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18.12.2018

Schwere Last: Reederei Hansa Heavy Lift mit Brinkmann und Luther in der Insolvenz

Die Schwergutreederei Hansa Heavy Lift in Hamburg hat einen Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht bestellte Dr. Christoph Morgen von Brinkmann & Partner zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Wegen der grenzüberschreitenden Aktivitäten des Unternehmens ist der Fall ausdrücklich als Hauptinsolvenzverfahren nach der Europäischen Insolvenzverordnung (EuInsVO) deklariert worden.

Christoph Morgen

Christoph Morgen

Zur Sanierung von Hansa Heavy Lift existierte bereits ein Restrukturierungsplan. Als dessen Umsetzung Anfang Dezember scheiterte, wurde der Insolvenzantrag ausgelöst. Presseberichten zufolge wollte der Investor Oaktree keine weiteren Finanzmittel mehr zur Verfügung stellen. Ein Schiff soll unter Arrest gestanden haben, weil Rechnungen für Treibstoff nicht bezahlt worden seien. Das Unternehmen zählt rund 80 Mitarbeiter.

Ein Team von Luther unter der Führung des Hamburger Restrukturierungspartners Dr. Marcus Backes beriet Hansa Heavy Lift bei der Antragstellung und wird das Unternehmen auch weiter juristisch begleiten. Operativ ist jetzt Insolvenzverwalter Morgen am Drücker. Seine Kanzlei hat jahrzehntelange Erfahrung mit Insolvenzen im maritimen Sektor, sowohl als Verwalter als auch in Beratungsmandaten. Morgen war 2017 als Chief Insolvency Officer in den Vorstand der Großreederei Rickmers berufen worden, um deren Sanierung zu begleiten.

Marcus Backes

Marcus Backes

Auch Luther mit Krisenerfahrung

Luther-Berater Backes ist in der Schifffahrtskrise ebenfalls ein gefragter Berater. Er erstellte zum Beispiel Insolvenzpläne für drei Schiffe der Größenklasse Cape-Size-Bulk-Carriers mit einem ursprünglichen Finanzierungsvolumen von über 225 Millionen Dollar (184 Millionen Euro) und Verbindlichkeiten von über 210 Millionen Dollar (197 Millionen Euro). Zudem bereitete er mehrere Ein-Schiffs-Gesellschaften auf Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung vor. Backes hat selbst als Insolvenzverwalter und Treuhänder gearbeitet, bevor er sich auf Restrukturierungsmandate spezialisierte.

Nachwehen der Beluga-Insolvenz

Hansa Heavy Lift, nach eigenen Angaben mit 11 Schiffen eine der weltweit führenden Spezialreedereien für Schwergut, hat ihre Ursprünge im Beluga-Konzern. Die Schwergutbranche steckt wie andere maritime Wirtschaftssektoren auch in einer nachhaltigen Krise und in einem Konzentrationsprozess. Die Bremer Reederei Harren & Partner übernahm im Sommer 2017 SAL Heavy Lift von der japanischen K-Line. Damals soll auch Hansa als Bieter aufgetreten sein.

Die ehemalige Beluga-Reederei ist viele Jahre nach ihrer Insolvenz weiterhin ein Thema für die Gerichte, nachdem die strafrechtliche Aufarbeitung weitgehend erledigt ist. Der Beluga-Gründer ist allerdings vor dem Bundesgerichtshof in Revision gegangen. Aktuell geht es weiter mit zivilrechtlichen Ansprüchen. Vor wenigen Tagen begann vor der 6. Zivilkammer des Bremer Landgerichts ein Prozess gegen ehemalige Geschäftsführer von Beluga Shipping, Beluga Chartering und Beluga Marine Services. Insolvenzverwalter Edgar Grönda von Schultze & Braun klagt auf Zahlung von insgesamt rund 24 Millionen Euro. (Markus Lembeck)

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