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29.08.2017

Interview: „Wir sind nicht nur der deutsche Arm einer chinesischen Kanzlei“

Rudolf Haas, Partner von King & Wood Mallesons Europe in Frankfurt, spricht über den Neuaufbau in Deutschland und die künftige Positionierung im asiatisch-pazifischen Kanzleinetzwerk.

Rudolf Haas

Rudolf Haas

JUVE: Im Januar meldete King & Wood Mallesons Insolvenz an, fast zeitgleich gründeten Sie mit Ihren Partnern die neue Einheit King & Wood Mallesons Europe. Wie gestaltete sich der Übergang und welchen Einfluss hat die Insolvenz auf das aktuelle Geschäft?
Rudolf Haas:
Die Insolvenz beschäftigt einige Partner der früheren Einheit in unterschiedlichem Maße individuell. Aber da die neue GmbH keine Rechtsnachfolgerin der früheren LLP ist, sind wir als Einheit davon nicht betroffen. Auch die Marke lag ja nie bei der LLP, weshalb wir diese verwenden können. Einzelnes Geschäft haben wir nach Absprache mit Involvenzverwalter Andrew Hosking aus der alten Gesellschaft herausgelöst. Nun bauen wir damit und mit unseren bisherigen und neuen Mandanten eine eigenständige deutsche Organisation auf, als Teil der Europa-Strategie im asiatisch-pazifischen Netzwerk, mit dem eine Kooperationsvereinbarung besteht.

Sie haben gerade neue Quereinsteiger eingestellt und wollen weiter personell wachsen. Steht Ihnen die jüngste Vergangenheit dabei nicht im Weg?
Unsere Vorgeschichte spielt beim personellen Ausbau sicherlich eine Rolle. Doch unsere ungewöhnliche geografische Aufstellung kann für Bewerber auch sehr interessant sein. Junge, ambitionierte Berufsträger haben bei uns zudem die Chance, etwas Neues mit aufzubauen und mitzugestalten – etwas, was bei den bestehenden international arbeitenden Kanzleien sonst in der Form weniger möglich ist.

Betrifft dieser Ausbau auch weitere Praxisgruppen neben Corporate?
Unser aktueller Fokus liegt ganz klar auf dem Transaktionsgeschäft. Einen Full-Service-Ansatz streben wir nicht an. Natürlich gibt es Bereiche, die für uns in Zukunft interessant sein könnten – etwa eine Litigation-Praxis am Standort Frankfurt. Aber zuerst wollen wir unseren Schwerpunkt auf Corporate, Finance und Tax legen und damit neben internationalen Mandanten auch das eigene deutsche Geschäft ausbauen.

Sie konzentrieren sich also nicht vornehmlich auf Inbound-Geschäft aus Ihrem asiatisch-pazifischen Netzwerk?
Neben der Beratung chinesischer Mandanten hat es schon immer zu unserer Strategie gehört, eigenes deutsches und europäisches Geschäft in den Bereichen Private Equity, Finanzierung und M&A zu erschließen. Das ist nach wie vor unser Ziel und insofern also kein Strategiewechsel. Wir sehen uns nicht als Arm der chinesischen Kanzlei, die lediglich asiatische Mandanten über Referrals aus dem Netzwerk berät, sondern als eigenständige Einheit mit eigenem Geschäft.

Das Gespräch führte Konstanze Richter.

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