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01.09.2017

Hamburg: Anwälte von Latham und Nordex gründen Schiedsboutique

Neugründungen im Schiedswesen liegen weiter im Trend: In Hamburg eröffnet zum Oktober Manner Spangenberg. Gründungspartner der Boutique sind Dr. Jan Spangenberg (38), bisher Senior Associate bei Latham & Watkins, und Dr. Simon Manner (41), der aus der Rechtsabteilung des Windradbauers Nordex kommt. Für Lathams Prozessteam in Hamburg ist es der zweite Abgang eines erfahrenen Associates innerhalb kurzer Zeit.

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Jan Spangenberg

Spangenberg ist seit acht Jahren bei Latham. Er ist spezialisiert auf internationale Schiedsverfahren, vor allem Post-M&A- und Investitionsschutzstreitigkeiten. An der Seite des Partners Dr. Sebastian Seelmann-Eggebert hat er unter anderem die Ukraine, Mazedonien und Kroatien bei der Abwehr von Investorenklagen vertreten. Zuletzt gehörte er zu einem Latham-Team, das den thailändischen Kautschuk-Produzenten Sri Trang in mehreren Verfahren zu einem weltweiten Gemeinschaftsunternehmen mit Semperit vertritt.

Auch Manner ist ein erfahrener Schiedsrechtler. Bevor er 2013 zum Windanlagenhersteller Nordex wechselte, war er Associate bei der Hamburger Kanzlei Hanefeld, einer Vorreiterin des Trends zur Gründung von Konfliktlösungs-Boutiquen. Bei Nordex leitete Manner zuletzt ein Team von vier Juristen, das weltweit für Streitigkeiten zuständig war, und war daneben bereits als Schiedsrichter tätig.

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Simon Manner

Beide Kanzleigründer sind gut vernetzt in der Schiedsszene. Spangenberg ist einer von vier Bundeskoordinatoren der DIS40, einer Gruppe junger Schiedsrechtler unter dem Dach der deutschen Schiedsorganisation DIS. Manner war sein Vorgänger in diesem Gremium. Entsprechend wird die Kanzlei Manner Spangenberg einen Schwerpunkt bei Schiedsverfahren haben, beide Gründungspartner verfügen über Erfahrungen sowohl als Schiedsrichter wie auch als Parteivertreter. Manner will zudem sein Know-how im Anlagenbau nicht nur für Streitigkeiten nutzen, sondern auch um Verträge zu verhandeln.

Kein Novum: Konfliktlösungs-Boutique mit Latham-Beteiligung

Latham verliert mit Spangenberg einen ihrer erfahrensten Konfliktlösungs-Associates im Hamburger Büro. Erst vor Kurzem wurde bekannt, dass auch der Kartellschadensersatz-Spezialist Prof. Dr. Rüdiger Lahme, ebenfalls Senior Associate, Latham verlässt. Er wird Counsel bei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan. Insgesamt umfasst die Latham-Konfliktlösungspraxis am Standort Hamburg aktuell rund ein Dutzend Anwälte, darunter zwei Partner.

Dass sich Großkanzlei-Schiedsexperten mit einer eigenen Boutique selbstständig machen, ist ein Trend der vergangenen Jahre. Die Gründe ähneln sich: Es gibt weniger Konflikte und man kann bestehende Mandanten in der Regel auch zu günstigeren Stundensätzen beraten. Beispiele für Boutiquegründungen: Vor drei Jahren gründete der frühere Freshfields Bruckhaus Deringer-Partner Dr. Christian Borris mit zwei Mitarbeitern Borris Hennecke Kneisel in Köln. In Berlin machte sich 2013 der frühere Weitnauer-Partner Dr. Philipp Wagner mit einer Schiedsboutique selbstständig.

Auch dass ein Latham-Anwalt eine Konfliktlösungs-Boutique gründet, ist kein Novum. Das letzte Mal ist allerdings schon eine Weile her: 2009 machte sich der Litigation-Partner Dr. Bernd-Wilhelm Schmitz unter Schmitz & Partner in Frankfurt selbständig. (Marc Chmielewski)

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