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20.03.2018

Schwere Schieflage: Jaffé übernimmt bei P&R-Insolvenz

Drei Gesellschaften des Containervermittlers P&R haben Insolvenz angemeldet. Dr. Michael Jaffé und Dr. Philip Heinke aus der Münchner Einheit Jaffé wurden vom Amtsgericht München als Insolvenzverwalter bestimmt. Verbraucherschützer fürchten bereits jetzt einen der größten Anlegerschäden der letzten Jahre. Rund 51.000 Anleger haben bei dem Münchner Finanzdienstleister bis zu 3,5 Milliarden Euro investiert.

Michael Jaffé wurde für die P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH (Az. 1542 IN 726/148) und die P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH (Az. 1542 IN 728/18) als vorläufiger Verwalter benannt, Dr. Philip Heinke bei der P&R Container Leasing GmbH (Az. 1542 IN 727/18). 

Über nicht börsengehandelte Fonds investierten die Anleger direkt in Frachtcontainer und wurden anteilige Eigentümer. P&R übernahm die Vermittlung für die Aufträge zur Nutzung der Behälter und sollte die Mietzinsen an die Anleger auszahlen. Nach Ablauf einer bestimmten Nutzungsdauer wollte der Finanzdienstleister die gebrauchten Container dann wieder von den Anlegern zurückkaufen. Der Markt für Seefracht war in den letzten Jahren schwierig, bei Containern litten die Preise unter anderem unter Überkapazitäten.

Michael Jaffé ist derzeit bei zwei weiteren großen Insolvenzverfahren als Verwalter engagiert: So wurde er kürzlich für die Insolvenzen der Dero Bank und des Energieunternehmens Phoenix Solar bestellt. Während sich im vergangenen Jahr zahlreiche Kanzleien mit dem Schwerpunkt Insolvenzrecht verkleinerten, konnte Jaffé zum Jahreswechsel in München sogar ein Team dazugewinnen.

Alexander Ballmann

Alexander Ballmann

Gesellschafterin der drei insolventen GmbHs ist die P&R AG. Daneben gibt es weitere, bisher nicht insolvente Unternehmen in der P&R-Gruppe: die Schweizer P&R Equipment & Finance Corp. und die P&R Transport-Container GmbH.

Bei den Insolvenzanträgen handelt es sich offenbar jeweils um Eigenanträge. Die Geschäftsleitungen der Schuldnerinnen haben hierfür Ashurst (München) als Verfahrensbevollmächtigte mandatiert. Geschäftsführer aller drei Gesellschaften ist seit 2017 Martin Ebben, der die Ämter von dem wiederum erst 2016 angetretenen Investor Heinz Roth übernommen hatte. Ashurst kam Anfang März dieses Jahres auf eine Empfehlung hin in das Mandat, das restrukturierungsrechtliche und insolvenzrechtliche Beratung beinhaltet. Die Kanzlei berät die insolventen und nicht insolventen Gesellschaften der Gruppe.

Federführend ist Alexander Ballmann, der von den Counseln Dorothea Tachezy (Restrukturierung, Insolvenzrecht), Philipp Beckers (Vertragsrecht, Litigation) und Dr. Karsten Raupach (Restrukturierung, Finanzierung) sowie den Associates Anna Geissler (Restrukturierung, Insolvenzrecht) und Alexandra Heitmann (Restrukturierung, Finanzierung) unterstützt wird. Ballmann kam 2016 von CMS Hasche Sigle zu Ashurst und ist dort als Partner Mitglied der globalen Restructuring-and-Special-Situations-Gruppe.

Die letzten geprüften Jahresabschlüsse wurden für das Geschäftsjahr 2015 im Juli 2017 veröffentlicht. Wirtschaftsprüfer dafür war Werner Wagner-Gruber (Regensburg), der Einwendungen zu den Abschlüssen formulierte. PricewaterhouseCoopers wurde beauftragt, die aktuell vorliegende P&R-Bilanzen zu erfassen und aufzuarbeiten. Im Anlegerschutz machen bereits mehrere Kanzleien mobil, um Mandate der privaten Gläubiger zu sammeln. (Ludger Steckelbach)

 

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