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10.10.2019

Verdorbene Waren: Römermann verwaltet insolvente Wurstfabrik Wilke

Die Staatsanwaltschaft Kassel hat Ermittlungen gegen den Geschäftsführer der insolventen Wurst- und Fleischfabrik Wilke aufgenommen. Außerdem ist Insolvenzverwalter Dr. Mario Nawroth aus der Kanzlei Römermann angetreten, um die geschäftliche Zukunft der Firma zu begleiten. Unterstützt wird er dabei nach JUVE-Informationen von seinem Team und der Hannoveraner Kanzlei Melz Gercke.

Mario Nawroth

Mario Nawroth

Die Staatsanwaltschaft Kassel teilte JUVE mit, dass sie wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung, fahrlässigen Körperverletzung und Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtergesetz gegen den Geschäftsführer von Wilke ermittelt. Sie hat das Verfahren aufgrund einer Strafanzeige des Landkreises eingeleitet. Den Betrieb und das Haus des Beschuldigten hat sie bereits durchsucht. Der Geschäftsführer stellte auch den Insolvenzantrag für das Unternehmen.

Gemäß dem im Januar veröffentlichten Geschäftsbericht verzeichnete Wilke schon damals sinkende Verkäufe und schloss das Jahr 2017 mit einem Verlust ab. Das negative Eigenkapital wurde durch ein Nachrangdarlehen bilanziell aufgefangen. Schon dieser Geschäftsbericht nennt Keime als gefährliches Produktionsrisiko.

Neben Römermann-Partner Nawroth sind auch Dr. Volker Römermann und Associate Martin Gehlen in dem Verfahren aktiv. Nawroth war lange bei Pluta, bevor er zum Jahresbeginn zu Römermann kam. Dort leitet er in Kassel einen der bundesweit 13 Standorte der Insolvenzrechtsboutique. Die Römermann-Anwälte arbeiten nach Marktinformationen mit der Hannoveraner Kanzlei Melz Gercke zusammen, aus der sich federführend Namenspartner Dr. Sebastian Melz um die verwaltungs- und arbeitsrechtlichen Probleme kümmert. Vor der Insolvenz soll Wilke von Manfred Obermeier aus der Bochumer Kanzlei Mauer & Partner beraten worden sein. Die Kanzlei wollte sich dazu bisher nicht äußern. Seitens des Geschäftsführers, der Lieferanten, Kunden und Finanzierer sind bisher noch keine beteiligten Anwälte in Erscheinung getreten. Ein wichtiger Finanzierer ist neben der örtlichen Hausbank offenbar ein Factoringunternehmen.

Zuletzt waren in den Wurst- und Fleischprodukten von Wilke mehrfach Listerienkeime nachgewiesen worden, die für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein können. Die hessischen Behörden, zuständig sind bisher der Landkreis Waldeck-Frankenberg sowie die Regierungspräsidien Kassel und Darmstadt, bringen nun zwei Todes- und mehrere Krankheitsfälle mit Wilke-Wurst in Verbindung. Für alle Produkte des Unternehmens läuft derzeit ein weltweiter Rückruf. Wilke verkaufte auch Produkte unter anderem Namen und belieferte neben dem Einzelhandel etwa Krankenhäuser und Handelskonzerne wie Kaufland und Metro. Auch Ikea verwendete in seinen Restaurants Wilke-Produkte. (Ludger Steckelbach)

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