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13.11.2017

Steuern: Strenge Behörden und M&A-Boom beleben das Geschäft

Internationale Aspekte haben immer mehr Einfluss auf das Beratungsgeschäft der Steuerpraxen. Vor allem der boomende M&A-Markt mit Fokus auf grenzüberschreitenden Transaktionen belebt das Geschäft. Zudem nimmt die Bekämpfung des internationalen Steuermissbrauchs (Base Erosion and Profit Shifting, BEPS) allmählich konkrete Züge an: Im Sommer unterzeichnete Deutschland zusammen mit über 60 Staaten das multilaterale Instrument gegen schädliche Steuergestaltung.

Im Zuge der BEPS-Initiative sorgte auch die Europäische Kommission zuletzt wieder für Aufsehen. Sie will sicherstellen, dass Anwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer künftig „aggressive“ Steuersparmodelle ihrer Mandanten an die Finanzbehörden weiterreichen – insbesondere grenzüberschreitende Modelle. Mit der Meldepflicht will die EU-Kommission wiederum den Informationsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten verbessern. Berater verunsichert der Vorstoß, denn die Kommission lässt offen, ab wann sie eine Steuergestaltung als Modell einstuft. Völlig ungeklärt ist zudem die Frage, was ein „aggressives“ Steuersparmodell konkret ist.

Unklarheiten um Steuersparmodelle

Nicht nur die EU-Kommission sorgt für Irritationen. Bereits 2016 kam ein vom bisherigen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in Auftrag gegebenes Gutachten zu dem Schluss, Berater müssten „aggressive“ Steuersparmodelle dem Finanzamt melden. Sollte sich dies durchsetzen, wären eben nicht nur die grenzüberschreitenden Gestaltungen betroffen.

Ohnehin legten die Behörden in Deutschland eine härtere Gangart ein. Für die Kanzleien bringt dieses Vorgehen auch mehr Geschäft: Die Zahl der Prüfungen erhöhte sich deutlich, vor allem die Umsatzsteuer geriet in den Fokus der Finanzverwaltungen. Die Tendenz zu einer strengeren Rechtsprechung führt außerdem vermehrt dazu, dass Ermittlungsverfahren in die Hauptverhandlung führen, berichten Kanzleien. Das wiederum führt zu mehr Beratungsbedarf.

Cum-Ex und Cum-Cum sorgen für Dauerbeschäftigung

Ein wichtiger Impulsgeber für das Anwaltsgeschäft der Steuer- und Steuerstrafrechtler bleibt die Aufarbeitung von Cum-Ex-Fällen. Die Themenpalette ist dabei denkbar vielfältig und reicht von der Überprüfung der Tax-Compliance-Strukturen bis zu streitigen Auseinandersetzungen mit dem Fiskus um Rückerstattungen. Und die nächste Beratungswelle um Steuergeschäfte mit Aktiendividenden rollt schon an: Auch bei Cum-Cum-Geschäften geht der Fiskus nun konsequenter vor, um sich milliardenschwere Steuereinnahmen von Banken zurückzuholen.

Für mehr Nachfrage bei den Kanzleien sorgt auch der Anwendungserlass zu Paragraph 153 der Abgabenordnung, in dem es um die Berichtigungspflichten von Steuererklärungen geht. Vor allem Unternehmen, die noch kein Tax-Compliance-System eingerichtet haben, haben nun Klärungsbedarf.

Einfluss der Digitalisierung nimmt weiter zu

Noch größeren und auch nachhaltigen Einfluss auf die Arbeit der Steuerexperten hat außerdem die wachsende Digitalisierung des Finanz- und Steuerwesens. Immer öfter arbeiten Steuerrechtler eng mit IT-Experten zusammen. Dabei geht es um weit mehr als Expertenprogramme oder künstliche Intelligenz. Das Steuerrecht greift immer tiefer in die Wertschöpfungsketten der Unternehmen ein, etwa über die Verrechnungspreise. Allein aus Tax-Compliance-Gründen brauchen deshalb Unternehmen wie Berater immer mehr Schnittstellen zwischen der Unternehmens-IT, den elektronischen Systemen der Berater und der Finanzverwaltung. Für viele Kanzleien ist das neben der Frage der Personalentwicklung das drängendste Zukunftsthema. (René Bender)

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