Stephan Lucas arbeitet nun unter eigener Flagge. Von Stetten war ebenfalls von Anfang an involviert, zuvor als Zeugenbeistand der Studentin. (Eva Flick)

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