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31.01.2020

Inhouse-Umfrage: Kostendruck und Personalnot befeuern Legal-Operations-Trend

Rechtsabteilungen müssen mit der Zeit gehen und ihre Abläufe ständig anpassen. Doch wer ist bereit, wirklich seine DNA zu verändern und Prozesse ganz neu zu denken? Immer mehr, wie die JUVE-Inhouse-Umfrage 2019 zeigt.

Seit der Finanzkrise haben Rechtsabteilungen stetig Personal aufgebaut, Strukturen für Auswahl und Mandatierung externer Berater geschaffen und ihren eigenen Einfluss im Unternehmen vergrößert. Gewachsen ist damit auch das Aufgabenportfolio, über die Schnittstellen zu Governance, Risikomanagement und Compliance hinaus bis hin zu Versicherungen und Beteiligungen. Doch ist man so in geeigneter Weise für die Zukunft gewappnet? Viele Rechtsabteilungen stellen sich genau diese Frage und sind deshalb schon beim nächsten Schritt – die aktuelle JUVE-Inhouse-Umfrage bei 265 Rechtsabteilungsleitern und Syndizi zeigt, wie die Antwort darauf lauten könnte.

Leergefegter Personalmarkt

Die Kehrseite des Inhouse-Erfolgs ist ein dauerhaft erhöhtes Arbeitsaufkommen, das die vorhandenen Kapazitäten häufig übersteigt. Entschiedener denn je erklären die Teilnehmer der JUVE-Umfrage, dass sie mehr Berufsträger engagieren wollen. Doch das ist nicht so leicht: Selbst wenn die entsprechenden Gelder bewilligt werden, heißt das noch lange nicht, dass sich die Wachstumspläne auch verwirklichen lassen. In vielen Bereichen ist der Bewerbermarkt, in den Worten eines Dax-Rechtschefs, „leergefegt“.

Mehr denn je wollen sich Rechtsabteilungen darum projektbezogen Verstärkung holen – über altbekannte Wege wie Secondments, zunehmend aber auch in Gestalt von Projektjuristen. Nur ganz vorsichtig freunden sich Syndizi mit dem Gedanken an, alternative Rechtsdienstleister zu beauftragen.

Oberstes Ziel: Effizienz

Personalmangel und budgetäre Zwänge sind auch die Hauptursachen für einen Trend, der in Deutschland seit etwa zwei Jahren massiv an Fahrt aufnimmt. Bereits 19 Prozent der von JUVE befragten Rechtsabteilungen gaben an, dass heute Legal-Operations-Zuständige bei Organisations- und Managementthemen mitbestimmen – im vergangenen Jahr waren es nur 13 Prozent. Damit kommen abteilungsinterne Prozesse ebenso auf den Prüfstand wie das Zusammenspiel mit anderen Fachabteilungen, dem operativen Geschäft und externen Beratern. Oberstes Ziel ist mehr Effizienz.

Der Weg dorthin führt über die Priorisierung von Inhalten, mehr Arbeitsteilung und gezielte Entlastung der Berufsträger, die sich dann – so die Idee – auf die wirklich wichtigen Rechtsfragen konzentrieren können. Für die Inhouse-Rollen bedeutet das: Sie differenzieren sich anders und feiner als bisher.

Einzug der Nichtjuristen

An der Spitze der Legal-Operations-Funktion stehen zwar meist Juristen. Ihre Mitarbeiter sind aber oft Ökonomen, IT-Experten, Projektmanager und sogar Kommunikationsspezialisten. Selbst wenn es kein – oder noch kein – eigenes Operations-Team gibt, setzen Rechtsabteilungen laut JUVE-Umfrage verstärkt auf Unterstützung durch Nichtjuristen: Bereits 26 Prozent beschäftigen eigene Einkäufer, 44 Prozent eigene Personalfachleute, je rund ein Drittel haben Risikoanalysten, Finanzfachleute und IT-Experten in ihren Reihen.

Inhouse-Prioritäten

Inhouse-Prioritäten

Wie Inhouse-Abteilungen vorgehen, zeigt die JUVE-Umfrage recht deutlich (siehe Pop-up-Grafik). Ganz oben auf der Agenda steht für die meisten die Optimierung der eigenen Arbeitsprozesse und der internen Kommunikation, auch über die Abteilungsgrenzen hinaus. Strategische Grundsatzfragen treiben zwar ebenfalls viele um, ein recht großer Teil der Befragten hat diesen Punkt aber bereits erledigt. Mit der IT-Ausstattung dagegen wollen sich noch fast die wenigsten beschäftigen.

Leistungsmessung noch in den Kinderschuhen

Wenig Handlungsbedarf sehen Unternehmensjuristen auch bei der datengestützten Leistungsmessung. Die Rechtsabteilungen der US-Konzerne, die das Schlagwort Legal Operations vor einigen Jahren geprägt und mit Leben gefüllt haben, sind auch hier schon einen oder mehrere Schritte weiter. Der Gedanke, dass sich die Arbeit der Inhouse-Juristen und ihrer Kanzleien mit einer Matrix von Messgrößen abbilden lässt, liegt für Tech-Konzerne aus dem Silicon Valley natürlich näher als für deutsche Traditionsunternehmen.

Gar so disruptiv wäre diese Neuigkeit dabei nicht: In anderen Unternehmensbereichen ist die Selbstbeobachtung anhand fester Metriken und Key Performance Indicators (KPI) seit vielen Jahren selbstverständlich. Auch einige deutsche Rechtsabteilungen beschäftigen sich bereits damit, geeignete Indikatoren zu entwickeln. Setzt sich dieser Trend auch hierzulande weiter durch, hat er das Zeug dazu, als Evolutionsfaktor tief in die DNA von Inhouse-Abteilungen einzugreifen. (NP)

Die kompletten Ergebnisse der JUVE-Inhouse-Umfrage finden Sie in der aktuellen Ausgabe des JUVE Rechtsmarkt 2/2020

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