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20.02.2019

Prozessfinanzierer: Ehemaliger Clifford-Counsel wird Deutschlandchef von Nivalion

Erneut verstärkt ein internationaler Prozessfinanzierer seine Marktpräsenz in Deutschland. Nivalion aus der Schweiz holt zum März den Düsseldorfer Prozessexperten Dr. Stefan Kirsten an Bord. Der 42-Jährige ist zuständig für Deutschland und Skandinavien. Nivalion hat die Position des Head of Germany & Nordics neu geschaffen, um in diesen Märkten stärker Fuß zu fassen. Kirsten war Counsel bei Clifford Chance, bevor er sich 2017 selbständig machte.

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Stefan Kirsten

Die Ausrichtung seiner Boutique passt gut zu den Plänen von Nivalion. Kirsten hat neben seiner Arbeit als Prozessvertreter ein zweites Standbein etabliert: Er half Unternehmen wie Versicherern oder auch Finanzierern, Prozesse einzuschätzen. Kirsten bewertete als externer Berater Risiken und Erfolgsaussichten, ohne einen etwaigen Prozess dann selbst zu führen.

Das soll er auch bei Nivalion tun. Der Finanzierer ist seit 2017 am Markt, Hauptsitz ist Zug in der Schweiz, zudem gibt es ein Büro in München. Nivalion ist spezialisiert auf Fälle ab einem Streitwert von 7,5 Millionen Franken (etwa 6,5 Millionen Euro). Im Fokus stehen Schiedsverfahren und Prozesse, etwa Streitigkeiten zu Kartellschadensersatz, Insolvenzen und D&O-Fälle. Nivalion finanziert Prozesse direkt und in Kooperation mit anderen. So können die Schweizer auch kleineren Finanzierern einen Teil des Risikos abnehmen, vergleichbar mit einem Rückversicherer.

350 Millionen Euro bereit für Streit

Hinter dem Unternehmen stehen Thomas Kohlmeier und Marcel Wegmüller als Managing-Partner. Kohlmeier war bis 2016 Vorstandsmitglied des Prozessfinanzierers Legial, der zum Versicherer Ergo und damit zum Rückversicherer Munich Re gehört. Wegmüller hatte inhouse bei der Credit Suisse Karriere gemacht, bevor er 2012 zu dem Schweizer Prozessfinanzierer Jura Plus wechselte.

Nivalion bezeichnet sich als „einen der finanzstärksten kontinentaleuropäischen Prozessfinanzierer“, veröffentlicht aber anders als der börsennotierte Branchenprimus Burford keine konkreten Zahlen. Laut Kohlmeier beträgt das Investitionsvolumen 350 Millionen Euro. Zum Vergleich: Burford gab Mitte 2018 die Summe des investierten und verfügbaren Vermögens mit 3,3 Milliarden Dollar (2,9 Milliarden Euro) an.

Deutschland im Fokus der internationalen Finanzierer

Der vergleichsweise wenig entwickelte deutsche Markt für Prozessfinanzierung gerät seit etwa drei Jahren immer stärker in Bewegung. Hintergrund ist, dass in Zeiten niedriger Zinsen Investoren Prozesse und Prozessportfolios zunehmend als renditeträchtige Assets entdecken. Deutschland ist wie Skandinavien aufgrund seiner zuverlässigen Justiz ein interessanter Standort für großvolumige Wirtschaftsprozesse. Marktführer Burford operiert von London aus, hat aber im vergangenen Jahr deutsche Juristen eingestellt. Der britische Prozessfinanzierer Vannin hat vor einem halben Jahr in Bonn sogar ein deutsches Büro eröffnet.

Kirsten, der schwedisch spricht und auch bei Clifford Leiter der Nordic Group war, ist nicht der einzige Neuzugang bei Nivalion. Bereits im vergangenen Jahr wechselte die Schellenberg Wittmer-Counsel Dr. Isabelle Berger-Steiner zu Nivalion. Dort ist sie für die Schweiz, Frankreich und die Benelux-Länder zuständig. Im April stößt eine weitere Schellenberg Wittmer-Anwältin zum dann 13-köpfigen Team von Nivalion. (Marc Chmielewski)

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