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10.11.2017

Vorwurf Marktmanipulation: Metro-Beschuldigte wappnen sich mit bekannten Verteidigern

Wegen möglicher Insidergeschäfte und Marktmanipulationen rund um die Metro-Aufspaltung ermittelt die Staatsanwaltschaft Düsseldorf gegen mehrere Metro- und Ceconomy-Manager. Vom Vorwurf des Insiderhandels ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch ein Beschuldigter außerhalb des Unternehmens betroffen. In der vergangenen Woche hatten Ermittler die Düsseldorfer Firmenzentrale durchsucht.

Die Staatsanwälte reagierten auf eine Anzeige der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Das Verfahren liegt in der Düsseldorfer Schwerpunktabteilung für Wirtschaftsstrafsachen und wird nach JUVE-Informationen von Staatsanwalt Hauke Lorenzen geführt.

Der Vorwurf der Marktmanipulation richtet sich gegen fünf Manager von Metro. Geprüft wird, ob die Ad-hoc-Mitteilung am 30. März 2016 zur Aufteilung des Konzerns in einen Lebensmittel- und einen Elektronikbereich möglicherweise zu spät verschickt wurde.

Metro: „Wir sind allen Pflichten nachgekommen“

Zwei Metro-Mitarbeitern wird außerdem Insiderhandel vorgeworfen, ein Dritter soll Insider-Informationen nach außen gegeben haben, die dann den vierten Beschuldigten möglicherweise veranlasst haben, Metro-Aktien zu kaufen. Aus den Ad-hoc-Mitteilungen von Metro vom Frühjahr 2016 geht hervor, dass ein Vorstands- und ein Aufsichtsratsmitglied Ende Februar Aktien gekauft hatten.

Wieviele Beschuldigte es insgesamt sind, ist derzeit nicht klar. Möglicherweise sind einige von beiden Vorwürfen betroffen.

Metro erklärte, dass keine Insider-Informationen vorgelegen hätten, als die beiden Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder am 22. und 26. Februar Aktien kauften – wenige Wochen bevor am 30. März die Aufspaltung des Konzerns in einer Ad-hoc-Mitteilung öffentlich bekanntgemacht wurde. Zum Vorwurf der Marktmanipulation heißt es: „Die Metro AG hat die Nachricht von der beabsichtigten Aufspaltung des Unternehmens am 30. März 2016 pünktlich und unter Beachtung der einschlägigen Vorschriften kommuniziert und ist dabei allen entsprechenden Pflichten nachgekommen.“

Verteidiger sind bestellt

Da die Beschuldigten inzwischen sowohl bei der neuen Gesellschaft Ceconomy, als auch bei der neuen Metro AG beschäftigt sind, haben sich beide Unternehmen nach JUVE-Informationen strafrechtliche Unterstützung bei den renommierten Düsseldorfer Strafverteidigern Christoph Lepper und Sven Thomas von Thomas Deckers Wehnert Elsner geholt.

Die Beschuldigten werden nach Marktinformationen ebenfalls von bekannten Strafrechtlern vertreten, vornehmlich aus dem Rhein-Ruhr-Gebiet. Auch der renommierte Frankfurter Strafrechtler Hanns Feigen von Feigen Graf ist mandatiert. Er vertritt das Aufsichtsratsmitglied, während das Vorstandsmitglied dem Vernehmen nach auf Ulf Reuker vertraut, Partner der Strafrechtsboutique Park aus Dortmund.

Weitere Beschuldigte, deren Namen der JUVE-Redaktion bekannt sind, haben Dr. Matthias Dann von Wessing & Partner und Dr. Hellen Schilling von Kempf Schilling beauftragt. Außerdem wurden die Düsseldorfer Partner Dr. André-Marcel Szesny von Heuking Kühn Lüer Wojtek und Dr. Hjalmar Mahn von VBB Rechtsanwälte mandatiert.

Kritik an der BaFin

Nach der Deutschen Börse mit ihrem Vorstand Carsten Kengeter und Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle hat damit ein dritter deutscher Großkonzern innerhalb kurzer Zeit Ärger mit der Börsenaufsicht. Branchenkenner kritisieren, dass es für börsennotierte Unternehmen derzeit wenig Rechtssicherheit gibt zum korrekten Zeitraum für die Veröffentlichung von Ad-hoc-Mitteilungen bei börsenrelevanten Geschäften. Völlig unklar sei momentan die Haltung der BaFin zum Zeitraum zwischen Planung und konkreten Vorbereitungen, aus denen dann die Veröffentlichungspflicht entsteht. (Christiane Schiffer, René Bender, Astrid Jatzkowski)

Wir haben den Artikel am 13.11.2017 ergänzt.