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18.02.2019

Windenergie: Turmbauer Ambau geht mit Görg in die Insolvenz

Der Hersteller von Türmen für Windenergieanlagen Ambau hat beim Amtsgericht Cuxhaven die Insolvenz beantragt. Unklar sind die genauen Ursachen für die Insolvenz des Unternehmens, das an den Standorten Cuxhaven und Gräfenhainichen insgesamt rund 350 Mitarbeiter beschäftigt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht den Hamburger Görg-Partner Dr. Gerrit Hölzle.

Gerrit Hölzle

Gerrit Hölzle

Den Sanierungsexperten Hölzle hatte auch der Gläubigerausschuss vorgeschlagen. Hölzle ist aus diversen Verfahren bekannt. Etwa Ende September vergangenen Jahres hatte das Bremer Amtsgericht ihn für die MCE-Schiffsfonds als Verwalter für Alphabet Treuhand eingesetzt.

Am Standort Cuxhaven sind zudem die Görg-Partner Nadja Bussemer aus Bremen und Dr. Thorsten Bieg aus Hamburg tätig. Bieg war im Oktober 2018 mit Hölzle in die Sanierungsgeschäftsführung des insolventen Hamburger Autohauses Willy Tiedtke eingezogen. Außer Görg wären in Cuxhaven mit Blick auf die Teamgröße wohl nur White & Case, Schultze & Braun sowie Willmer Köster als Verwalter für den Komponentenhersteller infrage gekommen.

Am Standort Gräfenhainichen berät mit Sascha Feies ein weiterer Görg-Partner das Unternehmen. Ihm steht mit Rüdiger Weiß der Namenspartner der auf Insolvenzen spezialisierten Kanzlei Wallner Weiß zur Seite. Beide Insolvenzkanzleien, Görg und Wallner Weiß, können bereits auf gemeinsame Mandate zurückblicken. Sie arbeiteten etwa bei der Insolvenz des großen Dresdner Sicherheitsunternehmens DNZ zusammen.

Widersprüchliche Informationslage

Über die wirtschaftliche Situation des Anlagenbauers gehen die Meinungen auseinander: So bezeichnet Görg die Auftragslage als bis zuletzt zufriedenstellend. Laut Cuxhavener Zeitung fehlen dagegen die Aufträge. Nach den bisher vorliegenden Daten von 2010 bis 2017 sind die Stromerzeugung durch Windkraft und ihr Marktanteil jedenfalls stetig gewachsen.

Anfang 2009 begann Ambau die Produktion stählerner Turmsegmente und Gründungsstrukturen für Windenergieanlagen in einem neuen Werk in Groden auf der Cuxhavener Offshore-Basis. Zu einem gleichnamigen Unternehmen in Berlin sollen keine Beziehungen bestehen. In deren zuletzt veröffentlichtem Geschäftsbericht war allerdings noch von Erbbaurechts- und Pachtverträgen für die beiden Standorte des nun insolventen Unternehmens die Rede, das sich dem Vernehmen nach bei den Restrukturierungsüberlegungen im Vorfeld nicht beraten ließ.

Erst für die Antragstellung soll der Kölner Namenspartner der Kanzlei Achsnick Pape Opp, Maximilian Pape, Ambau beraten haben. Die Kölner Insolvenzkanzlei hatte sich bereits rund um die Insolvenz der P+S-Werften an der Küste blicken lassen, wo sie für den Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann von Brinkmann & Partner tätig war.

Insolvenzexperten waren zuletzt Ende 2017 mit zwei größeren Fällen in der Komponentenindustrie für Windenergieanlagen beschäftigt. Damals wurde in Berlin Jesko Stark von Greenberg Traurig zum vorläufigen Verwalter der ST3 Holding bestellt und in Nordenham Christopher Seagon von Wellensiek zum Insolvenzverwalter der Carbon Rotec. (Ludger Steckelbach)

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