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16.08.2018

Insolvenzen: Druckerei-Gruppe will sich mit Grub, Menold und Schleich sanieren

Martin Mucha von Grub Brugger wurde vom Amtsgericht in Stuttgart als Sachwalter für die Heer-Mediengruppe bestimmt. Er soll das Unternehmen vorläufig in Eigenverwaltung sanieren. Von der Insolvenz, die nach den neuen Regelungen des Konzerninsolvenzrechts geführt wird, sind rund 550 Mitarbeiter betroffen.

Martin Mucha

Martin Mucha

Zu der Unternehmensgruppe gehören unter der Heer Medienholding hauptsächlich die vier Druckereien Körner Druck (Sindelfingen), WPM Druck (Nürnberg), Walter Digital (Korntal-Münchingen) und Kraft Premium (Ettlingen). Mit konsolidiert 120 Millionen Euro Umsatz gehört die Gruppe zu den großen Herstellern von Katalogen, Broschüren und Werbebeilagen in Deutschland.

Heer hatte erst 2016 Walter Digital und Kraft übernommen, letztere aus einem Insolvenzverfahren. Damals war Holger Blümle von Schultze & Braun Verwalter in Ettlingen. Auslöser für das aktuelle Verfahren war unter anderem ein erheblicher, ungeplanter Umsatzrückgang in den Monaten Mai bis Juli 2018. Hinzu kamen die in der Branche kritischen Preisanstiege bei Energie und vor allem Papier. Die Gesellschafter waren nicht bereit, den entstandenen Kapitalbedarf zu decken, signalisierten aber die Möglichkeit, sich auf der Basis eines guten Sanierungskonzeptes weiter zu engagieren.

Jochen Sedlitz

Jochen Sedlitz

Das zuständige Amtsgericht in Stuttgart hat nach den neuen Regelungen des Konzerninsolvenzrechts ein Gruppenverfahren als vorläufiges Eigenverwaltungsverfahren angeordnet. Erst im April trat das Gesetz zur Erleichterung der Bewältigung von Konzerninsolvenzen in Kraft. Eine wichtige Rechtsneuerung ist die Einführung eines Gruppen-Gerichtsstands. Für alle Gesellschaften, die zur Heer Medien Gruppe gehören, konnte deshalb ein einziges Gericht als das zuständige ausgewählt werden. Wo die Verfahren gebündelt werden, hängt von mehreren Faktoren ab, deren wichtigstes die Zahl der Arbeitsplätze vor Ort ist. In diesem Fall war wohl der Gerichtsstandort von Körner Druck in Sindelfingen maßgeblich. So kommt es, dass auch das Verfahren um die Nürnberger Gesellschaft nun in Baden-Württemberg läuft.

Jochen Sedlitz von Menold Bezler in Stuttgart und Dr. Thorsten Schleich von Schleich & Kollegen aus Villingen-Schwenningen leiten mit ihren Teams gemeinsam die Sanierung der Unternehmensgruppe. Bei Menold Bezler gehören die Insolvenzrechtler Dr. Jasmin Urlaub sowie die beiden Associates Dr. Sebastian Mielke und Pascal Mangold zum Team. Für sie wie auch das Amtsgericht waren die neuen Regelungen ein besonderer Aspekt bei der Antragstellung.

Thorsten Schleich

Thorsten Schleich

Die Unternehmensgruppe hatte bereits im Januar Handlungsbedarf gesehen und unter anderem einen Liquiditätsplan aufgestellt. Schon im Vorfeld des Insolvenzantrages wurde auch die Insolvenzrechtsboutique Schleich & Kollegen konsultiert, von der nun neben dem Namenspartner auch die Insolvenzrechtler Florian Götz und Dr. Ingo Reinke die Sanierung begleiten. Sie teilen sich nun mit ihren Kollegen von Menold Bezler die anfallenden Aufgaben.

Martin Mucha, Partner bei Grub Brugger, führt nun die vorläufige Sachwaltung für alle betroffenen Gesellschaften durch. Die Gläubigerversammlungen hatten sich jeweils für ihn ausgesprochen. Mucha war unter anderem Sachwalter bei der kürzlich mehrheitlich verkauften Mayer-Kuvert, wo auch Sedlitz die Restrukturierung begleitet hatte. (Ludger Steckelbach)

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