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13.11.2018

Wieder handlungsfähig: Stiftungsaufsicht von Kettler bestellt Noerr-Partner zum Sachwalter

Für den von der Schließung bedrohten sauerländischen Kettcar-Hersteller Kettler gibt es neue Hoffnung: In letzter Minute erhielt das Unternehmen eine Zwischenfinanzierung von der Heinz-Kettler-Stiftung.  Ausschlaggebend dafür war die Initiative der Stiftungsaufsicht, einen Sachwalter zu bestellen, um das Kuratorium zu entlassen. Damit kann Kettler nun die Suche nach potenziellen Investoren fortsetzen.

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Christoph Schotte

Der Durchbruch konnte erzielt werden, nachdem die Stiftungsaufsicht den Noerr-Partner Dr. Christoph Schotte zum Sachwalter der Kettler-Stiftung bestellte. In dieser Funktion übernahm Schotte das Kuratorium der Stiftung und entließ auf Antrag der Stiftungsaufsicht das Kuratorium um Manfred Sauer und weitere Weggefährten des Unternehmensgründers Heinz Kettler. Seit dem Unfalltod der Kettler-Erbin Dr. Karin Kettler verwaltete das Stiftungskuratorium das Familienerbe.

JUVE-Informationen zufolge ist die Münchner Kanzlei SWA Christl & Kollegen, die das Kuratorium zuletzt beriet, nicht mehr tätig. Der zuständige Partner Dr. Sebastian Spiegelberger war in den 1960er Jahren selbst für Noerr tätig. Darüber hinaus soll Schotte den Stiftungsvorstand entlassen haben, der nach dem Rücktritt von Andreas Sand am Donnerstagabend nur noch aus Werner Scheiwe bestand. Den Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Sand, der aus dem Beraterteam von Noerr Consulting kommt, setzte Schotte wieder als Vorstand ein.

Alle außer Sand hatten einer Einigung sowohl mit potenziellen Investoren als auch mit Blick auf den notwendigen Zwischenkredit im Weg gestanden. Mit der Bereitstellung der Zwischenfinanzierung dürfte nun ein geordneter M&A-Prozess in Gang gebracht werden können.

Drei Jahre nach der ersten Insolvenz könnten sich nun die Probleme des Traditionsunternehmens lösen. Die Situation hatte sich zuletzt verschärft, nachdem der Freizeitartikelherstellers im Juli erneut den Gang zum Insolvenzgericht antreten musste. Das Gericht im sauerländischen Arnsberg winkte die beantragte Eigenverwaltung durch und bestellte Horst Piepenburg von Piepenburg Gerling zum Sachwalter. Ziel war eine Neuausrichtung mithilfe eines Investors mit Sitz in Luxemburg: Altera Capital.

Weil die Stiftung nicht bereit war, die Forderungen des Investors zu erfüllen, schmiss dieser das Handtuch. Gut informierten Kreisen zufolge gehörte zu seinen Forderungen unter anderem auch die Übertragung der Markenrechte für die USA und Großbritannien sowie der örtlichen Kreissparkasse einen Kredit im Gegenwert von 17 Millionen Euro abzukaufen. Das Stiftungskuratorium wollte den Forderungen nicht nachkommen, wonach sich die Situation weiter zuspitzte.

Anfang der vergangenen Woche hatte das Unternehmen gewarnt, es müsse kurzfristig den Geschäftsbetrieb einstellen, wenn es keine Zwischenfinanzierung erhalte. Die rund 720 Mitarbeiter würden dann entlassen. Die Kettler GmbH wird seit 2015 von einem Team um die Aderhold-Partner Thorsten Prigge und Sven Degenhardt beraten. Die Kettler GmbH ist seither eine Tochtergesellschaft der Treuhandgesellschaft des Unternehmens, die die Kanzlei führt. Sie wurde auch installiert, um vom Land eine Bürgschaft für einen Kredit zu erhalten.

Mittlerweile wurde Achim Thiele von der Dortmunder Kanzlei Husemann Eickhoff Salmen & Partner als Generalbevollmächtigter der Kettler GmbH eingesetzt. (Martin Ströder)

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