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24.04.2018

Trotz Umsatzrekorden: Billable-Hours-Vorgaben in Kanzleien leicht rückläufig

2016/17 musste man die Kanzleien mit der Lupe suchen, die ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahr nicht gesteigert hatten. An den Stundenvorgaben, die die Kanzleien ihren Associates machen, lag das aber offenbar nicht: Die durchschnittliche Zahl der geforderten Billable Hours ist laut azur-Associate-Umfrage zuletzt leicht gesunken. Sie lag 2017 bei 1.646 Stunden im Jahr, marginal weniger als 2016 (1.657 Stunden).

Allerdings gab es erneut deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Fachbereichen. Gerade in den Praxen, die in vielen Kanzleien besonders stark zum wirtschaftlichen Erfolg beigetragen haben dürften, melden die Associates in der azur-Umfrage überdurchschnittliche Honorarstundenzahlen: Im M&A-Geschäft sind im Mittel 50 abrechenbare Stunden mehr gefordert als im Marktdurchschnitt. Im Konfliktlösungsbereich sind es 100 Stunden jährlich, bei der Compliance-Beratung sogar 150 Stunden mehr. Vergleichsweise komfortabel wirkt dagegen das Jahrespensum im IT- oder Vergaberecht, das die Umfrageteilnehmer mit rund 200 Stunden weniger beziffern als der Marktdurchschnitt.

 

Billable Hours

 

Eine ähnliche Verteilung hatte sich bereits im Vorjahr gezeigt: Auch 2016 lagen die Honorarstundenvorgaben in Bereichen wie Transaktionsberatung, Konfliktlösung oder Bank- und Finanzrecht deutlich über dem marktüblichen Mittel. In IP/IT und im öffentlichen Wirtschaftsrecht, aber auch im Boom-Sektor Immobilien waren hingegen niedrigere Billable-Zahlen üblich. Das tatsächliche Stundenpensum, das die Associates am Schreibtisch verbringen, lässt sich an diesen Vorgaben allerdings nur zum Teil ablesen.

Kanzleien bemessen Billables unterschiedlich

Die azur-Umfrage mit insgesamt 3.007 Teilnehmern fand zwischen Mai und Juli 2017 statt. Die offiziellen Billable-Hours-Vorgaben der Kanzleien selbst sind in einer eigenen Übersicht zusammengestellt (mehr dazu bei azur-online.de). Da nur ein Teil der Arbeitgeber hierzu Angaben macht, hat diese Übersicht allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Unterschiedlich ist zudem die Bemessung: Während einige Kanzleien darunter nur tatsächlich abgerechnete Beratungsstunden erfassen, rechnen andere auch Pro-Bono-Arbeit oder administrative Aufgaben mit ein. (Norbert Parzinger)

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