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25.09.2018

Disputes-Chef verlässt Allen & Overy: Daniel Busse gründet eigene Kanzlei

Allen & Overy verliert einen wichtigen Teil ihrer deutschen Konfliktlösungspraxis. Zum März gründet Praxisleiter Dr. Daniel Busse (48) eine eigene Kanzlei. Die neue Einheit soll etwa zehn Berufsträger umfassen und ihren Sitz in Frankfurt haben.

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Daniel Busse

Weder Allen & Overy noch Daniel Busse wollten auf Anfrage kommentieren, ob weitere Anwälte mit Busse in dessen neue Kanzlei wechseln. Auch zu den Hintergründen der Abspaltung machen beide Seiten keine Angaben. Bekannt ist, dass es in allen Großkanzleien immer wieder Mandatskonflikte vor allem zwischen Disputes- und Corporate-Praxis gibt. Dass Prozessexperten Boutiquen gründen, um sich von den Zwängen der großen Einheiten zu befreien, ist daher nicht ungewöhnlich: Die Schiedsboutiquen Hanefeld und Borris Henneke Kneisel etwa sind Freshfields-Spin-offs.

Dass aber der Leiter einer der größten Disputes-Praxen im Markt sich selbstständig macht – das ist in Deutschland in dieser Form bisher nicht vorgekommen. Busses Schritt dürfte daher im Markt für reichlich Spekulationen sorgen. Denn Allen & Overy hat als Kanzlei seit längerem mit prominenten Abgängen zu kämpfen: Ende 2016 verlor sie den Leiter ihrer Kapitalmarktpraxis, Dr. Oliver Seiler, an Latham & Watkins. Im Jahr darauf wechselte Architekt des jahrelangen Allen & Overy-Aufbaukurses, Neil Weiand, zu Linklaters.

Begleitet werden diese Personalien von hitzigen internen Debatten über die Strategie der Kanzlei in Deutschland und das Vergütungssystem. Bekannt ist auch, dass das Londoner Management inzwischen stärker als früher wert legt auf ein persönlich integeres Verhalten der Partner. Dass die internen Konflikte die Stimmung nicht heben, ist über die Grenzen der Kanzlei hinaus im Markt bekannt – zumal immer wieder Gerüchte über eine bevorstehende US-Fusion, etwa mit O’Melveny & Myers, für Unruhe in der Partnerschaft sorgen.

Hohe Leverage, spezialisiertes Team

Busse gehört zu den renommiertesten deutschen Schiedsrechtlern. Er kam 2010 von Lovells zu Allen & Overy und hat seitdem eine der größten Konfliktlösungspraxen im Markt aufgebaut. Ihm folgten 2013 die Prozessspezialisten Dr. Wolf Bussian und Dr. Marc Zimmerling, Anfang 2016 stieß die Post-M&A-Spezialistin Dr. Alice Broichmann von P+P Pöllath + Partners in München zu Allen & Overy.

Zunächst war Busse noch an prominenten Prozessen vor staatlichen Gerichten beteiligt, etwa für die österreichische Heta im Millardenstreit mit der BayernLB. Doch in den vergangenen Jahren hat er sich allein auf Schiedsverfahren konzentriert. Damit steht er für einen Ansatz, der Allen & Overys Konfliktlösungspraxis von den meisten Wettbewerbern unterscheidet: Busses etwa zehnköpfiges Team ist fast ausschließlich auf Schiedsverfahren fokussiert. Bei Wettbewerbern wie Clifford Chance, Linklaters oder auch Hengeler Mueller sind die meisten Disputes-Anwälte nicht eindeutig festgelegt: Sie führen sowohl Verfahren vor staatlichen wie auch vor Schiedsgerichten.

Eine Folge des Allen & Overy-Ansatzes ist, dass es eine stärkere Binnenspezialisierung in der Schiedspraxis gibt: So stehen die Counsel Silke Justen, die schon bei Lovells eng mit Busse zusammenarbeitete, und Mia Ramb für Schiedsverfahren im Energiesektor. Auch für Investitionsschutz-, Post-M&A- oder Versicherungsstreitigkeiten gibt es eigene Spezialisten in Busses Team, das mit vergleichsweise hoher Leverage operiert. (Christine Albert, Ulrike Barth, Simone Bocksrocker, Marc Chmielewski, Aled Griffiths, Jörn Poppelbaum)

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