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10.07.2019

Legal Operations: Norton Rose baut Consulting-Einheit mit Ex-Barclays-Spezialistin auf

Norton Rose Fulbright holt zum August Stéphanie Hamon als Leiterin eines britischen Teams, das Rechtsabteilungen zum Thema Legal Operations beraten soll. Die 42-Jährige kommt von Barclays Bank, wo sie bis Mai die Beziehungen zu externen Rechtsberatern steuerte. Die Norton Rose-Einheit soll strukturell unabhängig von den Anwälten der Kanzlei arbeiten und einen eigenen Mandantenkreis erschließen.

Stéphanie Hamon

Stéphanie Hamon

Hamon zählt zu den bekanntesten Spezialisten in Europa für das Themenfeld Legal Operations, das in deutschen Konzernrechtsabteilungen derzeit stark an Relevanz gewinnt und die juristische Arbeit als Teil einer umfassenderen Inhouse-Dienstleistung begreift. Dazu zählen unter anderem Projektmanagement, die Optimierung von Arbeitsprozessen, der Einsatz von IT-Lösungen und Projektjuristen sowie ein strafferes Management externer Berater. Vor ihrem Wechsel zu Barclays 2015 war Hamon im Business Development für Linklaters, Clifford Chance und King & Wood Mallesons tätig.

Bei Barclays beaufsichtigte sie unter anderem die letzten beiden globalen Panel-Prozesse 2016 und 2018, die die Gesamtzahl der für die Bank tätigen Kanzleien von rund 400 auf 100 schrumpfen ließen. Zugleich läutete die Bank den Abschied von Stundensatzhonoraren ein und vereinbarte mit ihren Panel-Kanzleien alternative Honorarmodelle. Künftig soll die turnusmäßige Panel-Überarbeitung entfallen, stattdessen führte Barclays einen laufenden Evaluationsprozess ein.

Interdisziplinäre Beraterteams am Start

Zielgruppe des neuen Norton Rose-Teams sind Inhouse-Abteilungen, die ihre eigene Aufstellung analysieren und professionalisieren wollen. Die Mannschaft soll sich unter anderem aus Projektmanagern und Pricing-Spezialisten zusammensetzen.

Damit eröffnet Norton Rose in Großbritannien bereits die dritte Einheit in diesem Jahr, die unabhängig von den anwaltlichen Mandaten der Kanzlei ihr eigenes Beratungsgeschäft betreibt. Im März starteten zwei interdisziplinär besetzte Teams für Technologie- und Zahlungsdienstthemen, in denen Anwälte mit IT-Spezialisten, Projektmanagern und anderen Fachleuten zusammenarbeiten. Die Technologieberatung leitet ein Informatiker. Als Dachorganisation für diese Beratungszweige dient die Praxisgruppe ‚Transform‘, die stark auf die Ressourcen des kanzleieigenen Service Centers in Newcastle zurückgreift.

Britische Kanzleien bauen Parallelgesellschaften auf

Andere britische Kanzleien engagieren sich ebenfalls immer stärker abseits der reinen Rechtsberatung. Separate Legal-Operations- oder Technologieberatung bieten dort inzwischen etwa Bird & Bird, Bryan Cave Leighton Paisner, Fieldfisher, Herbert Smith Freehills und Pinsent Masons an.

Eversheds Sutherland überführte ihr bereits länger bestehendes Consulting- und Insolvenzgeschäft vor Kurzem in eine neue Einheit, die auch als Outsourcing-Dienstleister fungiert, vertrags- und gesellschaftsrechtliche Standardaufgaben übernimmt und Projektjuristen vermittelt. Die Gesellschaft namens Konexo arbeitet getrennt von der Anwaltskanzlei und soll demnächst als Alternative Business Structure (ABS) zugelassen werden, um auch Fremdkapital aufnehmen und eigene Joint Ventures eingehen zu können. Nach eigenen Angaben will die Kanzlei mit Konexo in fünf Jahren 100 Millionen Pfund (111 Millionen Euro) jährlich umsetzen. (Norbert Parzinger)

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