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03.05.2018

Der Wille ist da, aber: Rechtsabteilungen tun sich mit Legal Tech weiter schwer

Jede dritte Rechtsabteilung setzt im Arbeitsalltag bereits künstliche Intelligenz ein oder ist dabei, ein entsprechendes Legal-Tech-Tool auszuprobieren. Jede fünfte Rechtsabteilungen hat sich hingegen bislang kaum oder noch gar nicht mit diesem Thema befasst. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des amerikanischen Beratungsunternehmens HBR Consulting, der Antworten von 35 Rechtsabteilungen zugrunde liegen. Die meisten dieser Rechtsabteilungen gehören zu Unternehmen aus der Gruppe der 500 umsatzstärksten Firmen der Welt (Fortune Global 500).

Für die deutschen Rechtsabteilungen ergibt sich ein ähnliches Bild: Wie die jüngste JUVE-Inhouse-Umfrage ergab, setzen von ihnen bereits 43 Prozent Legal Tech-Tools von Drittanbietern ein. Allerdings müssen dies nicht unbedingt Softwarelösungen sein, denen künstliche Intelligenz zugrunde liegt.

Die Bedeutung von künstlicher Intelligenz hat in den vergangenen zwei Jahren erheblich zugenommen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Der Kostendruck, der auf die Rechtsabteilungen wirkt, hält an. Den General Counsel bleibt keine andere Wahl, als ihre Teams effizienter zu gestalten. Eine Folge davon ist laut HBR Consulting in vielen Fällen die Einführung einer Legal-Operations-Funktion, die über Ressourceneffizienz, die Mandatierung von externen Kanzleien sowie die entsprechenden Ausgaben wacht und die Perfomance von Anwälten sowie technischen Initiativen misst. Das Angebot von Legal-Tech-Lösungen spielt den Kostenkontrolleuren in die Hände: Sie versprechen Effizienzgewinn und machen die Mandatierung von Kanzleien in einigen Fällen überflüssig.

Die HBR-Umfrage ergab, dass Rechtsabteilungen künstliche Intelligenz überwiegend in 17 verschiedenen Bereichen einsetzen wollen, dazu gehören das Management von Fällen, Dokumenten und Verträgen. Genau diese Arbeitsprozesse wurden laut JUVE-Inhouse-Umfrage auch in den deutschen Rechtsabteilungen bislang am häufigsten digitalisiert: 69 Prozent der Befragten nutzen bereits bei der Aktenverwaltung technische Lösungen, beim Vertragsmanagement sind es 66 Prozent. Allerdings kommen diese Lösungen vermutlich auch ohne künstliche Intelligenz aus. Ihr Einsatz ist im Due-Diligence-Prozess und bei der Mandatierung von Kanzleien wahrscheinlicher. Diese Prozesse haben allerdings erst 17 beziehungsweise 12 Prozent der deutschen Rechtsabteilungen digitalisiert.

Der Einsatz von Legal Tech-Lösungen ist laut HBR Consulting auch davon abhängig, was auf dem Markt überhaupt angeboten wird – und davon, inwieweit die Rechtsabteilungen in der Lage sind, die für sie passenden Tools auszusuchen und zu implementieren. Die Herausforderung besteht darin, dass die Arbeitsprozesse und das IT-Umfeld jeder Rechtsabteilung unterschiedlich sind, so dass Softwarelösungen externer Anbieter häufig nur in begrenztem Maße einsetzbar sind. Dazu passt, dass 25 Prozent der befragten Teams der JUVE-Inhouse-Umfrage angaben, eigene Softwarelösungen zu entwickeln.

Sowohl für den Einkauf als auch die Entwicklung von Softwarelösungen ist es essentiell, dass Rechtsabteilungen definieren, was sie mit dem Einsatz von Legal Tech erreichen wollen. Allerdings ergab die HBR-Umfrage, dass genau dies 44 Prozent der befragten Rechtsabteilungen völlig unklar ist. Sie kennen ihre Bedürfnisse nicht, was sie daran hemmt, in künstliche Intelligenz zu investieren.

Für Rechtsabteilungen, die ihre Ziele hingegen definiert haben, ist laut Studie der häufigste Grund für den Einsatz von künstlicher Intelligenz: produktiver zu werden ohne das Team zu vergrößern zu müssen. An zweiter Stelle stehen die Verbesserung der Arbeitsprozesse innerhalb der Abteilung und ein besserer Service für den internen Mandanten. (Christin Stender)

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