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03.09.2019

Galapagos-Insolvenz: Britisch-deutscher Clinch um den Verfahrensort

Juristisches Tauziehen bei der Galapagos Holding: Unter den Beteiligten ist ein Streit um die Hoheit für ein Insolvenzverfahren entbrannt. Der Investor Triton will in seinem kriselnden Luxemburger Private-Equity-Vehikel zwei ehemalige Unternehmen der Gea nach britischem Recht restrukturieren. Nun ernannte jedoch das Amtsgericht Düsseldorf Dr. Frank Kebekus von der Düsseldorfer Insolvenzrechtskanzlei Kebekus et Zimmermann zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Frank Kebekus

Frank Kebekus

2014 hatte das Private-Equity-Haus Triton die Gea-Tochterunternehmen Kelvion und Enexio für 1,4 Milliarden Euro gekauft und in der Holding Galapagos zusammengefasst. Der Schwerpunkt ihrer Produktionsstätten liegt mit dem Großteil der Beschäftigten in Deutschland, die Rechtsform ist luxemburgisch. Im Juni verlegten jedoch Triton und andere vorrangige Gläubiger den Sitz von Luxemburg in die englische Stadt Fareham. Zu den vorrangigen Gläubigern gehört nach Auskunft Beteiligter auch Goldman Sachs. Ende August leitete Galapagos zunächst ein Insolvenzverfahren nach britischem Recht ein. Darauf reagierten die unbesicherten Gläubiger, indem sie die bisherige Geschäftsführung durch den Frankfurter Restrukturierungsjuristen Jan Bayer ersetzten. Der stellte als Direktor kurz darauf den Antrag für ein Insolvenzeröffnungsverfahren am Amtsgericht Düsseldorf. Bayer war war früher Partner bei Broich Bezzenberger und Bingham McCutchen, die er 2013 verließ. Heute ist er unter eigenem Namen in Frankfurt tätig.

Mathias Eisen

Mathias Eisen

Schon in früheren Jahren gab es in Krisen diverse erfolgreiche Sitzverlegungen von Unternehmen nach Großbritannien, die meist zu Erfolgen für die besicherten Großgläubiger führten. Ein ähnliches Vorgehen fand etwa bei Schefenacker/Visiocorp statt. Die jetzige Verfahrenseröffnung in Deutschland ist insofern ein insolvenzrechtliches Husarenstück, zu dem sich bislang keiner der Beteiligten öffentlich äußern möchte. Aus dem Markt bekannt ist jedoch, dass die unbesicherten Gläubiger von einem Milbank-Team um den Frankfurter Partner Dr. Mathias Eisen (Bank- und Finanzrecht) und den Londoner Yushan Ng (Insolvenzrecht) beraten wurden. Eisen ist Spezialist für komplizierte Refinanzierungen und Restrukturierungen, insbesondere im Zusammenhang mit High-Yield-Anleihen. Ng arbeitete etwa als Berater bei der internationalen Restrukturierung von ATU Auto Teile Unger mit Bezug zum deutschen Markt. Für die unbesicherten Gläubiger stellt die Eröffnung des Düsseldorfer Verfahrens zunächst eine Verbesserung dar. 

Nach JUVE-Informationen war für die Banken Linklaters mit den federführenden Londoner Insolvenzrechtspartnern Rebecca Jarvis und James Douglas aktiv. Galapagos steht ein Team von Kirkland & Ellis um den Londoner Partner Sean Lacey zur Seite. Beide wollten das englische Verfahren durchsetzen. Kirkland wurde auch in Deutschland aufseiten der Holding beziehungsweise Triton gesehen und verfügt etwa mit ihrem Münchner Partner Dr. Leo Plank über einen Restrukturierungsspezialisten, der bereits 2007 Bondholder von Schefenacker und ATU bei der Restrukturierung beraten hatte.

Soweit bekannt beraten in den nun fortdauernden Streitigkeiten auch der Frankfurter Wellensiek-Partner Dr. Richard Scholz sowie Dr. Helmut Balthasar aus dem Kölner Görg-Büro. Akin Gump Strauss Hauer Feld, die 2014 mit einem Frankfurter Team aus Bayers Ex-Kollegen von Bingham McCutchen in Deutschland starteten, beraten eine Eignergruppe vorrangiger Anleihen. Die Federführung liegt bei den Restrukturierern Neil Devaney in London und Christian Halàsz in Frankfurt. Zum Team von Akin Gump gehören in Frankfurt Senior Counsel Stefan Gehrlein und Counsel Markus Käppler sowie die Londoner Anwälte Matt Benson und Jonathan Woods.

In dem aktuellen Streit machte das Düsseldorfer Gericht dann das Rennen knapp. Offenbar nur wenige Stunden, bevor das britische Gericht entschieden hätte, eröffnete es das Verfahren. Insolvenzverwalter Kebekus muss nun auch klären, wo sich der Schwerpunkt des wirtschaftlichen Interesses von Galapagos befindet.

Galapagos begab in den vergangenen Jahren drei Anleihen mit insgesamt 775 Millionen Euro Nennwert. Der Kurs des unbesicherten Papiers über 250 Millionen Euro fiel zuletzt auf unter 10 Prozent. Daneben ist der Wert von Tritons Milliardenkauf von der weiteren Entwicklung des Verfahrens betroffen. Galapagos’ Bonität befindet sich tief im Ramschbereich: Im Juni hatte die Agentur Moody’s ihre Ratings der Unternehmensgruppe und der bereits deutlich schwächer positionierten unbesicherten Anleihe noch einmal herabgestuft. Ende Juli wurde die Note der kriselnden Holding nochmals schlechter eingeschätzt. (Markus Lembeck, Ludger Steckelbach)

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