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04.10.2018

Schiffsfonds in der Krise: Schultze & Braun und Görg teilen sich die MCE-Insolvenz

8.000 Anleger mit investierten 230 Millionen Euro sind von der Insolvenz der MCE Unternehmensgruppe betroffen, die jetzt unter dem Namen Alphabet firmiert. Das Insolvenzgericht Bremen bestellte Ende September für die Dachgesellschaften Verwalter aus zwei Kanzleien: Tim Beyer von Schultze & Braun für die Muttergesellschaft Alphabet Kapital und Dr. Gerrit Hölzle von Görg für Alphabet Treuhand. Letztere hatte das Kapital für die sogenannten Zweitmarkt-Schiffsfonds eingeworben.

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Tim Beyer

Häufig setzen Insolvenzrichter zur Bewältigung von Gruppeninsolvenzen auf nur eine Kanzlei beziehungsweise nur einen Verwalter. Allerdings ist je nach wirtschaftlicher und juristischer Konstellation die Aufteilung sinnvoll. Im Fall von Alphabet sprechen Beyer und Hölzle von einer „komplexen Unternehmens- und Anlegerstruktur“. Die Aufteilung zwischen ihnen helfe dabei, Interessenkollisionen zwischen den Konzerngesellschaften „adäquat zu lösen“. Die vormalige MCE hat seit ihrer Gründung 2007 neun Fonds aufgelegt. Neben der schwachen Konjunktur im Schiffsmarkt war die Gruppe auch von zahlreichen Prospekthaftungsklagen betroffen.

Beide Verwalter sind erfahren darin, Insolvenzen in einer Konstellation mit Anwälten anderer Kanzleien zu bewältigen. Beyer etwa sanierte 2016 zusammen mit Dr. Malte Köster von Willmer Köster die Modeeinzelhandelsgruppe Zero. Sie konnte an eine internationale Investorengruppe verkauft werden. Görg-Partner Hölzle war an der vom Amtsgericht Bremerhaven aufgeteilten Weserwind-Insolvenz beteiligt. Hier kamen er und der andere bestellte Verwalter, Dr. Hendrik Heerma von FRH Fink Rinckens Heerma, jeweils zu 100-prozentigen Rückzahlungen an die Gläubiger.

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Gerrit Hölzle

Zuständig für die Alphabet-Gesellschaften ist nach der kurz zuvor im Handelsregister eingetragenen Sitzverlegung von Hamburg nach Bremen das Amtsgericht Bremen. Über den Hintergrund der Verlagerung ist nichts bekannt. Bei kriselnden Einschiffgesellschaften hat es in den vergangenen Jahren häufig Sitzverlagerungen gegeben, um die Bündelung bevorstehender Insolvenzverfahren bei bestimmten Verwaltern zu erleichtern.

Marktbeobachter spekulieren, ob das jetzige Ausweichen nach Bremen mit der Rückkehr des Richters Frank Frind in die insolvenzrechtliche Abteilung des Hamburger Amtsgerichts zusammenhängt. Das Oberverwaltungsgericht Hamburg hatte dem Amtsgerichtspräsidium eine „verdeckte Disziplinarmaßnahme“ gegen Frind angekreidet, nachdem dieser Ende 2017 nur noch mit Zivilsachen betraut worden war. Die Hamburger Insolvenzverwalterszene, die in der Beurteilung von Frinds Amtsführung gespalten ist, kann nach der nun aktualisierten Geschäftsverteilung des Amtsgerichts mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:14 wieder auf Frind als Insolvenzrichter treffen.

Schultze & Braun hat in Bremen einen recht soliden Generationswechel hingelegt. Waren es vor Jahren noch Edgar Grönda und Detlef Stürmann, die in den großen Verfahren wie zum Beispiel dem der Beluga-Reederei die Führung übernahmen, sind es mittlerweile Tim Beyer und Ralph Bünning. (Markus Lembeck)

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