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08.11.2019

Partnervergütung: Freshfields will Fehlverhalten finanziell bestrafen

Nach einem Skandal am Londoner Standort will Freshfields Bruckhaus Deringer einen Maßnahmenkatalolg aufsetzen, um Fehlverhalten von Partnern zu bestrafen. Medienberichten zufolge gehört dazu auch, dass Bezüge gekürzt werden – von 20 Prozent ist die Rede. Diese Pläne haben auch bei anderen Kanzleien interne Diskussionen ausgelöst.

Andreas Steck

Andreas Steck

Nach Berichten in Legal Week und anderen Medien soll bei Freshfields demnächst ein ‚conduct protocol‘ greifen, das nicht nur Verwarnungen, sondern auch Geldstrafen vorsieht. Wird bei einer internen Untersuchung festgestellt, dass ein Partner gravierend gegen die Verhaltensregeln der Kanzlei verstoßen hat, soll seine Vergütung für zwölf Monate automatisch um 20 Prozent sinken. Über die Sanktionierung soll ein neu installiertes ‚conduct committee‘ entscheiden, ein Unterausschuss des 16-köpfigen Partnership Council.

Auslöser für die Pläne war der Skandal um einen Londoner Freshfields-Partner, der vor einigen Jahren eine Kollegin nach einer Feier sexuell belästigt haben soll. Freshfields untersuchte den Vorfall, der Partner wurde aber lediglich verwarnt. Das daraufhin eingeschaltete Solicitors Disciplinary Tribunal verurteilte den Anwalt im Oktober 2019 zu einer Geldstrafe von 35.000 Pfund und zur Übernahme der Verfahrenskosten von 200.000 Pfund. Erst danach schied er aus der Freshfields-Partnerschaft aus.

Geldstrafe als gelbe Karte

Edward Braham, Senior-Partner der Kanzlei, bekannte sich in der britischen Presse zu einem kanzleiinternen Kulturwandel, ein entsprechendes ‚Global Behaviours‘-Programm sei bereits in der Umsetzung. Ob ‚global‘ bedeutet, dass das Programm für alle Standorte und damit auch Deutschland gilt, ist nicht bekannt. Die Kanzlei gab dazu keine weiteren Informationen.

Dass Freshfields als – soweit bekannt – erste Kanzlei materielle Sanktionen erwägt, setzte auch in den übrigen Magic-Circle-Kanzleien ähnliche Überlegungen in Gang. Dabei heißt es durchweg, dass Geldstrafen zwar als deutliche ‚gelbe Karte‘ denkbar wären, nicht aber als letzte Konsequenz.

„In unserer Kanzlei gibt es stehende Prozesse zur Früherkennung und Feststellung von Fehlverhalten“, sagte Andreas Steck, Senior-Partner von Linklaters in Deutschland. Etwaige Folgen hingen zwangsläufig vom Einzelfall ab, aber: „Ab einem bestimmten Grad der Nichtvereinbarkeit mit unserer Kanzleikultur wären auch materielle Sanktionen nicht mehr angemessen, sondern einzig und allein die Trennung.“ Linklaters hatte nach der Oktoberfest-Affäre 2014 zwei Partner ausgeschlossen.

Allen & Overy, deren Londoner Management dafür bekannt ist, stärker als früher auf ein persönlich integres Verhalten der Partner Wert zu legen, äußerte sich ähnlich. „Wer in schwerwiegendster Form gegen unseren Code of Conduct verstößt, muss mit spürbaren Sanktionen bis hin zum Ausschluss aus der Partnerschaft rechnen“, erklärte ein Sprecher der Kanzlei.

Peter Dieners

Peter Dieners

Kanzleien greifen öfter durch

Dr. Peter Dieners, Managing-Partner der deutschen Clifford Chance-Büros, betonte die „hohen Verhaltensstandards der Sozietät“. Gleichzeitig, so Dieners weiter, „ermöglichen wir es und ermutigen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Beobachtungen vertraulich zu melden, sollten diese Standards und das positive Miteinander einmal von Einzelnen missachtet werden. Solchen Hinweisen würden wir konsequent nachgehen und im Fall schwerwiegenden Fehlverhaltens sehr konkrete und wirksame Konsequenzen ziehen.“ Ob diese Konsequenzen auch bedeuten, dass Partner Einbußen bei den Bezügen machen müssen, ist nicht bekannt.

Vor allem in den USA und Großbritannien hatten in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Kanzleien mit internen Skandalen zu kämpfen. Meist ging es dabei um den Vorwurf der sexuellen Belästigung von Mitarbeiterinnen durch männliche Partner. Umso konsequenter reagieren die meisten Kanzleien inzwischen generell auf mögliche Fehltritte. Erst im Juni musste ein deutscher Ashurst-Partner die Kanzlei verlassen. Als Grund gab das Londoner Management Verhalten „im Gegensatz zu den Firmenwerten“ an. (Norbert Parzinger)

Anmerkung der Redaktion: Wir haben den Artikel am 12.11.2019 geändert.

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