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11.06.2019

Dieselkrise: Autohändler Dirkes geht mit Schultze & Braun in die Eigenverwaltung

Die Kölner Automobilgruppe Dirkes will sich in Eigenverwaltung sanieren. Gunnar Müller-Henneberg von Schultze & Braun sowie der vom Amtsgericht Köln bestellte Sachwalter Dr. Jens Schmidt von Runkel Schneider Weber begleiten die Sanierung. Dirkes verkauft unter anderem Fahrzeuge der Marken Nissan, Mitsubishi, Suzuki und Citroën.

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Jens Schmidt

Das familiengeführte Autohaus zählt rund 220 Mitarbeiter, die an insgesamt sieben Standorten in Köln, Frechen, Bonn und St. Augustin arbeiten. Mit Autohandel, Werkstätten und einem Logistikzentrum setzt Dirkes jährlich rund 100 Millionen Euro um. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben zuletzt deutliche Umsatz- und Ertragseinbrüche beim Fahrzeugverkauf erlitten, unter anderem verschärft durch die Dieselkrise. Das Dirkes-Management strebt eine strategische Neuausrichtung an, derzufolge ein stärkeres Augenmerk auf das regionale Neuwagen- und Servicegeschäft gelegt wird. Lieferanten und Finanzierer sollen ihre Unterstützung signalisiert haben.

Dirkes ist nicht der erste Autohändler, der seine Insolvenz auf die Dieselthematik zurückführt: Im Herbst hatte etwa das Hamburger VW-/Audi-Autohaus Willy Tiedtke seinen Insolvenzantrag so begründet. Sachwalter wurde Nils Krause von Schultze & Braun, eine der größten Kanzleien in Deutschland, die sich auf Insolvenzverwaltung und Krisenberatung spezialisiert haben. Regelmäßig ist sie auch in der Automobilbranche aktiv, allerdings in erster Linie im Zuliefererbereich. So verwaltete Dr. Holger Leichtle im vergangenen Jahr die SAM Automotive Group, zweitgrößtes Insolvenzverfahren 2018. SAM wurde Anfang 2019 an den chinesischen Investor Fuyao Glass Industry verkauft. Der Dirkes-Berater Müller-Henneberg ist wie Leichtle im Stuttgarter Büro von Schultze & Braun tätig. Müller-Henneberg kam 2014 mit Andreas Elsässer in die Kanzlei, die letzterer allerdings schon wieder verlassen hat.

Auch Sachwalter Schmidt kennt sich im Automobilsektor auf der Zuliefererseite aus. So war er Sachwalter für die Küpper Metallverarbeitung aus Velbert, die Ende Mai nach schwieriger Käufersuche an den Investor Gramax verkauft wurde. An anderem Ort war Schmidt auch als Sanierungsberater tätig: Für die seit Oktober 2018 insolvente Ergocast Guss erstellte er im Rahmen des Eigenverwaltungsverfahrens den Insolvenzplan. Dieses Verfahren am kleinen Insolvenzgericht Bitburg begleitete als Sachwalter Jörg Wunderlich von der Trierer Kanzlei Wunderlich van der Sanden Wolf und Sienkiewicz. (Markus Lembeck)

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