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02.02.2018

Insolvenzen: Drei Papierfabriken mit viel Tradition und wenig Geld

Gestiegene Zellstoffpreise belasten das Geschäft der Papierhersteller. Nun sind gleich drei Traditionsunternehmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten und mussten Insolvenz anmelden. Die Verwalter kommen aus den Kanzleien Reimer, Illig Braun Kirschnek sowie Schultze & Braun.

Die holsteinische Papierfabrik Feldmuehle Uetersen hat Ende Januar beim Amtsgericht Pinneberg Insolvenzantrag gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Gericht Dr. Tjark Thies von Reimer aus Hamburg benannt.

Tjark Thies

Tjark Thies

Die 1904 gegründete Papiermühle wanderte vom Familienbesitz über in das Imperium von Friedrich Karl Flick und schließlich zum finnischen Papierhersteller Stora Enso. Seit drei Jahren steht der Münchener Finanzinvestor Perusa hinter Feldmuehle. Der Geschäftsbetrieb soll nun weitergeführt werden. Im Dezember 2017 belief sich der Fehlbetrag nach Unternehmensangaben auf rund 9 Millionen Euro bei 27 Millionen Euro Eigenkapital.

Im Reimer-Team arbeitet Thies zusammen mit Dr. Stephan Schoppe, Dr. Arno Doebert, Anja Göttsch und Dr. Solveig Lieder.

Gemeinsam mit dem Restrukturierungsberater Ruppert Fux Landmann aus München erstellen sie eine Bestandsaufnahme. Für Ruppert Fux sind neben den beiden Partnern Lars Ruppert und Marcel Landmann zwei weitere Mitarbeiter im Team. Zusätzlich wird noch ein M&A-Berater hinzustoßen.

Schwäbische Fabrik schwächelt ebenfalls

Der teure Zellstoffpreis ist auch der Grund für den Insolvenzantrag der 1855 gegründeten Papierfabrik Scheufelen. Auch hier kommen die Zahlungen für die 340 Arbeitsplätze bis Ende März von der Agentur für Arbeit, auch hier laufen Produktion und Vertrieb weiter. Im Jahresabschluss, der Ende 2017 veröffentlicht wurde, standen 17 Millionen Euro Eigenkapital rund 7 Millionen Euro Fehlbetrag in ähnlicher Relation wie bei Feldmuehle. Die Geschäftsleitung setzt nun auf innovatives Graspapier, um die Abhängigkeit von den Zellstoffpreisen zu verringern.

Das Amtsgericht Esslingen bestellt Dr. Tibor Braun, Partner bei Illig Braun Kirschnek zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Die alteingesessene Stuttgarter Kanzlei mit vier Berufsträgern ist auf Insolvenz- und Sanierungsrecht ausgerichtet. Braun war im vergangenen Jahr beispielsweise Sachwalter beim Bodenbelagshersteller DLW.

Papierfabrik aus Sachsen saniert

Andreas Elsäßer

Andreas Elsäßer

Weit fortgeschritten ist das Insolvenzverfahren bei der Sanierung der 180-jährigen Papierfabrik Hainsberg bei Dresden mit 120 Mitarbeitern. Hier fand die Eigenverwaltung Anfang Februar ihren Abschluss. Die Gläubiger stimmten dem Insolvenzplan einstimmig zu. Ursache der Finanznot war dort eine Baumaßnahme, die teurer wurde als erwartet.

Das Amtsgericht Dresden hatte das Verfahren im April 2017 begonnen. Andreas Elsäßer aus dem Stuttgarter Büro von Schultze & Braun begleitete die Geschäftsführung als Sanierungsgeschäftsführer. Elsäßer gilt als Fachmann für Betriebsfortführungen und hatte sich Schultze & Braun 2014 mit seiner Kanzlei angeschlossen. Zu seinem Team gehören Christoph Chardon (Eigenverwaltung) und Florian von Seyfried (Insolvenzplan). Bei Hainsberg arbeitete Elsäßer mit dem Sachwalter Dr. Nils Freudenberg von der Dresdener Kanzlei Tiefenbacher zusammen. Freudenberg wird regelmäßig in Sachsen zum Insolvenz- und Sachwalter bestellt. An der Erstellung des Insolvenzplans ist außerdem unter anderem Dr. Matthias Tresselt vom Stuttgarter Gleiss Lutz-Standort beteiligt. (Ludger Steckelbach)

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