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18.04.2019

Legal Managed Services: Ernst & Young übernimmt Pangea3 von Thomson Reuters

Nach Riverview Law im vergangenen Jahr hat Ernst & Young erneut auf dem Markt für alternative Rechtsdienstleistungen zugeschlagen: Die Big-Four-Gesellschaft kauft Thomson Reuters das Legal-Managed-Services-Geschäft Pangea3 ab. Mit dem Schritt weitet sie ihr Angebot im Geschäftsbereich ‚Legal Operations Services‘ schlagartig aus. Es ist eine Transaktion, die sich Wettbewerber genau anschauen sollten. 

Pangea3 ist ein Pionier im Bereich der alternativen Rechtsdienstleistungen im Bereich Legal Managed Services (LMS). Kernkompetenzen des Unternehmens sind unter anderem die digitale Analyse von Dokumenten, das Audit von Regulierungsprozessen sowie das Management von Verträgen. Der Pangea3-Kauf weitet das Beratungsangebot von EY Law im Contract Lifecycle Management, Regulierung, Compliance sowie Untersuchungen und Streitigkeiten aus.

Thomson Reuters hatte den indischen Legal-Process-Outsourcing-Dienstleister 2010 übernommen. Zwischen 35 und 40 Millionen US-Dollar soll er damals wert gewesen sein. Unter dem Dach von Thomson Reuters ist er in den vergangenen Jahren stark gewachsen, was sich auch auf den Preis ausgewirkt haben dürfte, den EY nun gezahlt hat.

Knapp 1.000 Experten, mehrheitlich Juristen, kauft EY Law mit der Transaktion auf einen Schlag ein, von denen rund 800 in Indien sitzen. Der Rest verteilt sich hauptsächlich auf Standorte in den USA, Großbritannien und Polen. Insgesamt erwirbt EY acht Standorte auf drei Kontinenten, womit sie ihren Mandanten weltweit einen 24-Stunden-Service bieten kann. Für die Kunden soll sich laut EY am bisher gebotenen Service nichts ändern. Sie erhielten allerdings Zugang zu einem breiteren Spektrum an Dienstleistungen.

Massiver Ausbau des Geschäftsbereichs Legal Operations

Der Service wird nun Teil des 2017 in der EY Law gegründeten Geschäftsbereichs ‚Legal Operations Services‘. Bereits im August des vergangenen Jahres hatte EY den Rechtsdienstleister Riverview Law gekauft und in seine Rechtsberatungsarm EY Law integriert. Zu dem 100-köpfigen Riverview-Team gehörten Prozessmanager, IT-Entwickler und Datenanalysten. War die Riverview-Transaktion noch der Einstieg in die Kanzlei der Zukunft, so erweitert EY mit Pangea3 nun die Kapazitäten im Legal Managed Service enorm. Im Februar kündigte EY zudem an, die Verträge mit Luminence auszuweiten, einem Unternehmen, das künstliche Intelligenz nutzt, um etwa Verträge zu überblicken.

Wettbewerber sollten sich die Transaktion genau anschauen: Sie ist eine Kampfansage, insbesondere an die Konkurrenz in der Big-Four-Welt – und zeigt, wie schnell sich die Kräfteverhältnisse im Legal-Services-Markt verändern können. Bereits bei der Übernahme von Riverview Law kündigte der Chief Executive Officer von EY Riverview Law, Chris Price, an, das Management wolle in den kommenden fünf bis sieben Jahren die Mitarbeiterzahl auf 2.000 bis 3.000 ausbauen. Mit der Pangea3-Transaktion kommt EY dem selbstgesteckten Anspruch nun bereits nach etwas mehr als sechs Monaten ein gutes Stück näher.

Doch nicht nur auf der technischen und der Management-Ebene baut EY Law zurzeit massiv aus. Auch die Zahl der beratend tätigen Anwälte soll in den kommenden Monaten weiter steigen. Derzeit verfügt EY Law weltweit über 2.400 Anwälte in 84 Ländern. (Ulrike Barth)

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