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21.02.2020

Dieselkrise: Hamburger Autohaus Wichert mit Görg und White & Case in Eigenverwaltung

Auto Wichert, einer der größten Autohändler im Markenverbund des Volkswagen-Konzerns, hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Rund 1.400 Mitarbeiter an 23 Standorten in Hamburg und Umgebung sind betroffen. Die Hamburger Görg-Partner Prof. Dr. Gerrit Hölzle und Dr. Thorsten Bieg stiegen als Restrukturierungsgeschäftsführer ein. Vorläufiger Sachwalter ist der White & Case-Partner Dr. Sven-Holger Undritz.

Gerrit Hölzle

Gerrit Hölzle

Wichert, Hamburgs größter VW-Händler, hat beim Amtsgericht Mitte das Verfahren beantragt. Das Unternehmen hatte erst vor einem Jahr den Konkurrenten Willy Tiedtke übernommen, der im Zusammenhang mit niedrigen Preisen für gebrauchte Dieselautos in Schwierigkeiten geraten war.

Neuer Fall, gleiches Team

Auch bei Tiedtke hatten die Sanierungsexperten Bieg und Hölzle die Geschäftsführung übernommen und kennen sich daher bestens mit den Problemen der Firma aus. Im Jahr 2018 setzte Wichert 351 Millionen Euro um und plante für das abgelaufene Jahr aufgrund der Vergrößerung mit 455 Millionen und einem Jahresüberschuss von gut zwei Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote erreichte Ende 2018 noch 19 Prozent, nach 20 Prozent im Vorjahr.

Sven-Holger Undritz

Sven-Holger Undritz

Den Geschäftsführern Bieg und Hölzle steht ein Görg-Team zur Seite, das ähnlich wie bei Tiedtke zusammengesetzt ist. Dazu gehören die Insolvenz- und Arbeitsrechtspartner Marc Odebrecht und Burkhard Fabritius sowie Sascha Feies und Dr. Axel Dahms aus dem Berliner Büro. Im Insolvenzrecht zählen zu dem insgesamt zehnköpfigen Team noch die Associates Dr. Karl-Friedrich Curtze und Dr. Mathias Gellert aus Hamburg sowie Dr. Timm Geßner aus Bremen und die Hamburger Arbeitsrechtlerin Karin Böckmann.

VW-Händler unter Druck

Sachwalter Undritz wird arbeitsrechtlich unterstützt vom White & Case-Partner Hendrik Röger sowie von den Insolvenzrechtlern Dr. Ellen Meyer-Sommer, Dr. Henning Mordhorst und Dr. Janina Ruster. Der erfahrene Insolvenzverwalter Undritz war schon in diversen großen Hamburger Verfahren aktiv. Sein Geschick bei der Investorensuche zeigte er zuletzt auch beim Verkauf des deutschen Ferienfliegers Condor an den Mutterkonzern der polnischen Fluggesellschaft LOT, die Polish Aviation Group.

Die VW-Händler stehen unter Druck: Schon Ende 2017 waren die westfälischen Max Moritz-Autohäuser insolvent, ebenfalls in einer Eigenverwaltung mit Bieg und Hölzle. Nach Willy Tiedtke folgten weitere wie die Bottroper Verstege & Lux vor einem Jahr. Das Problem ist aber nicht auf VW beschänkt, wie etwa die Dirkes-Insolvenz im Frühjahr 2019 zeigte. Dass VW nun den Einstieg als Investor bei Wichert prüft, wie von der Bild-Zeitung bereits gemeldet, wollten die Beteiligten nicht kommentieren. Gespräche mit der Vertriebsorganisation der Wolfsburger dürften aber von den Sanierern geführt werden.

Jedenfalls findet Wichert in seinem jüngsten Geschäftsbericht aus dem Dezember 2019 deutliche Worte, wie etwa, „dass der Vertrauensverlust von VW von der Marke Wichert nicht total aufgefangen werden konnte“. Die Ergebnisentwicklung sei von der Dieselproblematik der Hersteller geprägt, was die drastisch gesunkenen Wiederverkaufswerte von gebrauchten Dieselautos zeigten, die direkten Niederschlag im laufenden Geschäft gefunden haben. Zudem seien die von VW „oktroyierten“ Servicepreise ein Problem. (Ludger Steckelbach)

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