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17.10.2017

Patentrecht: Allen & Overy schließt Lücke mit Quinn Emanuel-Partner

Dr. Jan Ebersohl (43) wechselt Anfang Dezember als Partner in die Patentprozesspraxis von Allen & Overy in München. Der 43-Jährige ist derzeit noch Non-Equity-Partner bei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan. Allen & Overy treibt mit dem Zugang die europaweite Expansion ihrer Patentprozesspraxis erneut voran.

Jan Ebersohl

Jan Ebersohl

Das deutsche Patentteam von Allen & Overy um den Praxisgruppenleiter Dr. Joachim Feldges hat einen starken Schwerpunkt bei Pharmaprozessen. Mit Ebersohl kommt ein vor allem bei Hightechpatenten erfahrener Prozessanwalt dazu. In den vergangenen Jahren gehörte er zu dem Quinn Emanuel-Team, das Google beziehungsweise Motorola in verschiedenen Mobilfunkprozessen vertrat. Aktuell arbeitet er auch an einer Großklage für Qualcomm gegen Apple mit. Daneben bringt Ebersohl Erfahrung in Schiedsverfahren mit.

Mit dem Zugang verbreitert Allen & Overy seine technische Prozessexpertise. Bislang fehlte es der Kanzlei in Deutschland an einem bekannten Experten für Mobilfunkfälle, zumal erst kürzlich ein in diesem Bereich erfahrener Counsel zu DLA Piper gewechselt war. Gleichzeitig forciert Allen & Overy auch die europaweite Expansion des Patentteams. Das klare Ziel der Kanzlei ist seit geraumer Zeit, auf der Basis eines starken Patentteams in London europaweit zu den Marktführern Hogan Lovells und Bird & Bird aufzuschließen.    

Schrittweise Expansion

Nicht zuletzt seit sich das Londoner Team um Nicola Dagg 2016 mit vier Partnern von Simmons & Simmons verstärkt hatte, galt Allen & Overy im europäischen Markt zu den expansivsten Prozesseinheiten in diesem Bereich. Das Team will den Start des Europäischen Patentgerichts (UPC) und die Zunahme an grenzüberschreitenden Prozessen für sich nutzen. In Paris hat es mit Laëtitia Bénard und David Por zwei der anerkanntesten Patentexperten des Landes in ihren Reihen. Die Expansion in Deutschland wollte dem Team um Feldges allerdings lange nicht glücken.

Ebersohl trifft bei Allen & Overy auf zwei Associates, mit denen er bereits bei Quinn Emanuel zusammengearbeitet hatte, bevor diese zur Magic-Circle-Kanzlei gewechselt waren. Das deutsche Patentteam besteht nun mit Ebersohl aus zwei Partnern und vier Associates. Europaweit verfügt die Kanzlei in dem Bereich dann über 65 Berufsträger, davon 18 Partner.

Feldges betonte, dass der Zugewinn von Ebersohl ein entscheidender Schritt für den Ausbau der deutschen Praxis sei, dieser aber noch nicht abgeschlossen wäre. „Teil unserer Strategie ist auch der Aufbau eines Patentteams in Düsseldorf“, sagte Feldges. „Mit Blick auf die Einführung des Unified Patent Court (UPC) sind wir gut aufgestellt. Allen & Overy verfügt über eigene Büros nicht nur am Sitz der drei Zentralkammern in Paris, München und London und des Berufungsgerichts in Luxemburg, sondern auch an weiteren wichtigen Standorten dieses internationalen Patentgerichts.“ Derzeit fehlten dem Team neben Düsseldorf auch in Amsterdam noch bekannte Experten.

Erstmals Partnerabgang bei Quinn

Für Quinn Emanuel ist Ebersohl der erste Partnerabgang seit der Eröffnung in Deutschland 2010. Damals war Dr. Marcus Grosch zu der US-Litigationkanzlei gewechselt und hatte bei Allen & Overy eine große Lücke hinterlassen. Mit dem Zugang von Feldges konnte die Kanzlei diese wieder annähernd füllen, zu alter Stärke kehrte das Team aber bislang nicht zurück, auch weil Grosch mit Dr. Johannes Bukow und Dr. Nadine Herrmann weitere Anwälte von Allen & Overy nachzog. Ebersohl kam 2010 als Associate von Mannheimer Swartling zu Quinn Emanuel und wurde 2015 vierter deutscher Partner.

Grosch ist nach Ebersohls Weggang der einzige Partner im Münchner Büro. Er teilt seine Arbeitszeit zur Hälfte zwischen Mannheim und München auf. Grosch kündigte eine baldige Verstärkung des Büros an der Isar auf Partnerebene an. (Mathieu Klos)

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