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10.12.2018

Compliance-Aufsicht: Monitorship bei Bilfinger beendet

„Wir sind heute ein anderes Unternehmen als früher“, sagt Bilfingers General Counsel und Chief Compliance Officer Olaf Schneider im JUVE-Interview. Nach rund vier Jahren steht Bilfinger nicht mehr unter der Aufsicht eines Compliance-Monitors. Der Schweizer Anwalt Mark Livschitz war 2014 vom US-Justizministerium zum Monitor berufen worden. Er bestätigte gestern gegenüber den US-Behörden, dass der Konzern nun über ein effektives Compliance-System zur Abwehr von Korruptionsverstößen verfüge. Das Monitorship ist damit beendet, die Strafverfolgung in den USA eingestellt.

Olaf Schneider

Olaf Schneider

Dass Bilfinger heute ein anderes Unternehmen sei, beziehe „sich nicht nur auf unser Geschäftsmodell, sondern auch auf unsere Kultur“, erklärte Schneider gegenüber JUVE. Das Verhalten der Führungskräfte habe sich im Vergleich zu der Zeit vor dem Monitorship im positiven Sinne verändert: „Die Führungskräfte von heute leben Compliance und Integrität, und zwar mit Herz und Verstand. Dadurch ist die neue Kultur auch bei allen Mitarbeitern von Bilfinger weltweit angekommen.“

Dieser Kulturwandel, davon zeigt sich Schneider überzeugt, wurde nur dadurch möglich, dass die oberste Führungsebene weitgehend erneuert wurde. Schneider selbst kam 2015 als General Counsel zu Bilfinger, ein Jahr später übernahm er auch den Posten des Chief Compliance Officers.

Insgesamt hat Bilfinger rund 100 Millionen Euro in den Aufbau seines Compliance-Systems investiert. In 67.000 Trainingseinheiten wurden die Mitarbeiter weltweit geschult. Zudem wurden circa 50 Millionen Euro in ein neues System für die Ressourcenplanung und in ein neues IT-System investiert. Dieses hilft, die Compliance-Prozesse zu unterstützen. Auch die Rechts- und Compliance-Abteilung ist stark gewachsen auf 110 Vollzeitstellen.

Bilfinger stand seit 2014 unter der Aufsicht des amerikanischen Departement of Justice (DOJ). Grund dafür war ein Korruptionsfall, in den die inzwischen verkaufte Bilfinger-Tochter Julius Berger bei einem Pipelineprojekt in Nigeria verwickelt war. Der Fall wurde 2010 aufgedeckt. Bilfinger zahlte damals 32 Millionen US-Dollar Strafe und stimmte der Überwachung seines Compliance-Systems durch einen Monitor zu. Das Monitorship wurde 2016 für zwei weitere Jahre bis Ende 2018 verlängert. (Christin Stender)

Ein Interview mit Olaf Schneider über das Ende des Monitorships und darüber, wie es nun ohne Monitor weitergeht, lesen Sie im kommenden JUVE Rechtsmarkt 1/2019, der am 20. Dezember erscheint.

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