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30.01.2019

Legal Operations: Eine Idee auf dem Vormarsch

Seit Jahren kämpfen deutsche Rechtsabteilungen mit Kostendruck und steigenden Anforderungen. Ein ganzheitliches Management, unterstützt von organisationserfahrenen Legal-Operations-Experten, könnte langfristig Abhilfe schaffen. Gut die Hälfte der Chefjuristen von Inhouseabteilungen mit mehr als 50 Inhouseanwälten hat dies bereits erkannt. In der Breite aber ist der Leidensdruck offensichtlich noch nicht hoch genug.

Während sich in Las Vegas alljährlich schon Tausende amerikanische Legal-Operations-Experten zur Konferenz treffen, bedienen sich in Deutschland erst rund 13 Prozent der Rechtsabteilungen des Wissens eines Legal-Operations-Managers oder -Teams – und das vor allem in den großen Rechtsabteilungen, wie die jüngste JUVE-Inhouse-Umfrage ergab. Die absolute Zahl entsprechender Profis dürfte nach wie vor zweistellig sein. Dabei kann sich die Professionalisierung des Rechtsabteilungsmanagements schon bei mittelgroßen Rechtsteams auszahlen – sowohl in Qualität als auch in Euro.

Organisationsexperten

Organisationsexperten

Der geringen Anzahl der bisherigen Experten zum Trotz: Die Legal-Operations-Idee ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Wenn es in einer Rechtsabteilung bereits ein entsprechendes Team gibt, liegt dessen Schwerpunkt zumeist allerdings noch nicht auf einem ganzheitlichen Management, sondern konzentriert sich vor allem auf das Austesten und Einführen von Legal-Tech-Anwendungen und die Optimierung der Abläufe.

Das spiegelt sich auch in der Besetzung deutscher Legal-Operations-Teams wider: Mehrheitlich engagieren sich darin Juristen mit einem Faible für Organisation und Management, etwa ein Drittel der Teams umfasst zudem IT-Experten und knapp ein Drittel auch Projektmanager. Finanz- und Einkaufsexperten, die sich ausschließlich den Rechtskosten widmen, sind hingegen selten.

Damit gäbe es genug Arbeit für alle: Jeweils etwa ein Fünftel der Teilnehmer der JUVE-Inhouse-Umfrage gibt an, bei den Themen Standardisierung und Effizienz, Kostenanalyse, Projektmanagement oder IT-Ausstattung schlecht, ja sogar miserabel aufgestellt zu sein. Und noch ein anderes Ergebnis lässt aufhorchen: Während Führungskräfte von Rechtsabteilungen mit mehr als 50 Juristen ihr Team durchweg „gut“ organisiert finden, sind es bei Teams zwischen 20 und 50 Juristen nur noch gut zwei Drittel, die ähnlich angetan sind, in kleineren Abteilungen sinkt der Anteil weiter.

Die größten Baustellen

Die größten Baustellen

Die Gründe für die Defizite liegen auf der Hand: Fast die Hälfte der Befragten wurde nie systematisch auf das Management einer Rechtsabteilung vorbereitet, und mehr als die Hälfte der Chefjuristen erübrigen maximal einen halben Tag pro Woche für derartige Aufgaben. In Zeiten zunehmender Rechtsrisiken und eines sich rasant wandelnden regulatorischen und technischen Umfelds kann das auf Dauer nicht ausreichen. Dabei muss es nicht immer gleich der ganz große Wurf sein, wie sich etwa bei EnBW zeigt: Peu à peu verbessert das Rechtsteam des Energiekonzerns seine Organisation und analysiert systematisch die Chancen der vielfältiger werdenden Legal-Tech-Landschaft. (Astrid Jatzkowski)

Mehr zum Thema Rechtsabteilungsmanagement, Sinn und Zweck von Legal Operations sowie den Ideen von EnBW und anderen Unternehmen lesen Sie im aktuellen ,Unternehmen Spezial‚, des JUVE Rechtsmarkts.

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