Artikel drucken
23.10.2019

Insolvenzverwaltung: Jauch baut sein Team mit erfahrenen Görg-Counseln auf

Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch (66) baut seine neu gegründete Kölner Insolvenzkanzlei mit zwei Quereinsteigern aus. Von seiner ehemaligen Kanzlei Görg wechseln zum November die beiden Counsel Michael Dahl (55) und Frank Linnenbrink (50) als Partner zu Jauch. Namenspartner Jauch war Ende 2018 aufgrund einer Altersregelung bei Görg ausgeschieden und ist seitdem in eigener Regie tätig. Die Kanzlei firmiert künftig unter dem Namen Jauch Dahl Linnenbrink.

Hans-Gerd Jauch

Hans-Gerd Jauch

An der Seite von Namensgeber Dr. Klaus-Hubert Görg war Jauch jahrzehntelang eine der dominierenden Figuren der Kanzlei Görg – nicht zuletzt deshalb, weil der Insolvenzbereich mit Verwaltung und Beratung eine große Bedeutung für den Umsatz der Gesamtkanzlei hat. Als das Amtsgericht Essen 2009 Görg zum Verwalter der Gesellschaften des Arcandor-Konzerns machte, gehörte Jauch zu den wichtigsten Akteuren. Folgerichtig übertrug ihm das Essener Gericht zahlreiche Verfahren aus dem Arcandor-Komplex, als sich Klaus-Hubert Görg später zurückzog. Mit der Abwicklung dürfte Jauchs Team noch weitere Jahre beschäftigt sein.

Die neuen Mitstreiter Dahl und Linnenbrink gehörten bereits bei Görg zu den engsten Mitarbeitern von Jauch, etwa bei dem Versuch, zugunsten der Arcandor-Gläubiger 34 Millionen Euro bei einigen Immobilienfonds einzuklagen. 2018 wurde darüber ein Vergleich geschlossen. Dahl ist ausgewiesener Insolvenzrechtler mit weiteren Schwerpunkten im Gesellschafts- und Bankrecht. Linnenbrink ist Experte in der Prozessführung mit insolvenzrechtlichem Bezug. Beide waren seit 2001 bei Görg. Gerichtliche Verfahren übernimmt in der neuen Konstellation allerdings nur Jauch, der sich zudem auf das Amtsgericht Köln konzentriert.

Neue Verfahren am Insolvenzgericht Köln

Das erste namhafte Verfahren nach Jauchs Abschied bei Görg ist der Reiseveranstalter Tour Vital, eine ehemalige Tochtergesellschaft von Thomas Cook mit 45 Mitarbeitern und 35 Millionen Euro Umsatz. Alle 640 Reisenden, die zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags Ende September unterwegs waren, konnten ihre Reisen beenden und sind wieder zu Hause. Außerdem gelang es, über 1.600 gebuchte Kreuzfahrten auf die Originalanbieter zu übertragen. Allerdings ist Tour Vital auch von der Deckelung der Reisegeldversicherung bei Zurich betroffen und musste alle weiteren Reisen absagen.

Görg musste zuletzt auch den Abschied des Private-Equity-Partners Dr. Oliver von Rosenberg hinnehmen, der am Jahresende mit drei weiteren Anwälten zu Heuking Kühn Lüer Wojtek wechseln wird. Der Görg-Zweig für Insolvenz und Sanierung, aus dem Dahl und Linnenbrink ausscheiden, bleibt weiterhin einer der stärksten Gruppen der Kanzlei und hat mit der Sanierung des Windkraftanlagenbauers Senvion gerade in einem wichtigen Mandat Flagge gezeigt. (Markus Lembeck)

  • Teilen