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15.04.2019

Interview mit Noerr: „Warum bauen Sie ausgerechnet jetzt in Prag aus?“

Noerr hat Anfang März ihr Prager Büro mit einem fünfköpfigen Team von PricewaterhouseCoopers Legal aufgestockt. Angeführt wurde die Gruppe von dem Transaktionsanwalt Bořivoj Líbal, zuvor Managing-Partner bei PwC Legal in Prag. Libal leitet nun als Associated Partner gemeinsam mit der langjährigen Noerr-Partnerin Barbara Kusak den tschechischen Standort. JUVE sprach mit Prof. Dr. Jörg Menzer, der seit vier Jahren als Regional-Managing-Partner für die Standorte Bratislava, Bukarest, Budapest, Prag und Warschau verantwortlich ist, warum Noerr derzeit so stark in die CEE-Region investiert.

Jörg Menzer

Jörg Menzer

JUVE: US-Kanzleien wie zuletzt Weil Gotshal & Manges schließen ihr Büro in Prag. Sie bauen dort dagegen aus. Wie kam es dazu?
Jörg Menzer:
Tschechiens Wirtschaft läuft gut, das Land hat die niedrigste Arbeitslosenquote in Europa und zahlreiche internationale Firmen bauen dort ihr Geschäft aus. Unsere Mandanten kommen daher nicht nur aus der DACH-Region, sondern beispielsweise aus den USA und aus Korea. Wie in der gesamten CEE-Region können wir in der Tschechei demonstrieren, was wir als europäische Kanzlei können – von der Transaktionsbegleitung beim Markteintritt über regulatorische Beratung, Banking & Finance und Restrukturierung von Assets bis hin zur umfassenden Litigation. Eine Verstärkung des Teams war daher dringend notwendig.

In Prag wächst Ihr Team mit den Zugängen dann auf 18 Juristen, davon sind drei Partner. Insgesamt haben Sie außerhalb Deutschlands inzwischen rund 100 Berufsträger. Ist in den anderen CEE-Büros das Verhältnis zwischen Partner und Associates ähnlich? Und sind das dann nicht nur Teams, die als Werkbank für das deutsche Geschäft dienen?
Die Ratio ist für die Region typisch, weil die Juristen weit früher aus den Ausbildungen kommen. Aber wir begleiten aus den osteuropäischen Büros nicht nur Transaktionsarbeit aus Deutschland. Wir haben hier auch hochwertiges, national und regional verankertes Geschäft, beispielsweise im Bereich M&A beziehungsweise Immobilienrecht, Greenfield Investments, Subventionsberatung oder auch in der Vertretung von ausländischen Investoren vor nationalen Gerichten und Schiedstribunalen. Das schlägt sich auch in Partnerernennungen nieder, so wie Anfang des Jahres die von dem Gesellschaftsrechtler Dr. Petr Hrncir oder Victor Füzi als Arbeitsrechtler in Budapest.

In Polen und Rumänien sind die Teams mit 30 bis 40 Berufsträgern sehr groß, sollen es in den anderen Ländern auch so viele werden?
Wir wollen dort gerne mit regional verankerten Persönlichkeiten wachsen. Aber wir gehen planvoll vor und legen Wert auf hochwertige Mandate. Die Marke Noerr steht dort ja auch in einem anderen Wettbewerb, nicht nur mit internationalen Playern, sondern auch mit den starken, regional aktiven Sozietäten zum Beispiel aus Österreich. Im Gegensatz zu mancher Großkanzlei oder WP-Gesellschaft streben wir aber kein Größenwachstum um jeden Preis an. Für uns ist die Qualität der Beratung das Entscheidende und nicht die Zahl der Mitarbeiter, zumal wir auch in schwierigen Zeiten an unseren Teams festhalten.

Das Gespräch führte Sonja Behrens.

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