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17.10.2018

Dieselkrise: Autohaus geht mit Görg und Schultze & Braun in Insolvenz

Die Dieselkrise wird zur Belastungsprobe für die Händler. Ihnen machen laufende Leasing-Verträge zu schaffen, die mit dem Wertverlust von Euro-5-Dieselfahrzeugen unrentabel werden. Als ersten hat es nun das Hamburger Autohaus Willy Tiedtke getroffen. Zum Sachwalter ist Nils Krause von Schultze & Braun bestellt worden, bei Tiedke übernimmt ein Team von Görg.

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Thorsten Bieg

Das Hamburger Autohaus Willy Tiedtke hat Insolvenzantrag gestellt. Trotz intensiver Bemühungen konnte die weitere Finanzierung nicht mehr gesichert werden, teilte das Unternehmen mit. Tiedtke beschäftigt rund 300 Mitarbeiter an sechs Standorten in Hamburg. Das Autohaus ist die Nummer 3 unter den VW-Händlern vor Ort. Das Amtsgericht Hamburg bestellte den Hamburger Schultze & Braun-Anwalt Nils Krause als Sachwalter. Krause berät seine Mandanten als Direktor, was dem Status eines Salary-Partners entspricht. In der jüngeren Vergangenheit war Krause an einigen deutlich kleineren Insolvenzen sowohl als Sach- als auch als Insolvenzverwalter tätig.

Bei Tiedtke selbst übernehmen die Sanierungsexperten Dr. Thorsten Bieg und Dr. Gerrit Hölzle von der Kanzlei Görg die Geschäftsführung. Insgesamt agiert Görg mit einem siebenköpfigen Team, zudem neben dem Hamburger Partner und erfahrenen Insolvenzverwalter Marc Odebrecht, den Hamburger Restrukturierungs-Associates Dr. Karl-Friedrich Curtze und Dr. Mathias Gellert auch der Arbeitsrechtler Burkhardt Fabritius und die Associate Karin Böckmann gehört. Ziel dürfte sein, die angeschlagenen Händlerhäuser an einen Investor zu verkaufen.

Insbesondere Bieg und Hölzle kennen sich mit Händlerinsolvenzen aus. Bereits seit Jahresbeginn beraten sie das Insolvenzverfahren der Max Moritz-Autohäuser aus der Weller-Gruppe, ebenfalls VW-Autohäuser. In diesem Fall sind 650 Mitarbeiter betroffen. Als Sachwalter hat das Amtsgericht Bremen hier Silvio Höfer von Anchor bestellt. Anders als bei Max Moritz gehen die Probleme des Hamburger Händlers laut Presseberichten zumindest teilweise auf Verluste beim Verkauf von Leasing-Autos zurück.

Die betriebswirtschaftliche Begleitung im Eigenverwaltungsverfahren stellt die unter anderem auf insolvenznahe Krisenberatung spezialisierte Unternehmensberatung Comes mit einem Team um die Partner Christoph Kraemer und Konrad Martin. Comes war auch bereits im Eigenverwaltungsverfahren Max Moritz aktiv.

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Nils Krause

Wegen drohender Fahrverbote und dem schlechten Image der Diesel-Pkw nach dem VW-Abgasskandel müssen Händler derzeit hohe Abschläge beim Verkauf hinnehmen. Das schlägt bei den ohnehin eng kalkulierten Leasing-Rückläufern besonders zu Buche. Autohäuser kaufen die Wagen nach Vertragsende zu festgelegten Preisen zurück. Am Gebrauchtmarkt werden Diesel aber momentan mit einem deutlichen Wertverlust gehandelt. Auf der Differenz bleiben die Händler sitzen. Derzeit haben die Autohändler nach Verbandsangaben über 350 000 Euro-5-Dieselfahrzeuge auf ihren Höfen stehen – Tendenz steigend. (Ulrike Barth, mit Material von dpa)

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