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09.10.2017

Insolvenzkanzleien: Reinhardt und Munz unter einem Dach

Die Insolvenzkanzlei Reinhardt & Kollegen mit Stammsitz in Erfurt hat sich zum Oktober erheblich vergrößert. Munz Rechtsanwälte schloss sich mit sieben Berufsträgern und ihren Mitarbeitern aus der Insolvenzverwaltung an. Die Neuzugänge Dr. Christoph Munz (59), Annett Kittner-Treublein (48) und Uwe Winkler (54) stiegen als Partner bei Reinhardt ein.

Christoph Munz

Christoph Munz

Durch den Zusammenschluss zählt die Kanzlei nun 22 Rechtsanwälte, geführt wird sie weiterhin von den drei geschäftsführenden Gesellschaftern Volker Reinhardt, Steffen Zerkaulen und Marcello Di Stefano. Insolvenzverwalter Di Stefano war vor zwei Jahren von Tiefenbacher gekommen. Erst im Juli beziehungsweise August hatte Reinhardt zwei weitere Quereinsteiger gewinnen können. Von der bekannten Insolvenzverwalterkanzlei Westhelle kam der Bau- und Immobilienrechtler Stephan Schultz (52). Zudem wechselte der zuvor selbstständige Bank- und Kapitalmarktexperte Jürgen Hotz (56) zu Reinhardt. Hotz und Schultz sind vorwiegend vom Erfurter Büro aus tätig.

Das Munz-Team hingegen verstärkt deutlich die überregionale Präsenz der Kanzlei. Neu hinzu kommen mit Köln und Bonn zwei Büros im Rheinland sowie Cottbus. Der Standort Dresden wird ausgebaut. Mit insgesamt 13 Standorten nähert sich Reinhardt dem Ziel einer bundesweiten Aufstellung, die mittelfristig durch weitere Neuzugänge entstehen soll. Im Bereich Insolvenz und Sanierung nimmt die Kanzlei stärker vorinsolvenzliche Unternehmenskrisen und die Begleitung von Insolvenzplanverfahren ins Visier.

Internationale Kooperation mit ETL

Annett Kittner-Treublein

Annett Kittner-Treublein

Die Erweiterung soll das Beratungsangebot insgesamt aufwerten und nicht nur der klassischen Insolvenzverwaltung zugute kommen. Kanzleigründer Volker Reinhardt sieht letzteren Bereich allerdings nicht als hinfällig: „Wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ändern, etwa durch eine andere Geldpolitik der EZB, wird es auch wieder einen Anstieg von Insolvenzverfahren geben. Wir nutzen die Phase der rückläufigen Verfahrenszahlen bewusst für unsere Expansion, dafür ist jetzt ein guter Zeitpunkt.” Außerdem steht die Optimierung und Digitalisierung der Arbeitsabläufe auf dem Programm. Auf internationaler Ebene nutzt die Kanzlei seit Kurzem das globale Netzwerk der ETL-Gruppe, ETL International, und ist in Deutschland Partner der ETL für Sanierungsthemen.

In diesem Jahr ist dies bereits der zweite überregionale Zusammenschluss zweier Insolvenzkanzleien. Zum Juli hatte sich Mönning & Partner mit einem größeren Team um den Berliner Verwalter Udo Feser zusammengeschlossen. Die neue Einheit Mönning Feser mit rund 20 Rechtsanwälten fällt in die gleiche Größenordnung wie jetzt Reinhardt.

Trotz schlagzeilenträchtiger Großverfahren, wie Air Berlin, Alno-Küchen oder Solarworld, und trotz Sonderkrisen, wie der des Mode-Einzelhandels, leidet die Insolvenzszene in ihrer ganzen Breite erkennbar unter den geschrumpften Fallzahlen und mangelnder Auslastung. In der Branche wird heiß diskutiert, wie eine zukunftsträchtige Aufstellung für traditionelle Verwalterkanzleien aussieht. Manch kleinere Einheit hat sich früher bereits für den Anschluss an einen der Großen entschlossen: So schloss sich im Frühjahr 2016 etwa im Westen Stefan Meyer Pluta an, in München ging Hanns Pöllmann zu Schultze & Braun. (Markus Lembeck)