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02.10.2019

Interview mit Rödl: „Bei uns arbeiten inzwischen 150 IT-Spezialisten“

Seit 2015 leitet Dr. José Campos Nave aus Eschborn den Rechtsberatungsarm der multidisziplinären Kanzlei Rödl & Partner. Mit JUVE sprach er über die Rechtsberatung von morgen und wie sich große Investitionen stemmen lassen.

José Campos Nave

José Campos Nave

JUVE: Rödl berät schon lange über das übliche Anwalts- und auch MDP-Spektrum hinaus. In welche Richtung entwickelt sich aktuell die Rolle Ihrer Rechtsanwälte?
José Campos Nave
: Es gibt eine ganze Reihe von Aufgaben, die Mandanten heute nicht mehr von Anwälten, sondern von anderen Anbietern erledigen lassen, etwa Recherchen im Vorfeld einer Transaktion, IT-Unterstützung oder Projektmanagement. Gleichzeitig gibt es immer mehr juristische Beratungsprodukte heute gratis zum Download, zum Beispiel Musterverträge, sogar für recht spezielle Sachverhalte. Beide Tendenzen werden weiter zunehmen, und damit schwinden nicht nur der Nimbus und die Sonderrolle des Juristen, sondern es schwindet auch die Bereitschaft der Mandanten, dafür zu bezahlen. Darum müssen wir bei Standarddienstleistungen kosteneffizienter und bei hochwertigen Beratungsprodukten präsenter werden – weit über die Grenzen der Juristerei hinaus.

Wie sieht künftig die Beratermannschaft in einem Mandat aus?
Gemischte Teams aus Anwälten, Steuerberatern, Betriebswirten und IT-Spezialisten sind bei uns schon heute üblich, je nachdem, was der Mandant anfordert. Wenn die Rechtsberatung im Zentrum steht, führt natürlich ein Jurist das Mandat. Einen Betriebswirt als Projektmanager an der Spitze eines Teams mit juristischem Schwerpunkt würden weder die Teammitglieder noch die Mandanten akzeptieren. Aber innerhalb der jeweiligen Projektpyramide haben die unterschiedlichsten Disziplinen ihren Platz, und diese Vielfalt wird weiter zunehmen.

Wie beeinflusst das die Anforderungen, die Sie an den Anwaltsnachwuchs stellen?
Schon heute muss ein guter Rechtsberater nicht nur Jura können, sondern auch wirtschaftliche Zusammenhänge und die Arbeitsabläufe und IT-Prozesse innerhalb der Mandantenunternehmen verstehen. Das heißt nicht, dass Associates künftig einen MBA mitbringen müssen. Theoretisches Wissen ist schön und gut, aber für mittelständische Mandanten zählt vor allem, dass ihr Berater effizient arbeitet, praxistaugliche Lösungen entwickelt und verständlich präsentiert.

Wie wichtig sind dabei Legal- und Tax-Tech-Instrumente?
Sie spielen für uns eine ganz enorme Rolle. Wir beschäftigen inzwischen 150 IT-Spezialisten, darunter etliche Programmierer, die unter anderem eine eigene Plattform für unsere Mandatsarbeit entwickelt haben. Darüber laufen nicht nur Ressourcensteuerung, Rechnungslegung und andere organisatorische Dinge, sondern auch große Teile des Dokumenten- und Wissensmanagements. Wir betreiben eine eigene, deutsche Cloud-Architektur, an die alle Rödl & Partner-Standorte weltweit angeschlossen sind. Und wir investieren aktuell auch, um die standardisierbaren Bestandteile der juristischen Beratung zu automatisieren. Dafür arbeiten wir mit IT-Tools als Schnittstelle zwischen Juristen und IT-Experten.

Wie kann eine Partnerschaft von Freiberuflern überhaupt größere Investitionen bewältigen?
Wenn man den Gewinn jährlich voll auszahlt, ist das sicher ein Problem. Rödl & Partner ist da in einer komfortableren Situation: Durch die Geschäftsführungs- und Beteiligungsstruktur können die Geschäftsführenden Partner sachgerecht und weitreichend entscheiden, welcher Anteil des Gewinns investiert wird. Es überwiegen hierbei nicht die kurzfristigen Ausschüttungsinteressen, sondern das langfristig orientierte Ziel der Entwicklung von Rödl & Partner.

Das Gespräch führt Norbert Parzinger.

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