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05.02.2018

Spin-off bei Freshfields: Prominente Partner gründen öffentlich-rechtliche Kanzlei

Zum Mai spalten sich drei langjährige Partner aus dem Öffentlichen Recht von Freshfields Bruckhaus Deringer ab und gründen eine neue Kanzlei: Neben Dr. Wolf Spieth (59), Dr. Herbert Posser (55) und Dr. Benedikt Wolfers (53) gehören als Gründungspartner auch Dr. Burkhard Wollenschläger (39) und Niclas Hellermann (35) zu der neuen Einheit, die mit Büros in Berlin und Düsseldorf eröffnen wird. Das Ausscheiden der bekannten Öffentlichrechtler steht auch für die weitere Fokussierung von Freshfields auf das hochpreisige Transaktionsgeschäft.

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Wolf Spieth

Mit dem Weggang von Spieth und Wolfers geht im Berliner Freshfields-Büro eine Ära zu Ende. Über ein Jahrzehnt lang prägten die beiden Öffentlichrechtler den Standort. Beide waren zeitweise auch als Managing-Partner des Büros tätig, derzeit liegt diese Aufgabe bei der Corporate-Partnerin Dr. Stephanie Hundertmark. Ebenso wie Posser waren Spieth und Wolfers Plateau-Partner der Kanzlei. Die Abgänge dürften auch dem Generationswechsel in der Kanzlei geschuldet sein, müssen aber auch strategisch interpretiert werden.

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Benedikt Wolfers

Demnach fügt sich der Spin-off in eine langfristige Entwicklung ein: Über Jahre hinweg ist das Hauptstadtbüro von Freshfields auf Partnerebene geschrumpft. Der erste große Paukenschlag war 2009 die Trennung von einem großen Immobilienteam, das sich Olswang anschloss (heute: Greenberg Traurig). Einer der Hauptgründe war schon damals die stärkere Fokussierung der Kanzlei auf profitableres Geschäft – und der Wunsch der Partner, dem Nachwuchs in ihrem Rechtsgebiet eine Chance zu bieten. Außerdem verließ im April 2016 ein großes Team von Außenhandels-, Kartell- und Vergaberechtlern die Kanzlei und gründete Blomstein. 

Mehrere Associates gehen mit

Nun wechseln zusammen mit Posser auch der Counsel Wollenschläger und der langjährige Spieth-Associate Hellermann in die neue Einheit, deren Name bislang noch nicht bekannt ist. Posser begleiten zudem bis zu drei Associates in sein neues Düsseldorfer Büro, auch Spieth und Wolfers werden weitere Associates mitnehmen.

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Herbert Posser

Spieth hatte seine Karriere 1988 im Düsseldorfer Büro der Kanzlei begonnen. 1993 stieß Posser, 1996 Wolfers zum wachsenden Düsseldorfer Team des Öffentlichrechtlers. Posser entwickelte in der Folge an der Seite von Partner Dr. Bernd Kunth den energiewirtschaftlichen Fokus der Praxisgruppe Öffentliches Wirtschaftsrecht. Spieth, dessen Fokus die umweltrechtliche Beratung rund um Industrieanlagen, Altlasten und Abfall prägt, zog es 1997 mit Wolfers nach Berlin, wo sie seither mit einem wachsenden Team die steigende Nachfrage nach öffentlich-rechtlicher Beratung in hochpolitischen Zusammenhängen bedienen.

Der Bergrechtler Spieth hatte zuletzt den Abverkauf von Vattenfalls Braunkohle-Sparte als Mandat für die Kanzlei gewonnen und war mehr und mehr in energierechtlichen Fragen tätig, etwa im bergrechtlich nicht unerheblichen Offshore-Bereich. In einem anderen Mandat von politischer Bedeutung kämpft er für die ostdeutsche Braunkohleindustrie gegen einen europäischen Prozess zur Festlegung von Emissionsgrenzwerten.

Burkhard Wollenschläger

Burkhard Wollenschläger

Für das Berliner Büro von besonderer Außenwirkung war insbesondere Wolfers Tätigkeit in den Jahren nach der globalen Finanzkrise, als er unter anderem im Auftrag des Bundes die Gesetzgebung zur Finanzmarktstabilisierung begleitete. Auch für die Energiebranche übernahm er hochpolitische Mandate, wie unter anderem die Begleitung der Verfassungsbeschwerde gegen das Atommoratorium.  Jüngst spielte er auch im großen VW-Mandat der Kanzlei eine wichtige Rolle. Die Abstimmung mit Regulierungsbehörden und die Abwehr von verwaltungsrechtlichen Klagen gegen den Konzern verhandelte er zusammen mit Wollenschläger, den die Kanzlei Anfang 2017 zum Counsel machte. Soweit bekannt wird Wolfers auch nach seinem Ausscheiden zum VW-Beraterteam gehören.

Generationswechsel und Fokussierung bei Freshfields

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Niclas Hellermann

Die jetzige Abspaltung steht auch für einen weiteren Trend, der in vielen internationalen Großkanzleien zu beobachten ist: Das Stand-Alone-Geschäft einzelner Rechtsgebiete wird zugunsten eines fokussierten und vernetzten Arbeitens im hochpreisigen Transaktionsgeschäft zurückgefahren.

Im Berliner Freshfields-Büro verbleiben 7 Partner und rund 40 Associates. Auf Partnerebene verbleiben mit Prof. Dr. Marcel Kaufmann und Dr. Michael Ramb zwei Öffentlichrechtler in Berlin. Darüber hinaus gehören noch Dr. Juliane Hilf in Düsseldorf und Dr. Stephan Denk in Wien zu dem Team, das neben Transaktionen vor allem mit Blick auf Risiko- und Haftungsfragen insbesondere im Gesundheitssektor beschäftigt sein wird. (Martin Ströder, Antje Neumann, Ulrike Barth)

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